Extremsparen Britische Regierung streicht halbe Million Jobs

Es ist eins der härtesten Sparpakete Europas: Die Regierung in London will im öffentlichen Dienst bis zu 490.000 Arbeitsplätze streichen. Auch die Queen muss ihre Ausgaben drastisch zurückfahren - der königliche Haushalt schrumpft um bis zu 14 Prozent.

Anti-Spar-Protest in London: Alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind betroffen
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Anti-Spar-Protest in London: Alle Bereiche des öffentlichen Lebens sind betroffen


London - Großbritannien verordnet sich eine radikale Sparkur. Die Regierung Cameron plant massive Kürzungen im öffentlichen Dienst, in den kommenden vier Jahren sollen bis zu 490.000 Arbeitsplätze wegfallen. Auf diese Weise will die Regierung in London ihr gigantisches Haushaltsdefizit bekämpfen. Derzeit liegt es bei elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts - so hoch wie in keinem anderen großen Industriestaat.

Das Land müsse "weg vom Abgrund" gezogen werden, sagte Schatzkanzler George Osborne am Mittwoch im Parlament. Alle Bereiche des öffentlichen Lebens müssten deshalb sparen.

Auch Queen Elizabeth II. soll sich nun bescheiden. Die Monarchin habe zugesagt, auf Zuwendungen zu verzichten, erklärte Osborne. Sie werde die Ausgaben des königlichen Haushalts in den Jahren 2012 und 2013 um bis zu 14 Prozent zurückschrauben.

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Camerons Streichliste: Weltmacht auf Sparflamme
Im öffentlichen Dienst soll der Großteil der Stellenstreichungen zwar über natürliche Fluktuation geregelt werden, sagte Osborne. Es müsse aber auch Entlassungen geben, die sozial abgefedert werden sollen. "Wir werden alles tun, um alternative Arbeit für die Betroffenen zu finden."

Die konservativ-liberale Regierung in London will das öffentliche Defizit in den kommenden fünf Jahren von elf auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts reduzieren. Entsprechend hart fällt nun der Sparkurs aus. Bereits in den vergangenen Tagen waren radikale Kürzungen im Militärhaushalt bekannt geworden. Dabei sind zum Teil auch skurrile Maßnahmen geplant: So werden schon bestellte Flugzeugträger zwar gekauft - aber ohne Flugzeuge. Außerdem sollen Soldaten aus Deutschland abgezogen werden.

Insgesamt werden Kürzungen von mehr als 80 Milliarden Pfund (91 Milliarden Euro) angepeilt. Der Löwenanteil davon entfällt auf den Sozialetat. Osborne kündigte hier Streichungen von elf Milliarden Pfund an, bei denen es allerdings nicht bleiben dürfte.

Im Schnitt müssen die Ministerien mit etwa 25 Prozent weniger Geld als bisher auskommen.

wal/dpa/Reuters



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 77 Beiträge
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Kontrastprogramm 20.10.2010
1. Interessant ist doch nur die Frage
ob´reicht!
Klo, 20.10.2010
2. ...
Zitat von sysopGroßbritannien verordnet sich eine radikale Sparkur. Die Regierung in London will im öffentlichen Dienst bis zu 490.000 Arbeitsplätze streichen. Auch die Queen muss ihre Ausgaben drastisch zurückfahren - der königliche Haushalt schrumpft um bis zu 14 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,724236,00.html
Eine halbe Million Jobs gestrichen? Es hätte genügt, die paar hundert Dilettanten im Parlament durch Fachkräfte zu ersetzen, aber na ja,... die Engländer. Da müssen sie jetzt durch.
Michael Giertz, 20.10.2010
3. Vorsicht, Zynik / Scherz
Zitat von sysopGroßbritannien verordnet sich eine radikale Sparkur. Die Regierung in London will im öffentlichen Dienst bis zu 490.000 Arbeitsplätze streichen. Auch die Queen muss ihre Ausgaben drastisch zurückfahren - der königliche Haushalt schrumpft um bis zu 14 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,724236,00.html
Nunja, unsere Wirtschaftsoberen sprechen ständig davon, dass in Deutschland jedes Jahr 500.000 Menschen einwandern müssten, damit es mit unserer Wirtschaft wieder bergauf geht. Warum nehmen wir also nicht kurzerhand 490.000 gut ausgebildete britische ehemalige "Öffentliche Dienstler" auf und integrieren sie in unsere Gesellschaft? Die restlichen 10.000 für das Jahr 2011 werden dann per Green Card ausgelost ...
rafkuß 20.10.2010
4. It`s tea(party)time!
Zitat von sysopGroßbritannien verordnet sich eine radikale Sparkur. Die Regierung in London will im öffentlichen Dienst bis zu 490.000 Arbeitsplätze streichen. Auch die Queen muss ihre Ausgaben drastisch zurückfahren - der königliche Haushalt schrumpft um bis zu 14 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,724236,00.html
Nun wird aber bitterer Nachmittagstee ausgeschenkt...da können die Neoconfans beim "großen Bruder" dann gleich mal sehen, was ihnen bevorsteht - und sich warm anziehen! Interessantes Experiment, kaum mehr Produktion im Land und dann das...
kimba2010 20.10.2010
5. btw
Zitat von sysopGroßbritannien verordnet sich eine radikale Sparkur. Die Regierung in London will im öffentlichen Dienst bis zu 490.000 Arbeitsplätze streichen. Auch die Queen muss ihre Ausgaben drastisch zurückfahren - der königliche Haushalt schrumpft um bis zu 14 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,724236,00.html
Ist erst der Anfang, muss noch viel härter werden wenn man die Schulden auch nur ansatzweise abtragen will. Kommt auch nach Deutschland, wo bisher vom Phantomaufschwung gefaselt wird. Demnächst erstmal MwST auf 25%. Stom wird viel teurer. Dann laufen die ganzen Milliarden Steuersubventionen von 2009 aus. Die Schönwetterperiode vom Sommer 2010 war teuer erkauft, die Rechnung kommt 2011.
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