Banken-Rettung Draghi fordert Zentralisierung von Notkrediten

Sie retteten Griechenland - nun will Mario Draghi die ELA-Notkredite reformieren. Zugleich kündigt er die Weiterführung der lockeren Geldpolitik an.

Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)


Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, hat sich für eine Regeländerung der umstrittenen Notkredite für angeschlagene Banken ausgesprochen. Auf die Frage, warum die EZB Notkredite an die lettische Krisenbank ABLV jüngst nicht unterbunden habe, sagte Draghi, dies sei nur möglich, wenn die Hilfen mit geldpolitischen Aufgaben in Verbindung stünden.

"Die ELA-Regeln sollten geändert werden", forderte er vor einem Ausschuss des EU-Parlaments. Er selbst habe schon mehrfach dafür plädiert, die ELA-Notkredite zu zentralisieren (ELA steht für "Emergency Liquidity Assistance"). Aktuell werden die Notkredite nicht von der EZB, sondern von den nationalen Notenbanken gewährt, die auch das Ausfallrisiko tragen.

Hintergrund der Bemerkung ist, dass die lettische Zentralbank am vergangenen Freitag die ELA-Nothilfen an die vor dem Zusammenbruch stehende Bank ABLV deutlich erhöht hatte. Dies geschah offenbar nur kurz bevor die EZB der drittgrößten Bank Lettlands den wahrscheinlichen Untergang attestiert hatte.

Bekanntheit hat die ELA vor allem in der Griechenland-Krise erlangt, als die griechischen Banken mit Notkrediten von deutlich mehr als hundert Milliarden Euro über Wasser gehalten wurden.

Trotz Aufschwung: Weiterhin lockere Geldpolitik

Zudem sprach sich Draghi trotz des Aufschwungs weiterhin für eine sehr lockere Geldpolitik im Euroraum aus. Die Inflationsentwicklung bleibe entscheidend abhängig von einem kräftigen Anschub durch das ganze Arsenal der geldpolitischen Schritte, sagte Draghi.

"Die Effekte unserer Geldpolitik werden nun durch eine Kombination unterschiedlicher Maßnahmen hervorgerufen." Dazu zählten das Anleihekauf-Programm, der erhebliche Bestand an erworbenen Wertpapieren, die Wiederanlage auslaufender Papiere und auch der Zinsausblick.

"Die Inflation muss nach wie vor noch überzeugendere Hinweise für eine nachhaltige Veränderung noch oben hin zeigen", sagte der Italiener. Im Januar lag die Teuerung bei 1,3 Prozent - die EZB strebt aber knapp zwei Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an. Das werde in den kommenden Monaten das Hauptmaß für die Geldpolitik sein. Die Euro-Notenbank verfehlt ihr Inflationsziel inzwischen bereits seit Frühjahr 2013.

Wirtschaftlicher Nachholbedarf womöglich größer als gedacht

Der nach wie vor schwache Inflationsdruck könne unter anderem daher rühren, dass der wirtschaftliche Nachholbedarf größer sei als gedacht. Das verlangsame womöglich den Aufbau von Preisdruck, sagte Draghi. Sichtbar sei das etwa auf dem Arbeitsmarkt. So sei das Lohnwachstum trotz starker Beschäftigungszuwächse verhalten.

Insgesamt sei aber die Beziehung zwischen Wachstum und Inflation zum Großteil intakt. Daher erwartet die Notenbank Draghi zufolge, dass die Teuerung unterstützt durch die Geldpolitik allmählich anziehen wird.

ans/dpa/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
curiosus_ 26.02.2018
1. So so,...
Bekanntheit hat die ELA vor allem in der Griechenland-Krise erlangt, als die griechischen Banken mit Notkrediten von deutlich mehr als hundert Milliarden Euro über Wasser gehalten wurden. ...damit wurden nicht nur die Banken über Wasser gehalten, _sondern vor allem der griechische Staat_ (http://www.spiegel.de/forum/politik/ezb-geld-fuer-griechische-banken-berliner-politiker-fordern-sofort-stopp-der-notfallh-thread-311676-7.html#postbit_30735755).
thequickeningishappening 26.02.2018
2. Zusätzliche Befugnisse
Den Zentralbanken Der Mitgliedsländer (Eurozone) soll Das letzte bisschen Unabhängigkeit entzogen werden! Die Kalte Enteignung durch Die EZB geht weiter! Woher soll Die Inflation kommen wenn Die Kaufkraft nach oben gepumpt wird wo Sie verzweifelt nach Anlagen sucht waehrend unten Das frei verfügbare Einkommen ausgetrocknet wird ???
Educa15 26.02.2018
3. Pure Naivität
Gerade die niedrigen Zinsen sind dafür verantwortlich, dass die Inflation der Alltagsgüter (Im Gegensatz zu den Vermögenswerten) nicht steigt. Denn die Produzent können dank sinkender Finanzierungskosten und Wettbewerb, die Rabattschlacht (noch) weiterführen, und deshalb auf Preiserhöhungen verzichten. Die wahre Inflation erleben wir erst dann, wenn die Zinsen steigen.
sir wilfried 26.02.2018
4. Gut so,
nachdem ich meine Vermögenswerte weitgehend aus dem Euro gerettet habe, darf Draghis Rechnung gerne aufgehen. In die Tonne mit dem Euro!
sbv-wml 26.02.2018
5. Die EU wird nur durch Geld zusammengehalten
Und wenn Geld knapper wird oder sogar fehlt, wird dieses Konstrukt auseinanderfallen. Aber dann haben wir die Chance eines Neubeginns klein aber fein.
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