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Kampf gegen die Krise: EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

EZB-Chef Mario Draghi: Leitzins bei 0,05 Prozent Zur Großansicht
AFP

EZB-Chef Mario Draghi: Leitzins bei 0,05 Prozent

Die Europäische Zentralbank hält den Preis für Geld so niedrig wie nie zuvor. Die Währungshüter beließen den Leitzins auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent. Ankündigungen von EZB-Chef Draghi zu geplanten Wertpapierkäufen enttäuschten die Anleger.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält im Kampf gegen eine zu niedrige Inflation im Euroraum am historisch tiefen Leitzins fest. Der zentrale Zinssatz für die Währungsunion bleibe bei 0,05 Prozent, teilte die EZB mit. Sie hatte im September überraschend eine Zinssenkung von 0,15 auf 0,05 Prozent verkündet. Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen.

Notenbank-Präsident Mario Draghi hatte die Entscheidung für den Minizins im September mit der anhaltend schwachen Konjunktur und der geringen Inflation im Euroraum begründet. Eine zu geringe Inflation kann dazu führen, dass Unternehmen nur zögerlich investieren, weil sich die Investitionen nicht rentieren, und Verbraucher in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise Anschaffungen zurückstellen. Das würde das Wirtschaftswachstum hemmen. Die EZB strebt daher eine Inflationsrate von etwa zwei Prozent an.

Im vergangenen Monat war die Teuerungsrate in der Eurozone allerdings erneut gesunken. Laut einer ersten Schätzung der EU-Statistikbehörde Eurostat betrug die Preissteigerung nur noch 0,3 Prozent, im August waren es noch 0,4 Prozent. Zuletzt hatte der Wert im Oktober 2009 auf dem niedrigen Niveau von 0,3 Prozent gelegen.

Entlasten will die Notenbank Geschäftsbanken zudem über den Ankauf von Kreditpaketen (Asset Backed Securities/ABS) und Pfandbriefen. Ziel ist, die lahmende Kreditvergabe in Schwung zu bringen: Nimmt die EZB den Banken ABS-Pakete ab, hätten sie Freiräume zur Vergabe von Krediten. Trotz der seit Jahren anhaltenden Geldflut der EZB kommt die Kreditvergabe gerade in Südeuropa nicht recht in Schwung.

Bis zu eine Billion für Wertpapierkäufe

Für das Werpapier-Ankaufprogramm will die EZB laut Draghi bis zu einer Billion Euro in die Hand nehmen. Allerdings sei dies ein potenzielles Gesamtvolumen. Die EZB hält sich auch den großangelegten Kauf von Staatsanleihen offen. Die Währungshüter seien einhellig der Auffassung, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, "sollte dies notwendig werden", sagte Draghi.

Anleger reagierten enttäuscht auf die Äußerungen Draghis. Der Dax Chart zeigen drehte während der Pressekonferenz ins Minus und fiel um bis zu ein Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief von 9283 Punkten. Der EuroStoxx Chart zeigen verlor bis zu 1,6 Prozent.

"Die Tatsache, dass der EZB-Chef keine Volumina genannt hat, werten wir zunächst als Enttäuschung", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Jeremy Batstone-Carr von Charles Stanley kritisierte, die angekündigten Käufe seien Mikro-Maßnahmen, die nicht auf eine Belebung der Kreditvergabe zielten, sondern die Rettung von Banken, die den Stresstest verfehlt hätten.

Am Aktienmarkt gerieten vor allem einige Bankenwerte unter Druck: der EuroStoxx-Banken-Index verlor in der Spitze drei Prozent. Zu den größten Verlierern zählten italienische und spanische Banken wie die Banco Popolare Chart zeigen und die spanische BK Popular mit Abschlägen von bis zu fünf Prozent. Commerzbank Chart zeigen rutschten mit einem Abschlag von 3,4 Prozent ans Dax-Ende. Papiere der Deutschen Bank Chart zeigen verloren zwei Prozent.

vks/dpa/Reuters

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insgesamt 50 Beiträge
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1. N`Draghi kann es nicht !
spiegelator 02.10.2014
Der Mann verfolgt Interessen (Goldman Sachs, Italiener), welche mit seinem Amt nicht in Einklang zu bringen sind. Er ist unfähig eine Währung ordentlich zu verwalten, sein Handeln erschöpft sich in Reaktionen auf Tagespolitik und amtsfremde Interessenwahrung. Er ist nicht in der Lage, eine mittel- oder langfristige Strategie darzustellen oder gar zu begründen. Er ist der Rasmussen unter den Währungshütern. Er erhielt sein Amt mit der Zustimmung von Frau Merkel ! Wann erfolgt endlich die Korrektur.
2.
muellerthomas 02.10.2014
Zitat von spiegelatorDer Mann verfolgt Interessen (Goldman Sachs, Italiener), welche mit seinem Amt nicht in Einklang zu bringen sind. Er ist unfähig eine Währung ordentlich zu verwalten, sein Handeln erschöpft sich in Reaktionen auf Tagespolitik und amtsfremde Interessenwahrung. Er ist nicht in der Lage, eine mittel- oder langfristige Strategie darzustellen oder gar zu begründen. Er ist der Rasmussen unter den Währungshütern. Er erhielt sein Amt mit der Zustimmung von Frau Merkel ! Wann erfolgt endlich die Korrektur.
Wie würden Sie sich die Geldpolitik denn wünschen?
3. Da die EZB_Verbrecher
spon-facebook-10000216344 02.10.2014
aus den Südländern betimmt haben, die Junkanleihen diverser Pleitebanken aufzukaufen um dann 500 Milliarden € Schulden zu einem Drittel den Deutschen aufzubürden, kann das nur eines heissen: Gebt Euer Geld aus, damit wir nacher alle gleich arm sind, sonst kommt es zu Unruhen. Goldbesitz wird vermutlich verboten, ebendso der Besitz von Fremdwährungen. Anders geht es nicht. Derzeit ist Nato-Draht noch günstig, gut um das eigene Anwesen gegen Zugriff von aussen zu schützen. Wer kann, sollte auswandern aus dem €-Raum.
4.
muellerthomas 02.10.2014
Zitat von spon-facebook-10000216344aus den Südländern betimmt haben, die Junkanleihen diverser Pleitebanken aufzukaufen um dann 500 Milliarden € Schulden zu einem Drittel den Deutschen aufzubürden, kann das nur eines heissen: Gebt Euer Geld aus, damit wir nacher alle gleich arm sind, sonst kommt es zu Unruhen. Goldbesitz wird vermutlich verboten, ebendso der Besitz von Fremdwährungen. Anders geht es nicht. Derzeit ist Nato-Draht noch günstig, gut um das eigene Anwesen gegen Zugriff von aussen zu schützen. Wer kann, sollte auswandern aus dem €-Raum.
Ist Ihr Beitrag ironisch gemeint?
5. Wer der Bundesregierung
European 02.10.2014
für 0.9% p.A. Geld für die Dauer von 10 Jahren leiht, wird nur einen Teil zurück bekommen. Draghi macht einen guten Job, nur ist er eben Banker und kein Alchemist. Scheixxe bleibt in seinen Händen was es ist, Gold kann er keines draus machen. Der Mann macht Fiskalpolitik für den Kontinent und nicht für Deuschland allein, deswegen wird er wohl oder übel Hierzulade ein gewaltiges Inflationspotenzial entfesseln. Was bei uns 5% Inflation verursacht, reicht Italien und Frankreich gerade zum Nullwachstum.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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