Schwache Nachfrage Chinas Außenhandel bricht ein

China meldet bei Exporten und auch bei Einfuhren einen deutlichen Rückgang. Börsianer sehen die Führung in Peking am Zug. Doch die wollte sich eigentlich zurückhalten.

Containerschiff unter einer Brücke in Hongkong: Sorge um Chinas Wirtschaft
DPA

Containerschiff unter einer Brücke in Hongkong: Sorge um Chinas Wirtschaft


Experten hatten eigentlich mit guten Zahlen gerechnet. Im Februar hatte das Neujahrsfest - der wichtigste Feiertag in China - die Volksrepublik wirtschaftlich gebremst. Danach geht es in der Regel aufwärts. Doch nun weckt ein überraschend starker Rückgang des chinesischen Außenhandels Sorgen über den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Die Ausfuhren fielen im März drastisch - um 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Beobachter hatten mit einer Zunahme um mehr als zehn Prozent gerechnet. Auch die Einfuhren gingen um mehr als zwölf Prozent zurück, wie die Zollverwaltung in Peking berichtete. Damit sind die Importe so stark gesunken wie seit Mai 2009 nicht mehr, als die Weltwirtschaft mit der Finanzkrise kämpfte.

Analysten sagten, die Exportstatistik sei ein Warnsignal für die weltweite Nachfrage und die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Wirtschaft. Die Entwicklung wird von der Führung in Peking mit großer Aufmerksamkeit verfolgt, weil eine Schwäche auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben könnte. Die kommunistische Regierung fürchtet, dass es bei einem Anstieg der Erwerbslosigkeit zu Unruhen kommen könnte. Der Arbeitsmarkt hat sich bislang aber überraschend stabil gezeigt.

Analysten verwiesen mit Blick auf den Rückgang der Export auch auf den Anstieg der Währung Yuan. Dadurch werden chinesische Produkte im Ausland teurer. Die Börsenkurse zeigten am Montag trotz der schlechten Nachrichten nach oben. Investoren setzen offenbar darauf, dass die Regierung das Wachstum bald ankurbeln wird.

Weltbank rechnet mit schwächerem Wachstum in China

Neue Stimulus-Maßnahmen könnten die Regierung aber unter Druck bringen. Die USA haben China im Visier, weil sie dem Land eine künstliche Schwächung des Yuan vorwerfen.

Betrachtet man nicht nur den März, sondern die ersten drei Monate des Jahres, steht bei den Exporten ein Plus von 4,9 Prozent. Die Importe gingen von Januar bis März dagegen um 17,3 Prozent zurück. Der anhaltende Rückgang der Einfuhren deutet auf eine schwache heimische Nachfrage in China hin.

Nach 7,4 Prozent im Vorjahr soll die chinesische Wirtschaft in diesem Jahr nur noch um "rund sieben Prozent" wachsen - so langsam wie seit 25 Jahren nicht mehr. Die Weltbank hat ihre Wachstumsprognosen für das Land und den gesamte Raum Ostasien/Pazifik leicht zurückgenommen - obwohl die Region vom niedrigeren Ölpreis und der Erholung in den Industrieländern profitiert. Die Wirtschaftsleistung in China wird laut den aktuellsten Schätzungen in diesem Jahr um 7,1 Prozent zulegen, im kommenden Jahr um sieben Prozent und schließlich 2017 nochmals schwächer um 6,9 Prozent.

Die nachlassende Wachstumskraft Chinas hängt mit den Bemühungen der Regierung zusammen, die Wirtschaft des Landes auf einen stabileren Weg hin zu mehr Investitionen zu führen, um weniger verwundbar zu sein und Überhitzungen zu vermeiden.

mmq/Reuters/dpa



insgesamt 43 Beiträge
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reinere 13.04.2015
1. experten
ich freue mich immer retrospekte Expertenvorhersagen zu höhren. Also nicht gelaufen wie gedacht. Muss das nicht an gesteigerter Innlandsnachfrage gelegen haben? :-) Wann sagt mir ein Wirtschaftsweiser mal was im Voraus und übernimmt eine zumindest moralische Hafting?
simonweber1 13.04.2015
2. Bei einer Wachstumsquote von
7% von einem Einbruch des Außenhandels zu schreiben, ist schon im hohen Maße fragwürdig. Jeder westliche Industriestaat wäre dankbar für solche "Wachstumszahlen".
carranza 13.04.2015
3. Erst wandern die Jobs nach China
Und jetzt wundert man sich, warum in den Ländern, wo die Jobs herkamen die Nachfrage sinkt. Schätze mal, da muß der Zwischenhandel einiges von seiner Marge abtreten, um das vors Erste gradezubiegen. Zur Erinnerung: Damals als das Iphone4 rauskam, lagen dessen Produktionskosten in China bei ca. 125 US$, der Straßenpreis bei uns bei ca. 700 €, damals noch etwa 850 US$.
muellerthomas 13.04.2015
4.
Zitat von simonweber17% von einem Einbruch des Außenhandels zu schreiben, ist schon im hohen Maße fragwürdig. Jeder westliche Industriestaat wäre dankbar für solche "Wachstumszahlen".
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Der Export ist - wie im Artikel geschrieben - im März um 14,6% eingebrochen. Dennoch wird das Wachstum wohl bei um 7% liegen. Sollte man Ihrer Meinung nach bei 14,6% Rückgang nicht von einem Einbruch sprechen, nur weil eine ganz andere Zahl weiterhin ganz gut ist?
larsmach 13.04.2015
5. Europäern ist der Dollar zu teuer...
...und chinesische Waren werden in US-Dollar exportiert. Die sind prozentual nun zweistellig (!) teurer geworden - binnen Monaten.
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