Französisches Defizit: EZB-Direktor Asmussen fordert schnellere Reformen

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EZB-Direktor Jörg Asmussen: Frankreich muss Reformtempo erhöhen

Die Kritik am Umgang Frankreichs mit seiner Staatsverschuldung wird schärfer: EZB-Direktor Jörg Asmussen forderte von der Regierung in Paris, das Reformtempo zu erhöhen. Die schwarz-gelbe Koalition warnte Frankreich vor einem höheren Defizit.

Frankfurt am Main/Berlin - Der Top-Notenbanker Jörg Asmussen fordert mehr Anstrengungen von Frankreich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. "Die Regierung wird das Reformtempo erhöhen müssen", sagte das deutsche Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) der "Börsen-Zeitung". Die geplante Rentenreform gehe zwar in die richtige Richtung, sagte Asmussen, "aber nicht weit genug". Problematisch sei zudem die geplante Finanzierung über höhere Steuern und Abgaben beziehungsweise nicht spezifizierte Ausgabenkürzungen.

Die französische Regierung spielt im Kampf gegen die horrende Staatsverschuldung weiter auf Zeit. Nach am Mittwoch vorgestellten Haushaltsplänen sollen bei den öffentlichen Ausgaben im kommenden Jahr zwar 15 Milliarden eingespart werden. Wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung wird das gesamtstaatliche Defizit 2014 aber deutlich höher liegen als ursprünglich geplant.

Die Regierung rechnet nun mit einer Neuverschuldung von 3,6 statt 2,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Wirtschaftsleistung wird der jüngsten Prognose zufolge lediglich um 0,9 Prozent steigen. Eigentlich war ein Plus von 1,2 Prozent erhofft worden. "Bei der Defizitreduktion geht es nicht so schnell voran wie wir wollen", gestand Budgetminister Bernard Cazeneuve bei einer Pressekonferenz ein. Hintergrund sei aber vor allem die Konjunkturentwicklung.

Auch die schwarz-gelbe Koalition in Berlin äußerte Kritik. FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle sagte der "Stuttgarter Zeitung": "Das sind beunruhigende Zahlen aus Paris." Die schlechtere Haushaltslage in Frankreich sei Folge einer sozialistischen Steuererhöhungspolitik. Europa sei auf ein starkes Frankreich angewiesen.

CDU-Haushaltspolitiker Norbert Barthle warnte die Regierung in Paris davor, die mit der EU-Kommission vereinbarten Defizitziele erneut zu verfehlen. "Die Befürchtung steht im Raum, dass die von der EU-Kommission bewilligte zweijährige Frist zum Erreichen der Defizitziele nicht ausreicht", sagte Barthle. Die Annäherung an die Maastricht-Grenze dürfe aber nicht auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben werden.

nck/dpa

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1. Frankreich verfehlt seine Wachtsumsziele
wibo2 12.09.2013
Weniger Wachstum, mehr Defizit. Die französische Regierung spielt im Kampf gegen die hohe Staatsverschuldung weiter auf Zeit. Die Südländer leiden, die Deutschen zahlen, die Banken kassieren und die Franzosen warten ab. Konsumieren macht mehr Spaß als produzieren. Und Frankreich erhöht die Biersteuer. Auch das noch!
2. Französiche Mentalität
bko 12.09.2013
"Die französische Regierung spielt im Kampf gegen die horrende Staatsverschuldung weiter auf Zeit. Nach am Mittwoch vorgestellten Haushaltsplänen sollen bei den öffentlichen Ausgaben im kommenden Jahr zwar 15 Milliarden eingespart werden. Wegen der schwachen Wirtschaftsentwicklung wird das gesamtstaatliche Defizit 2014 aber deutlich höher liegen als ursprünglich geplant." Wozu die Aufregung ? Le boche payera tout. Raus aus dem Euro, bevor es zu spät ist. Es gibt Alernativen.
3. Mm
hanfiey 12.09.2013
Wer noch bei Verstand ist sollte sich von solch riskanten Dingen wie Anleihekauf und totalem Spardiktat verabschieden. Es ist zwar richtig den "Reformdruck" aufrecht zu erhalten, aber nicht um jeden Preis. Seit über 100 Jahren träumt Deutschland von der Vormachtstellung in Europa, wo das endete wissen wir alle. Jetzt ist es an der Zeit darüber nachzudenken ob wir mehr EU wollen oder lieber National bleiben, persönlich wäre mir mehr Europa lieber.
4. Dazu passt wunderbar die Meldung
Leserkwelle 12.09.2013
"Frankreich fordert gemeinsame Arbeitslosenhilfe" (FAZ gestern). Finanzminister Moscovivi ist eh ein ganz Schlauer. Die Schaffung eines starken supranationalen Haushalts auf europäischer Ebene sei unverzichtbar, gespeist aus Erhöhung von Mehrwertsteuer, Körperschaftssteuer, zusätzlicher Sozialabgaben, eurpäische CO2-Steuer - wohl dem, der viele AKWs betreibt (!). Das französiche Defizitziel wurde leider nicht ganz erreicht, aber man hat ja alte Genossen an den Schaltstellen - Madame Lagarde, Monsieur Barnier, und hoffentlich sehr bald die SPD-Troika, die schon im letzten Jahr zur Audienz im Elysee-Palast pilgerten. Von Hollande lernen, heisst Siegen lernen! Es lebe die euroäische Solidarität - zu Lasten des dummen deutschen Michels! Gut, dass diesmal die AfD zur Wahl steht!
5. Von Frankreich lernen!
KonstantinKonstantinopel 12.09.2013
Geben wir doch auch einfach das Geld aus, für Instandsetzung der Infrastruktur, Schulen, höhere Löhne, Pensionen usw. Leider können wir dann im Falle von Staatspleiten anderer Nationen nicht helfen, aber immerhin wäre das Geld dann gut angelegt...
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