"Spesenkonto" Ex-IWF-Chef wegen Korruption vor Gericht

Es ist einer der spektakulärsten Korruptionsfälle der vergangenen Jahre: In Madrid hat der Prozess gegen den ehemaligen IWF-Chef Rodrigo Rato und 64 Bankmanager begonnen. Rato droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Rodrigo Rato (links)
AP

Rodrigo Rato (links)


In Spanien hat der Prozess gegen den ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo Rato, wegen Veruntreuung von Geldern während seiner Zeit als Chef zweier spanischer Banken begonnen. Spaniens früherem Wirtschaftsminister Rato und 64 mitangeklagten ehemaligen Bankmanagern wird vorgeworfen, ein "Korruptionsnetzwerk" für private Zwecke genutzt zu haben. Dabei geht es um Kreditkarten, die den einstigen Führungskräften Ausgaben in unbegrenzter Höhe und ohne jede Kontrolle ermöglichten.

Der 67-jährige Rato betrat das außerhalb Madrids gelegene Gericht, ohne ein Wort zu sagen. Vor dem Gebäude hatte sich ein gutes Dutzend Demonstranten versammelt, die den Ex-IWF-Chef und die anderen Angeklagten als "Räuber" und "Betrüger" beschimpften. Sie warfen ihnen vor, Tausende Sparer und Kleinanleger "ruiniert" zu haben.

Rato war zwischen 1996 und 2004 Wirtschaftsminister der Regierung von José María Aznar und von 2004 bis 2007 Chef des IWF. Von 2010 bis 2012 leitete er erst die Caja Madrid und dann das Geldinstitut Bankia, das aus der Fusion der Caja Madrid mit sechs weiteren Banken hervorging.

2011 ging die Bankia an die Börse - weniger als ein Jahr später war sie derart in finanzielle Schieflage geraten, dass der Staat sie mit 20 Milliarden Euro vor der Pleite retten musste. Nachdem im Januar 2015 der Skandal um die "schwarzen Kreditkarten" herauskam, wurde Rato aus der regierenden konservativen Volkspartei (PP) ausgeschlossen.

Insgesamt geht es bei den Vorwürfen gegen die 65 Angeklagten um etwa zwölf Millionen Euro, die zwischen 2003 und 2012 veruntreut worden sein sollen. Medienberichten zufolge wurden damit unter anderem Safaris in Afrika bezahlt und Schmuckstücke gekauft.

Rato soll laut Anklage mehr als 99.000 Euro mit zwei Kreditkarten ausgegeben haben. Die Staatsanwaltschaft fordert eine viereinhalbjährige Haftstrafe für ihn. Außerdem soll er mehr als 2,6 Millionen Euro Strafe zahlen. Rato bestreitet, dass er sich etwas zuschulden hat kommen lassen. Der Prozess wird mindestens bis Dezember dauern.

mik/AFP



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