Extremforderung EU plädiert für Rente mit 70

Aus Sicht der EU-Kommission sollen die Europäer mehr und länger arbeiten. In einem Strategiepapier ist von einer Rente ab 70 Jahren die Rede - dieses Eintrittsalter befürworten auch wirtschaftsnahe Forschungsinstitute.

Renter in Dresden: Das Renteneintrittsalter legt jedes EU-Land selbst fest
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Renter in Dresden: Das Renteneintrittsalter legt jedes EU-Land selbst fest


Brüssel/Berlin - Jetzt mischt sich auch die EU-Kommission in die Renten-Diskussion ein: Sie befürwortet längere Lebensarbeitszeiten - wegen der demografischen Entwicklung in Europa. "Es ist klar, dass die aktuelle Situation nicht tragbar ist", sagte ein Sprecher. "Die Menschen müssen mehr und länger arbeiten."

Um das Rentenniveau angesichts der steigenden Lebenserwartung zu sichern, gebe es drei Möglichkeiten: Entweder müssten die Beiträge zur Altersversorgung erhöht, das Einkommen im Ruhestand verringert oder eben das Erwerbsleben verlängert werden.

In einem Strategiepapier nennt die EU-Kommission die Möglichkeit der mittelfristigen Anhebung des Renteneintrittsalters auf bis zu 70 Jahre - legt sich aber nicht auf eine konkrete Zahl fest. EU-Arbeitskommissar Laszlo Andor hat jedoch bereits mehrfach betont: "Es stimmt, dass wir meinen, dass das Arbeitsleben verlängert werden soll." Zu der aktuellen Debatte in Deutschland über die Anhebung des Rentenalters von 65 auf 67 Jahre wollte der Kommissionssprecher keine Stellung nehmen. "Die Entscheidung wird von jedem EU-Mitgliedsstaat selbst getroffen", sagte er.

Derzeit gehen die Arbeitnehmer in der EU mit durchschnittlich 61,4 Jahren in den Ruhestand, obwohl das gesetzliche Rentenalter in vielen Ländern deutlich höher liegt. Im europäischen Vergleich ziehen sich die Franzosen mit durchschnittlich 59 Jahren besonders früh zurück. Das gleiche gilt für einige osteuropäische Staaten. Die EU-Kommission hat in der Rentenfrage keine Kompetenz, kann aber Anstöße geben.

Chefs deutscher Wirtschaftsinstitute wollen Rente ab 70

Im aktuellen Streit in Deutschland um die Rente mit 67 halten einige Experten selbst dieses Rentenalter für nicht ausreichend. "Wenn wir uns die höhere Lebenserwartung und die abnehmende Geburtenrate anschauen, wird die Rente mit 70 perspektivisch kommen müssen", sagte der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther. Ähnlich äußerte sich das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Nach geltender Rechtslage wird das Renteneintrittsalter zwischen 2012 und 2029 in monatlichen Schritten von derzeit 65 auf 67 Jahre angehoben. Hüther forderte in der "Rheinischen Post", diesen Prozess über die Marke von 67 Jahren hinaus fortzusetzen. Wer früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden wolle, könne dies mit Abschlägen tun. Ebenso solle auf Wunsch auch über das 70. Lebensjahr hinaus gearbeitet werden können. "Wir brauchen viel mehr Flexibilität, was das Arbeiten im Alter angeht", sagte der IW-Chef.

Sozialverbände gehen auf die Barrikaden

Kritik an der späteren Rente kommt von Sozialverbänden: Der Sozialverband VdK wies die Forderungen als "utopisch" zurück. Der Sozialverband Volkssolidarität wandte sich "gegen alle Vorhaben und Vorschläge, das Renteneintrittsalter zu erhöhen, ob nun auf 67 oder 70 Jahre". "Aktuelle Vorschläge, die Rente mit 70 einzuführen, können wir nur als absurd ablehnen", sagte Verbandspräsident Gunnar Winkler. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) fordert, die Gesetzesreform komplett einzustampfen und die bestehende Altersgrenze von 65 Jahren langfristig beizubehalten.

Von der Opposition kommt Kritik an Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die für die Rente ab 67 kämpft. "Frau von der Leyen trickst und schönt die Zahlen zum Renteneintrittsalter", sagte Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Die Grünen plädierten dafür, später in die Rente mit 67 einzusteigen. "Trotz leichter Verbesserungen ist die Arbeitsmarktlage für ältere Arbeitnehmer weiterhin schwierig", sagte der rentenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Daher solle der Starttermin 2012 für die schrittweise Rentenerhöhung verschoben werden. Am Zieljahr 2029, in dem die Rente mit 67 erstmals für alle gilt, solle aber festgehalten werden.

So viel Rente gibt es im Schnitt (in Euro)

Bundesland Männer Frauen
Baden-Württemberg 1055,39 516,05
Bayern 983,41 496,12
Berlin 1039,27 684,06
Brandenburg 1035,67 677,38
Bremen 1044,16 507,53
Hamburg 1069,70 596,02
Hessen 1051,61 493,95
Mecklenburg-Vorpommern 1000,65 652,84
Niedersachsen 1024,05 459,31
Nordrhein-Westfalen 1118,28 457,83
Rheinland-Pfalz 1013,52 429,57
Saarland 1119,18 390,32
Sachsen 1059,04 682,58
Sachsen-Anhalt 1031,79 649,76
Schleswig-Holstein 1017,89 482,99
Thüringen 1030,28 669,74
Bundesdurchschnitt 1049,27 528,23

Quelle: Deutsche Rentenversicherung. Angaben für gesetzl. Altersrenten, Stand: 31.12.2008

lgr/AFP/dpa-AFX

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 95 Beiträge
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Seite 1
mm01 11.08.2010
1. ....
Warum nicht gleich arbeiten bis zum sozialverträglichen Ableben, damit wir unseren Politschmarotzern in Brüssel und Berlin eine Luxusrundumversorgung ab 30 bieten können?
stieg 11.08.2010
2. Rente mit 70.
Ja wenn die EU-Kommission mit guten Beispiel voran gehen würde..nur zu, aber das werden sie nicht. Alles in allen läuft es doch nur auf eins hinaus: Rentenkürzung, mehr ist es doch nicht.
TLK 11.08.2010
3. Genau!
...und das von Menschen, die nach ein Paar Jahren in der Politik (ohne jemals in das System eingezahlt zu haben) volle Pensionen bekommen.....Ich lache mich kaputt....Und das Kranke ist, damit kommen die irgendwann auch noch tatsächlich durch.....Am besten wird vor jeder Arbeitsstelle noch ein Krematorium erstellt, dann kann man die (dann) unnützen Kadaver gleich verbrennen und alternative Energien daraus produzieren..... Oh mein Gott....schicke endlich den Meteoriten......
DEWI60 11.08.2010
4. EU hat hier kein Mitspracherecht
Hinsichtlich der Erhöhung der Lebensarbeitszeit hat die EU (Gott sei dank) kein Mitspracherecht. Des weiteren darf die EU auf Grund Ihrer Stellung gegenüber den Mitgliedsstaaten noch nicht einmal darüber nachdenken ob die Lebensarbeitszeit auf 70 oder 75 Jahre verlängert werden soll. Die Aufgaben der EU liegen eindeutig wo anders. Außerdem ist die EU nur eine scheindemokratische Veranstaltung. Die wichtigsten Entscheider werden nur indirekt von den EU-Bürgern gewählt und das von den Bürgern gewählte EU-Parlament hat nicht wirklich etwas zu sagen. Denn ein Initiativ-Recht wird dem EU-Parlament versagt. Auch wenn das EU-Parlament Gesetzesvorhaben der Kommission ablehnen kann hat diese Ablehnung letztendlich keine Konsequenz für die Kommission; denn bleibt das EU-Parlament bei seiner ablehnenden Haltung ist lediglich die Gesetzesvorlage blockiert. Die Kommission wird dann schon einen Weg finden um das Gesetzesvorhaben am EU-Parlament vorbei durchzusetzen. Es ist an der Zeit das endlich eine demokratisch EU entsteht, nach dem Vorbild eines jeden demokratischen Staates. Das aber wiederum ist nicht gewollt, denn über den Umweg der EU können nationale Politiker auch bedenkliche oder verfassungswidrige Gesetze im eigenen Land durchsetzen. Bezüglich Deutschland denke ich nur an die Vorratsdatenspeicherung; nach dem GG verfassungswiedrig (ohne abschließende Beurteilung durch das BVerfG) und dann über die EU doch noch zu uns gekommen.
woanders 11.08.2010
5. ...
Zitat von mm01Warum nicht gleich arbeiten bis zum sozialverträglichen Ableben, damit wir unseren Politschmarotzern in Brüssel und Berlin eine Luxusrundumversorgung ab 30 bieten können?
Und wer sirbt bevor er/sie 70 wird, zahlt Strafe!
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