Erwarteter Staatsanleihenkauf der EZB Und schon schimpfen sie

Die Europäische Zentralbank dürfte bald Staatsanleihen aufkaufen - in Deutschland ist die Entrüstung groß. Banken, Regierungsmitglieder und Ökonomen halten die geplante Aktion für hochriskant.

Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: "Hochriskante Operation"
DPA

Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main: "Hochriskante Operation"


Berlin - Der Countdown läuft: Experten und Beobachter sind sich so gut wie sicher, dass die EZB am Donnerstag ein milliardenschweres Staatsanleihen-Kaufprogramm verkünden wird. Die mögliche Entscheidung ruft schon vor der Bekanntgabe kritische Reaktionen hervor. Besonders in Deutschland.

Die deutschen Banken lehnen die Maßnahme rundum ab: "Die EZB verschießt vorzeitig ihre letzten Patronen. Das Instrument der Staatsanleihekäufe sollte wirtschaftlichen Notlagen vorbehalten sein", teilte der Zusammenschluss der Deutschen Kreditwirtschaft, dem zahlreiche deutsche Bankenverbände angehören, in einer Stellungnahme mit.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag hält den Anleihenkauf für eine "hochriskante Operation mit unsicherer Wirkung für die Preisentwicklung in der Eurozone", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Passauer neuen Presse". "Die Gefahr ist groß, dass durch das billige Geld der Reformeifer für mehr Wettbewerbsfähigkeit erlahmt."

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse gesagt, dass die Krisenmaßnahmen der EZB nicht politische Reformen ersetzen dürfen. "Der Druck auf die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa muss erhalten bleiben, sonst wird gar nichts, aber auch gar nichts uns helfen", sagte Merkel in Eschborn.

Der Wirtschaftsweise Lars Feld kritisierte ebenfalls, mit dem Programm nehme die EZB den Druck von Italien und Frankreich, endlich Reformen durchzuführen und zu sparen. "Ohne Reformen krebsen Italien und Frankreich weiter herum mit negativen Auswirkungen auf unseren Export dorthin", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hielt sich hingegen demonstrativ zurück. "Die geldpolitischen Entscheidungen trifft die EZB", sagte der CDU-Politiker.

An den Börsen sorgt die erwartete Entscheidung dagegen für Hochstimmung: Der Dax Chart zeigen stieg in der Spitze um 0,5 Prozent auf eine neue Bestmarke von 10.298 Punkten. Bereits in den vergangenen fünf Handelstagen hatte der Dax 4,7 Prozent zugelegt. Der EuroStoxx Chart zeigenkletterte um bis zu 0,6 Prozent auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 3241 Punkten.

Die EZB will mit dem erwarteten Ankauf von Staatsanleihen die Gefahr von Deflation in der Eurozone verhindern. Nach SPIEGEL-Informationen sollen die nationalen Notenbanken nur Papiere des eigenen Landes kaufen und halten.

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Gefährlicher Preisverfall: Wie Deflation entsteht

bka/dpa/Reuters/AFP



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insgesamt 148 Beiträge
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Mario V. 20.01.2015
1. An den Börsen sorgt die erwartete Entscheidung dagegen für Hochstimmung
Und darauf kommt es schließlich an!
rt325 20.01.2015
2. die
die "letzten Patronen" - auch schön umschrieben für das letzte große Strohfeuer was unser FIAT Geld Verwalter hier lostreten wird mit dieser Aktion. Doch was kommt danach? Es kann mir doch keiner erzählen, dass die Wirtschaft dann mehr investieren wird. Ne ne das landet eh alles nur im Zockercasino der Banken. Auf ein paar schöne Wochen oder Monate dann ist das auch verpufft.
axelmueller1976 20.01.2015
3. Die Politik weis es dem Wähler wird es noch verschwiegen
Die Anleihenkäufe der EZB sind die letzten Zuckungen des EURO danach kommt der Verfall der Währung. Warten wir noch die Wahl in Griechenland ab und dann wird es rund gehen in Europa.
spmc-129372683232763 20.01.2015
4. Schäuble hält sich zurück !
"Die geldpolitischen Entscheidungen trifft die EZB"!(ebenso hat sich M.geäußert!) Offenbar wird gerade eine neue "Alternativlosigkeit "im Bewußtsein der deutschen Bürger "implementiert": Was die EZB entscheidet, ist Gesetz ,dem deutschen Einfluß entzogen und -Diskurse darüber- wie über die Sinnfälligkeit des € in seiner jetzigen Verfassung zumindestens überflüssig, wenn nicht europafeindlich! Die EZB hat völlig freie Hand , wenn sie die V.St.v.E. näher bringt, koste es,was es wolle!(unsere Souveränität inkl.!) Wieder mal eine geniale politische PR-Strategie des überzeugten Macciavellisten!! Wer bremst ihn??
dunnhaupt 20.01.2015
5. Kleiner Unterschied
Als die Krise ausbrach, retteten die USA sofort ihre Banken, die inzwischen das Geld mit Zinsen an den Staat zurück zahlten. Europa verschleppte die Rettung bis heute. Das Resultat ist offensichtlich.
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