Geldpolitik EZB deutet leichte Kurswende an

Zum ersten Mal seit zehn Jahren hat die Europäische Zentralbank eine Straffung ihrer Geldpolitik signalisiert. Die Börsen reagierten darauf gelassen.

Mario Draghi
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Mario Draghi


Seit Jahren betreibt die Europäische Zentralbank eine ultralockere Geldpolitik und stützt die europäische Wirtschaft mit Zentralbankgeld, um die Inflation anzuheizen. Doch nun zeichnet sich eine leichte Kursänderung ab: Die Notenbank hat weitere Zinssenkungen ausgeschlossen. Die Option auf noch niedrigere Sätze strichen die Zentralbanker aus ihrem Ausblick.

Der Grund für den vorsichtigen Kurswechsel: Die EZB blickt mit mehr Zuversicht auf die Konjunktur im Euroraum. Die Risiken für das Wachstum seien inzwischen weitgehend ausgeglichen statt abwärtsgerichtet, sagte Notenbankpräsident Mario Draghi in Tallinn.

Diese Äußerungen von Draghi werteten Volkswirte als erstes Signal für den Beginn eines baldigen Ausstiegs aus der expansiven Geldpolitik mit Minizinsen und milliardenschweren Anleihenkäufen. "Die EZB bewegt sich im Kriechgang auf den Ausstieg aus ihrer lockeren Geldpolitik zu", sagte Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Für Wirtschaftsweise Volker Wieland ist die Entscheidung der EZB die erste "minimale und lange überfällige Anpassung, aber bei Weitem nicht das, was notwendig wäre".

Doch es dürfte noch lange dauern, bis die EZB tatsächlich aus ihrem geldpolitischen Kurs aussteigt und die Zinsen anhebt: Denn die Zentralbank rechnet für 2017 mit einer Inflation von 1,5 Prozent - das ist immer noch weit entfernt von der Zielmarke der EZB von knapp unter zwei Prozent. Deshalb wird die Notenbank ihre Anleihenkäufe noch bis mindestens Ende des Jahres fortsetzen. Jeden Monat erwirbt die Notenbank Wertpapiere für 60 Milliarden Euro im Monat. Dabei bleibt es vorerst.

Auch den Leitzins beließen die Währungshüter bei 0,0 Prozent. Dort liegt er bereits seit März 2016. Der sogenannte Einlagensatz steht sogar bei minus 0,4 Prozent. Geldhäuser müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht bei der Notenbank Liquidität parken.

Der Dax reagierte kaum auf die Leitzinsentscheidung der EZB. Zuletzt stand das wichtigste deutsche Börsenbarometer 0,29 Prozent im Plus.

hej/dpa-AFX/Reuters

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Seite 1
Andreas1979 08.06.2017
1. Diejenigen die sparen werden enteignet.
Man sollte doch meinen, dass jene belohnt werden sollten, die nicht über ihre Verhältnisse leben. Doch derzeit ist das Gegenteil der Fall. Wie lange der Zustand anhalten wird weiß keiner, ob es nochmal Zinsen über der Inflation und dem aufgesetzten Risiko der Bank das Geld anzuvertrauen gibt, ist fraglich. In den kommenden Jahren wird man es sehen.
marcaurel1957 08.06.2017
2.
Zitat von Andreas1979Man sollte doch meinen, dass jene belohnt werden sollten, die nicht über ihre Verhältnisse leben. Doch derzeit ist das Gegenteil der Fall. Wie lange der Zustand anhalten wird weiß keiner, ob es nochmal Zinsen über der Inflation und dem aufgesetzten Risiko der Bank das Geld anzuvertrauen gibt, ist fraglich. In den kommenden Jahren wird man es sehen.
Erstens wird niemand enteignet, denn wer will kann noch immer gute Zinsen erzielen und zweitens sehe ich nicht den geringsten Grund jemanden zu belohnen weil er spart.....das kann jeder so halten wie er will
karl-felix 08.06.2017
3. Im
Zitat von Andreas1979Man sollte doch meinen, dass jene belohnt werden sollten, die nicht über ihre Verhältnisse leben. Doch derzeit ist das Gegenteil der Fall. Wie lange der Zustand anhalten wird weiß keiner, ob es nochmal Zinsen über der Inflation und dem aufgesetzten Risiko der Bank das Geld anzuvertrauen gibt, ist fraglich. In den kommenden Jahren wird man es sehen.
Gegenteil. Goldene Zeiten für Sparer. Selbst die Allianz zahlte für 2016 satte 3,8% Zinsen bei 0 Inflation , bei meiner Bausparkasse bekomme ich 4% und die Dividendenrendite des Dax liegt - ungeprüft - noch etwas darüber, meine US-Staatsanleihen mit 5% laufen noch 2 Jahre. . Die Schuldzinsen sind im Keller, noch nie war es so günstig Eigentum zu erwerben , die Mieteinnahmen sind völlig unberührt im Gegenteil,die steigen . Wer da noch jammert bei 0 Inflation , dem ist nicht mehr zu helfen . Auf Girokonto, Sparbuch und Tagesgeldkonto gab es noch nie vernünftige Zinsen , da konnte der Sparer zusehen wie sein Geld dahinschmolz bei Inflationsraten von 4-5 % . Ergo: Goldene Zeiten für Sparer und Häuslebauer und den Steuerzahler, ein warmer Regen für die kleinen Leute - die Zinsknechtschaft wird deutlich gemildert. Gekniffen sind nur die Besitzer grosser Geldvermögen und die trompeten natürlich laut in Medien und Foren . Der arme Mann, der Besitzer von Schulden ist der Gewinner dieser Niedrigzinspolitik. Danke Herr Draghi, Herrn Duisenberg sollte man nicht vergessen . Der leitete das bereits ein .
karl-felix 08.06.2017
4. Unter
Zitat von marcaurel1957Erstens wird niemand enteignet, denn wer will kann noch immer gute Zinsen erzielen und zweitens sehe ich nicht den geringsten Grund jemanden zu belohnen weil er spart.....das kann jeder so halten wie er will
der Voraussetzung, dass er Geld übrig hat. Und das haben eben die Mehrzahl der Deutschen nicht, die Mehrzahl hat mehr Sollzinsen als Habenzinsen . Für die Mehrheit ist also die Niedrigzinspolitik bei 0 Inflation ein Segen , ein warmer Regen der die Zinsknechtschaft der Schuldner mildert. Den Sparer zu belohnen heißt , den Wohlhabenden zu belohnen . Kann man machen , muß man aber nicht. Trifft keinen Armen sondern insbesondere die Besitzer grosser Geldvermögen die sich gerne hinter dem Sparer verstecken wollen . Dem echten Sparer, dem Kleinanlegen ging es noch nie so gut wie in der heutigen Zeit. Für den ist Preisstabilität das entscheidende Kriterium und nicht 50 Mark mehr Zinsen im Jahr, die Schäuble ihm wieder wegsteuert und die Inflation ihm wegfrisst. Aber es wird immer noch einen geben , der sich hinter die Fichte scheuchen lässt mit dem Schlachtruf " Enteignung ". .
Achmuth_I 08.06.2017
5. ???
Zitat von Andreas1979Man sollte doch meinen, dass jene belohnt werden sollten, die nicht über ihre Verhältnisse leben. Doch derzeit ist das Gegenteil der Fall. Wie lange der Zustand anhalten wird weiß keiner, ob es nochmal Zinsen über der Inflation und dem aufgesetzten Risiko der Bank das Geld anzuvertrauen gibt, ist fraglich. In den kommenden Jahren wird man es sehen.
Wieso wer soll Sie belohnen - für was? Sie bezahlen doch schon keine Überziehungszinsen, damit belohnen Sie sich doch selbst. Irgendetwas müssen Sie auch falsch machen wenn Sie enteignet werden. Meine Sparbeträge sind noch nie geringer geworden. Ich habe auch noch nie zwangsweise etwas hegeben müssen. Na gut, wenn Sie beträge < 100.000 € in Sichtkonten anlegen, dann kann es sein dass diese negativ verzinst werden. Das ist dann aber keine Enteignung, sondern eine Folge dessen, dass Sie Ihr Geld nicht anderweitig unterbringen.
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