Tickethändler CTS Eventim darf die Pkw-Maut erheben

Die umstrittene Pkw-Maut soll noch in dieser Legislaturperiode kommen. Erheben soll sie CTS Eventim. Für den Konzertkartenanbieter ist es der bisher größte Einzelauftrag.

Autobahn in Berlin
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Autobahn in Berlin


Das eigentlich auf Konzertkarten spezialisierte Unternehmen CTS Eventim soll künftig gemeinsam mit dem österreichischen Mautsystem-Betreiber Kapsch TrafficCom die umstrittene Pkw-Maut in Deutschland erheben. Der Auftrag habe ein Volumen von knapp zwei Milliarden Euro und laufe über mindestens zwölf Jahre, teilten die Unternehmen mit.

Für den Online-Ticketvermarkter und Festival-Veranstalter CTS Eventim wäre die Erhebung der Maut ein neues Geschäftsfeld und der größte Einzelauftrag in der Unternehmensgeschichte. Voraussetzung für einen endgültigen Zuschlag ist, dass kein anderer Bieter bis zum 30. Dezember gegen die Vergabe Rechtsmittel einlegt.

Die Pkw-Maut ist nicht nur innerhalb Deutschlands umstritten. Die Niederlande und Österreich hatten gegen deren Einführung geklagt. Sie sehen in der Maut eine Diskriminierung ausländischer Autofahrer. Zwar sollen zunächst alle Fahrzeughalter die Gebühr bezahlen. Deutsche Autofahrer sollen dann jedoch über die Kraftfahrzeugsteuer entlastet werden und dadurch keine Mehrkosten haben.

Die EU-Kommission hatte ihr Verfahren wegen einer möglichen Benachteiligung von Ausländern aber eingestellt. "Die Pkw-Maut kommt - in dieser Legislaturperiode", sagte der deutsche Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nach der Auftragsvergabe an Eventim und Kapsch. "Die technische und organisatorische Umsetzung und der Aufbau der Systeme können nun ganz konkret beginnen."

Kosten und Nutzen der Maut sind umstritten, einen Starttermin für die geplante elektronische Vignette gibt es noch immer nicht. Nach Informationen, die dem SPIEGEL vorliegen, profitiert bislang vor allem die Beraterbranche an dem Vorhaben: Zwischen 2017 und 2019 rechnet das Verkehrsministerium mit millionenschweren Honoraren für Kanzleien, Wirtschaftsprüfer und Sachverständige.

fek/Reuters



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