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Kampf gegen die Krise: EZB belässt Leitzins auf Rekordtief

EZB-Chef Mario Draghi: Leitzins bei 0,05 Prozent Zur Großansicht
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EZB-Chef Mario Draghi: Leitzins bei 0,05 Prozent

Die Politik des billigen Geldes geht weiter. Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins auf dem historischen Tief von 0,05 Prozent. Private Institute können sich damit fast umsonst Geld bei der EZB leihen.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hält im Kampf gegen eine zu niedrige Inflation im Euroraum am historisch tiefen Leitzins fest. Der zentrale Zinssatz für die Währungsunion bleibe bei 0,05 Prozent, teilte die EZB mit. Zu diesem Satz können sich Geschäftsbanken bei der europäischen Notenbank Geld leihen.

Experten rechnen damit, dass die Notenbanker vorerst keine neuen Instrumente im Kampf gegen eine drohende Deflation auspacken, sondern ihr über den Sommer beschlossenes Paket von unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen wirken lassen. Dazu gehören eine zweite Geldspritze für die Banken im Dezember und der Kauf von Kreditverbriefungen, mit dem EZB-Präsident Mario Draghi noch vor dem Jahreswechsel beginnen will.

Allerdings steigt der Druck auf Draghi von Tag zu Tag, mehr zu tun, damit die Währungsunion nicht in eine Abwärtsspirale fallender Preise, nachgebender Investitionen und sinkendem Konsum gerät. Im EZB-Tower wird deshalb bereits darüber nachgedacht, ob die Notenbanker demnächst auch Unternehmensanleihen aufkaufen könnten, um so mit noch mehr Geld die Wirtschaft anzukurbeln. Sollten alle bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um das Wirtschaftswachstum anzuschieben, wäre dann wohl der Kauf von Staatsanleihen die letzte Option, die Draghi ziehen könnte. Allerdings sind die politischen Hürden hierfür sehr hoch - vor allem in Deutschland.

Zinssätze in den USA
Leitzins
Er legt denjenigen Zinssatz fest, zu dem sich Geschäftsbanken bei einer Zentral- oder Notenbank Geld beschaffen können. Je niedriger der Zinssatz ist, desto leichter können Kredite vergeben werden. Auf diese Weise sollen Unternehmen zu Investitionen angeregt werden.
Diskontsatz
Der amerikanische Diskontsatz heißt inzwischen offiziell "primary credit rate". Er liegt stets höher als der eigentliche Leitzins. Zu ihm können sich die Banken refinanzieren, wenn sie sich bei den anderen Banken kein Geld besorgen können oder wollen. Sie müssen dafür eine ganze Reihe von Sicherheiten hinterlegen.

ssu/dpa/Reuters

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1.
salkin 06.11.2014
Warum fallende Preise zu sinkendem Konsum führen sollen kann ich nicht nachvollziehen. Als vor Jahren der Benzinpreis immer neue Höhen erklommen hatte hieß es das würde dem Bürger Kaufkraft entziehen und deshalb müsste die Mineralölsteuer gesenkt werden. Wenn jetzt u.a. die Energiepreise sinken heißt es das das auch schädlich ist. Na was denn nun? Das Beispiel Japan zeigt doch wohl deutlich das immer mehr Geld alleine keinen Aufschwung erzeugt sondern nur die Staatsverschuldung erhöht. Deu heutige Bericht über die zunehmende Verschuldung der Privathaushalte sollte zu denken geben ob man die Leute durch das billige Geld nicht in die Schuldenfalle lockt. Von der Vernichtung der privaten Altersvorsorge ganz zu schweigen.
2. Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff, Gestern standen wir kurz vor dem Abgrund
Werner Holt 06.11.2014
Heute geht Draghi einen Schritt weiter. Rückwärts nimmer, vorwärts immer.
3. Liebe Lokführer,
Ichbines2 06.11.2014
soeben wird von Draghi das Geld verteilt, das EUCH zusteht, das Ihr als Steuern erarbeitet habt und das geeignet wäre, die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Man gibt es aber nicht Euch, sondern es wird in irgendwelchen dunklen Kanälen verschwinden, ohne Rechenschaftspflicht und nur zum Zocken für unbekannte Subjekte........
4. .
peku32 06.11.2014
Die Null Zinsen sollen doch nur Banken päppeln, das sind Marios beste Freunde. Die nehmen das Geld, als Kredit versteht sich, aber zu Null Zins, und gehen ins Casino damit! Wohl wissend, dass der deutsche Steuerzahler immer die Zeche zahlt, wenns schief geht. Und das ist jeden Tag. So ist das System organisiert. Man darf nicht erst den Mist anrühren und sich hinterher wundern, dass es stinkt.
5. nächster Halt
neromancer 06.11.2014
Es ist interessant, dass im Zuge des Leitzins kaum das Wort Wachstum in den USA in den Mund genommen wird. Die EZB spielt hier eindeutig mit dem Feuer. Das Signal an die Wirtschaft lautet ja - investiert lieber (hier), denn anlegen lohnt sich. Nur ist das mal wieder nicht mit der globalen Welt vereinbar. In den USA ist gerade Wirtschaftsaufschwung. Hinzukommt, dass der US Dollar ggü dem Euro wieder deutlich an Wert zulegt. 2017 soll es sogar bei 1:1 liegen. Also geht man lieber in Übersee und investiert dort. Eine Antwort, wie man da wieder rauskommen will, sucht man vergebens.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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