EZB-Präsident Draghi unterstützt angeblich Forderung nach Eurofinanzminister

Wolfgang Schäuble und Frankreichs Präsident Hollande wollen einen Finanzminister für die Eurozone. Nun fordert auch ein EZB-Direktor, den Posten zu schaffen - angeblich mit Rückendeckung von Notenbankchef Draghi.

EZB-Chef Draghi (im Juni): Bisher selbst nicht klar Stellung bezogen
REUTERS

EZB-Chef Draghi (im Juni): Bisher selbst nicht klar Stellung bezogen


Maßgebliche Akteure der Eurozone wollen nach den Erfahrungen in der Griechenlandkrise ein zentrales Finanzministerium für den Währungsraum schaffen - nun soll auch der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) dafür sein. Laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" unterstützt Mario Draghi eine entsprechende Forderung des EZB-Direktoriumsmitglieds Benoît Coeuré.

In einer Rede vor französischen Botschaftern in Paris hat Coeuré am Donnerstag die Schaffung eines Finanzministeriums für die Eurozone unter Aufsicht des Europäischen Parlaments angeregt. Coeuré hat dem Bericht zufolge Draghis Rückendeckung. Der EZB-Chef hat sich bisher noch nicht deutlich zur Forderung nach einem gemeinsamen Finanzministerium in Europa geäußert.

Seit die Griechenlandkrise im Juli nur knapp und mit großem politischen und ökonomischen Schaden entschärft werden konnte, wird in vielen Hauptstädten Europas und in Brüssel über Formen einer zentralen Wirtschaftsregierung für die Eurozone nachgedacht. Durch einen Ausbau von europäischen Institutionen soll das Gezerre zwischen nationalen Regierungen bei Fragen, die die gemeinsame Währung betreffen, verhindert werden. Unter anderem hatte sich Frankreichs Präsident François Hollande für eine gemeinsame Wirtschaftsregierung starkgemacht.

Auch Wolfgang Schäuble (CDU) ist für eine Eurofinanzregierung, wie der SPIEGEL bereits Ende Juli berichtete. Das Bundesfinanzministerium geht in seinen Plänen sogar noch einen Schritt weiter, indem es einen eigenen Etat und eigene Steuern für ein Finanzministerium der Eurozone für sinnvoll hält.

fdi/dpa-AFX



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insgesamt 133 Beiträge
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rainer_humbug 28.08.2015
1.
Er würde den Posten gerne selbst übernehmen, da er die Funktion dieses Postens ja aktuell schon ungefragt und ungewählt ausführt... Gibt es denn niemanden mehr, der Einfluss hat und versteht was hier gespielt wird? Wie kann das sein, dass dieser Verbrecher da immernoch sitzt und seine Meinung sogar noch in den Medien veröffentlicht wird??
espet3 28.08.2015
2.
Wenn D in gewissen Gremien nur das gleiche Stimmvolumen wie Zypern oder Malta hat, wäre das von vorne herein ein Flopp, weil dann die Südländer bestimmen könnten, was die Nordländer machen müssen. Natürlich würde man sich den maßgerechten EU-Fin-Minister gezielt erwählen.
mchunter 28.08.2015
3. Frankreich ???
Was die Franzosen darunter verstehen ist etwas vollkommen anderes als was Deutsche darunter verstehen. Mein Vorschlag ist, erst einmal den STABI Pakt umzusetzen, denn das wird von Frankreich komplett sabotiert!
Senf-Dazugeberin 28.08.2015
4. Transferunion
Ist doch prima, da kann man doch gleich so ganz nebenbei auch noch die Transferunion durchsetzen. Unsere 21 Milliarden plus müssen schließlich irgendwie in die Welt verteilt werden, geht doch nicht, dass wir mal irgendwas für unser eigenen Bürger oder Schuldentilgung damit machen...
mmpuck 28.08.2015
5. Wenn überhaupt EUROPA,
dann nur mit einer Regierung, mit einer Finanzverwaltung mit eigenem Etat, mit einem zu Entscheidungen berechtigten Parlament, mit allen hoheitlichen Rechten der bisherigen Einzelstaaten. Die wären dann nur noch Bestandteil eines föderalen Systems. Kann sich jemand vorstellen, dass es dazu kommen könnte? Nein? Ich auch nicht! Und deshalb ist die Idee EUROPA tot. War von Beginn an tot.
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