Kampf gegen Deflation EZB weitet Anleihekäufe deutlich aus

Die Europäische Zentralbank kämpft mit drastischen Mitteln gegen die Deflation: In nur einer Woche kaufte sie Staatsanleihen für 19 Milliarden Euro. Die Kritik von deutschen Politikern wächst.

EZB-Präsident Draghi
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EZB-Präsident Draghi


Die Europäische Zentralbank (EZB) tritt bei ihren Anleihekäufen deutlich stärker aufs Gaspedal. Die Währungshüter nahmen in der vergangenen Woche Staatspapiere im Volumen von 18,82 Milliarden Euro in ihre Bücher, wie die EZB mitteilte. In der Woche zuvor waren es lediglich 8,76 Milliarden Euro.

Im März beschloss der EZB-Rat, ab diesem April den Umfang der monatlichen Wertpapierkäufe noch auszuweiten. Damit erhöht sich das geplante Gesamtvolumen des Programms bis Ende März 2017 auf 1,74 Billionen Euro. Das Kaufprogramm für Staatsanleihen läuft bereits seit März 2015. Bislang wurden Staatsbonds im Volumen von 670,84 Milliarden Euro erworben.

Mit dem Kaufprogramm sollen Banken dazu bewegt werden, weniger in Staatsanleihen zu investieren und stattdessen mehr Kredite an die Wirtschaft auszureichen. Die EZB will so die chronische Wachstumsschwäche im Euro-Raum bekämpfen und die an der Null-Linie verharrende Inflation nach oben treiben. Die Euro-Wächter streben knapp zwei Prozent Teuerung an - die Preise fielen aber zuletzt im März um 0,1 Prozent.

Mit der erneuten Lockerung ihrer Geldpolitik macht sich die EZB vor allem in der deutschen Politik aber Feinde. Der SPIEGEL berichtete am Samstag, das Bundesfinanzministerium erwäge juristische Schritte, falls die Zentralbank noch mehr Geld in die Märkte pumpe.

Auch Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) will den Druck auf die Frankfurter Notenbank erhöhen. "Wir brauchen in Deutschland eine Debatte über die falsche Politik der EZB", sagte er dem SPIEGEL und fügte hinzu: "Die Bundesregierung muss einen Richtungswechsel in der Geldpolitik einfordern." Die Nullzinspolitik sei ein Angriff auf das Vermögen Millionen Deutscher.

ade/Reuters

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