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Schnellüberblick zum EZB-Entscheid: Draghis neue Billionenspritze

EZB-Präsident Mario Draghi zieht seine letzte Trumpfkarte gegen die Deflation: den Staatsanleihenkauf in großem Stil. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu der Entscheidung im Überblick.

Frankfurt am Main - Lange wurde auf diese Entscheidung gewartet, jetzt hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Großankauf von Wertpapieren angekündigt. Damit will sie sich noch stärker gegen die Wachstums- und Inflationsschwäche im Euroraum stemmen. Was genau hat EZB-Präsident Mario Draghi angekündigt und was soll das Programm bringen? Die Antworten im schnellen Überblick.

Was hat die Europäische Zentralbank entschieden?

Über den Kauf von Staatsanleihen will die EZB Hunderte Milliarden Euro in die Wirtschaft pumpen. Für eine solche Anti-Krisen-Maßnahme - im Fachjargon quantitative Lockerung oder "QE" genannt - druckt die Notenbank frisches Zentralbankgeld und kauft damit Wertpapiere. Seit Monaten hatten Draghi und weitere führende Notenbanker die Märkte auf einen solchen Schritt vorbereitet.

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EZB-Anleihekauf: ... oder 3,8 Millionen Wohnungen

Wie groß ist das Volumen?

Die Pläne sehen den Ankauf von Staatsanleihen und anderer Wertpapiere im Umfang von 60 Milliarden Euro pro Monat vor. Das Programm soll bis Ende September 2016 laufen. Insgesamt pumpt die EZB damit gut 1,1 Billionen Euro in den Markt. Nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, eine positive Überraschung. Der Markt hätte ein Volumen von 750 Milliarden Euro erwartet, sagte Jain auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Was erhofft sich die Zentralbank von der Maßnahme?

EZB-Präsident Draghi will auf diesem Wege eine Deflation - den Preisverfall auf breiter Front - im Keim ersticken. Die abzusehende Schwächung des Euro nimmt er als positiven Nebeneffekt in Kauf. Ein schwacher Euro hilft europäischen Exporteuren, weil ihre Autos oder Maschinen auf den Weltmärkten günstiger werden. Gleichzeitig werden Importe teurer, was den Preisauftrieb stärkt.

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Erklär-Comic: Warum die EZB massenhaft Staatsanleihen kauft
Wie reagieren die Märkte?

Die Ankündigung der EZB hat den Dax auf ein Rekordhoch getrieben. Am Donnerstag stieg der deutsche Leitindex bis auf 10.399 Punkte. Zuletzt stand der Leitindex mit 0,65 Prozent im Plus bei 10 365,92 Punkten.

Was sagen die Kritiker?

Experten halten den Schritt zum aktuellen Zeitpunkt für unnötig. Denn der jüngste Rückgang der Preise sei in erster Linie eine Folge des billigen Öls. "Die Kerninflation ist seit einem Jahr ungewöhnlich stabil und wir erkennen auch keine übertriebene Abwärtstendenz", schreibt Unicredit-Volkswirt Valli. Der niedrige Ölpreis wirke darüber hinaus wie eine Konjunkturspritze.

Andere sagen, der durch die Anleihekäufe zu erwartende Zinsrückgang sei angesichts des aktuellen Zinsniveaus so gering, dass er kaum Impulse für zusätzliche Investitionen erzeugt. EZB-Direktoriumsmitglied Sabine Lautenschläger sieht außerdem die Gefahr, dass die Notenbank Anreize für Regierungen schaffen könnte, "wieder mehr Schulden zu machen, statt auf eine nachhaltige Haushalts- und Wirtschaftspolitik zu setzen".

Für weitere Reaktionen und alle aktuellen Entwicklungen rund um die Entscheidung der EZB, klicken Sie bitte hier in unseren Liveticker.

mik/dpa/Reuters

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insgesamt 154 Beiträge
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1. Sinnvoller wäre es gewesen
fred2013 22.01.2015
wenn die Banken, das günstige Geld auch wirklich für Invetitionen und Kredite freigegeben hätten, anstatt darauf sitzen zu bleiben. 1,1 Bio.EUR an neuen Schulden. Aha die Schuldenkrise ist überwunden! Witz
2.
Freidenker10 22.01.2015
Dieses EZB Geld kommt doch nur den Wohlhabenden zugute. Die Aktienkurse steigen schon... Für den kleinen Mann bleibt die Mieterhöhung weil die Spekulanten nicht mehr wissen wohin mit dem frischen Geld, also werden Immobilien gekauft. Aber die Schlußrechnung darf der geplagte dann gerne über seine Steuern zahlen, während die Gewinner ihre Gewinne in Sicherheit gebracht haben... Das ganze System kotzt einen doch nur noch an!
3.
er-karpstein 22.01.2015
als ich noch Zinsen bekommen habe, konnte ich jährlich mehr ausgeben. Das hat man mir genommen, aber jetzt jammern, dass zu wenig gekauft wird.
4. Endlich haben die Großbanken wieder neue Chips
reinerotto 22.01.2015
Welchen Grund sollte geben, die sowieso schon billigen Kredite weiter zu verbilligen ? Viel ertragreicher ist doch das "Arbeiten" am Kapitalmarkt. Wie man an der AKtienblase sieht. Außerdem wird es durch die Euro-Schwäche noch preiswerter für die USA und China, Unternehmen im EU-Bereich aufzukaufen.
5. bisher war ich glühender Verfecher des EURO - jetzt wird sein letztes Stündlein eingeläutet.
labudaw 22.01.2015
Geld wird praktisch verschleudert, der Euro ist eine der weichsten Währungen derzeit. Nicht umsonst fällt und fällt er ins Unermessliche. Ich werde 5000,00 € auf eine E/$-Put setzten - der wird sich innerhalb einer Woche verdoppeln.
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