Euro-Krise Exporteure klagen über Imageschaden durch Merkels Sparkurs

Die rigide Sparpolitik der Kanzlerin sorgt in Europa für Unmut, das bekommt offenbar auch die deutsche Exportwirtschaft zu spüren. Der Branchenverband berichtet bereits über eine zunehmende Zurückhaltung der Handelspartner.

Protest in Thessaloniki, Griechenland: Export spürt Zurückhaltung der europäischen Partner
AP

Protest in Thessaloniki, Griechenland: Export spürt Zurückhaltung der europäischen Partner


Düsseldorf - Der Verband der deutschen Exporteure fürchtet die Folgen des Euro-Kurses von Kanzlerin Angela Merkel. Wegen der strikten Sparvorgaben für Krisenländer müssten sich die deutschen Firmen im Ausland immer wieder rechtfertigen, sagte der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Anton Börner, der "Wirtschaftswoche".

Die Unternehmen spürten bereits Zurückhaltung ihrer Partner. "Die Stimmung gegenüber Deutschland kippt und ist deutlich kälter geworden", warnte Börner. "Man geht nicht gern in ein Geschäft, wenn man den Verkäufer unsympathisch findet."

Zuletzt hatte es immer wieder Warnungen gegeben, Deutschlands Image könne unter dem Krisenmanagement leiden. Als Gegenleistung für die Hilfen der internationalen Geldgeber müssen die hochverschuldeten Länder schmerzhafte Sparauflagen beachten. Der US-Investor George Soros kritisierte im SPIEGEL-ONLINE-Interview, Deutschland tue "nur das Nötigste, um den Euro zu erhalten". Das verschlimmere die Situation der Krisenländer. "Das Ergebnis wird ein Europa sein, in dem Deutschland als Imperialmacht betrachtet wird." Die Bundesrepublik drohe gehasst zu werden.

Auch Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis warnte vor einer überheblichen Haltung Deutschlands. Die Bürger könnten zwar auf die Erfolge stolz sein, Grund zur Überheblichkeit sei das noch lange nicht. "Ein bisschen Demut täte uns ganz gut", sagte Vassiliadis SPIEGEL ONLINE.

Bosch warnt vor Wachstumsrisiken

Merkel konnte am Freitag einen Etappensieg verbuchen, Bundestag und Bundesrat stimmten dem Fiskalpakt und dem neuen Rettungsfonds ESM zu. Kritik musste sich die Kanzlerin aber für ihre Zugeständnisse beim EU-Gipfel gefallen lassen. Italien und Spanien hatten durchgesetzt, dass der ESM künftig auch gegen geringere Auflagen Staatsanleihen kauft und maroden Banken perspektivisch auch direkt helfen könnte. In der Nacht zum Samstag gingen beim Bundesverfassungsgericht mehrere Klagen gegen das Gesetz zum ESM-Vertrag ein.

BGA-Chef Börner sagte, die europäischen Regierungen müssten sich nun schnell auf einen Kurs in der Schuldenkrise einigen. "Nach der Sommerpause muss klar sein, ob die Krisenländer die notwendigen Reformen durchführen wollen", sagte Börner der "Wirtschaftswoche". "Bis zum Jahresende haben wir keine Zeit mehr, die Märkte werden Europa vorher in die Entscheidung zwingen.

Der Technologiekonzern Bosch klagt bereits über Probleme wegen der Euro-Krise. Bislang sei man von einem Wachstum von drei bis fünf Prozent für 2012 ausgegangen. In den letzten Wochen hätten die Risiken jedoch zugenommen, teilte das Unternehmen mit. Die Krise habe bereits aufs Geschäft gedrückt. "Das europäische Umfeld außerhalb Deutschlands stagniert mehr oder weniger."

Der Konzern stellt unter anderem Haushaltsgeräte und Elektrowerkzeuge her. Deren Absatz ist stark abhängig von der Kauflaune der Menschen. Bosch stelle hier "zunehmend fehlende Kaufimpulse" fest.

cte/dapd/dpa-AFX

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 299 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mocki 30.06.2012
1. wer zahlt
Die Bezahlung der deustchen Waren durch die ausländischen Handelpartner läuft über das Target System. Dort haben sich doch jetzt schon 500 Mrd € aufgehäuft an unbezahlten Rechnungen (Forderungen). Was bringt der Export in diese Länder denn außer dass am Ende der deutsche Steuerzahler die Bazhalung komplett übernimmt. Dann kann man die deutschen Unternehmen auch gleich subventionieren.
Ahda 30.06.2012
2.
Rigides Sparen? Wenn man versucht, die Neuverschuldung nicht allzu sehr ausufern zu lassen, dann ist das "rigides Sparen"? Was ist denn dann "Schulden machen"?
limrz 30.06.2012
3. ot
Die Überschrift hat ja wenig mit dem Thema zu tun und soll den Leser weichklopfen für die nächsten Soros-Interviews und Münchhausen-Kolumnen. Die Absatzrückgänge sind fast ausschließlich auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen. Zudem nimmt der Anteil der Ausfuhren in den Euro-Raum beim Gesamtexport seit 2001 kontinuierlich ab. http://www.bda-online.de/www/arbeitgeber.nsf/res/90AD8E71F6FE33DCC125773400419A67/$file/DtExportstaerke.pdf
silenced 30.06.2012
4. <->
Als ob Deutschland an der heutigen Misere Schuld ist. Bosch und Co. können doch sicher auch mal 2 - 3 Jahre ohne Wachstum überleben. Immer liest man nur Wachstum Wachstum Wachstum. Alte Bäume sind ein gutes Beispiel, ab einer gewissen Größe und einem gewissen Alter gibt es kein Wachstum mehr, nur noch konzentrieren auf das wesentliche, denn, die Evolution hat mehrmals bewiesen: Was ständig wächst zerstört sich selbst. Das ist auch belegt mit Beispielen von Staaten und Großmächten. Ab einer gewissen Größe kollabiert alles. Wachstum ist keine Sicherheit, sondern eine Gefahr.
Pedro1000 30.06.2012
5. Bosch stelle hier
Die hohen Preise der deutschen Produkte haben Auswirkungen auf die Kaufentscheidung, speziell wenn das Geld fehlt. Merkel und ihre Kommunikationsexperten sind einfach nur unfähig den europ, Bürgern die Garantieleistung von 300 Mrd. € , die Deutschland bei Zahlungsausfall leisten muss, klarzumachen. Die Spanier, Italiener etc. denken, dass die Deutschen es aus reiner Arroganz machen. Merkel und Co sind allerdings bei den nächsten Wahlen weg. Was danach kommt SPD etc. wird auch nicht besser. Die Rettungspartei "Piraten" wird wohl auch nichts ausrichten. Also bleibt alles wie es war. Wie schön ist doch das Caos.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.