Leitzins bleibt auf Rekordtief Europäische Zentralbank lässt sich Zeit mit Zinswende 

Sparer müssen noch lange auf höhere Zinsen warten: Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent - und das noch mindestens ein Jahr.

Mario Draghi
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Mario Draghi


Die Europäische Zentralbank (EZB) hält an ihrem allmählichen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik fest. Die Währungshüter peilen nach Jahren im Krisenmodus weiterhin ein Ende ihrer milliardenschweren Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 an, wie die EZB mitteilte.

Im Juni hatten die Währungshüter unter ihrem Präsidenten Mario Draghi in Aussicht gestellt, das Volumen ihrer Anleihenkäufe ab September von bisher 30 Milliarden Euro pro Monat zunächst auf 15 Milliarden zu senken, bevor das Programm Ende des Jahres komplett eingestellt wird. Diese Überlegungen bekräftigten die Währungshüter nun.

Mit einer Zinswende hat es die Notenbank zunächst aber nicht eilig: Den Leitzins im Euroraum beließen die Währungshüter bei ihrem Treffen auf dem Rekordtief von null Prozent. Geschäftsbanken müssen weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken.

Die Leitzinsen sollen aber mindestens bis "über den Sommer 2019" auf dem aktuell niedrigen Niveau bleiben. Konkretere Angaben zum Zeitpunkt machte die Notenbank zunächst nicht.

Bis die erste Zinserhöhung auf dem Sparkonto ankommt, könnte nach Einschätzung einiger Ökonomen noch einmal ein Jahr vergehen. Während Sparer unter der Zinsflaute leiden, profitieren Kreditnehmer von dem billigen Geld.

Mit der Geldflut will die EZB die Konjunktur stützen und die Inflation anheizen. Mittelfristig strebt die Notenbank Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das könnte die Konjunktur abwürgen.

Im Juni stieg die Inflationsrate im Euroraum nach Angaben des Statistikamtes Eurostat vor allem wegen höherer Energiepreise auf 2,0 Prozent.

hej/dpa



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hannesmann 26.07.2018
1.
Da mittlerweile die Inflationsrate über dem angepeilten Ziel liegt und es auch keine Anzeichen für eine Abschwächung gibt, zeigt sich doch, dass dieses Argument nur vorgeschoben ist. Der EuGh wartet mit seinem Urteil zu den Staatsanleihekäufen auch bis sich das Thema erledigt hat. Da soll noch jemand Vertrauen in die Institution haben. Wenn Draghi dann weg ist kann sich der Nachfolger darum kümmern die Schäden zu beseitigen.
hevopi 26.07.2018
2. Wenn jemand mit den Zinszahlungen,
Gebühren und sonstigem Service seiner Bank unzufrieden ist, sollte er mal in den "Finanztip" schauen.Da gibt es noch Empfehlungen, wie man zumindest im Bereich Festgeld und Tagesgeld ein wenig bekommt und nicht nur abgezockt wird.
kurt.altmeyer 26.07.2018
3. Der Italiener Draghi
Warum greifen BGH bzw. EuGH hier nicht ein, warum nicht unsere Bundesregierung? Herr Draghi ist Italiener und sorgt sich doch arg für das finanzielle Wohl seiner Landsleute. In meinen Augen ist er allerdings ein Gangster, der seine Befugnisse weit überschritten hat.
willibaldus 26.07.2018
4.
ERst kommt der Anleihestop zum Ende des JAhres. WEnn dann die Inflation für ein paar Monate deutlich über 2% steigt, dann kommt der erste Zinsschritt. In etwa einem Jahr. WEnn Trump so weiter macht, vielleicht in 2 Jahren.
jamguy 26.07.2018
5.
Zitat von hannesmannDa mittlerweile die Inflationsrate über dem angepeilten Ziel liegt und es auch keine Anzeichen für eine Abschwächung gibt, zeigt sich doch, dass dieses Argument nur vorgeschoben ist. Der EuGh wartet mit seinem Urteil zu den Staatsanleihekäufen auch bis sich das Thema erledigt hat. Da soll noch jemand Vertrauen in die Institution haben. Wenn Draghi dann weg ist kann sich der Nachfolger darum kümmern die Schäden zu beseitigen.
solidarisch und demokratisch und profitabler wenn man in den Staaten Zinseszins hat die nicht am Tropf hängen und für die Anderen bleibt das billige Geld bis mehr geht?
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