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Kampf gegen Wirtschaftsflaute: EZB prüft offenbar Kauf von Unternehmensanleihen

Die Europäische Zentralbank greift womöglich noch stärker in die Märkte ein als bisher. Laut einem Agenturbericht erwägt sie neben dem Kauf von Staatsanleihen auch den von Firmenpapieren. An der Börse steigen die Kurse.

EZB-Chef Draghi: Hoher Druck Zur Großansicht
AFP

EZB-Chef Draghi: Hoher Druck

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt Insidern zufolge im Kampf gegen die Konjunkturflaute eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, bereiten die Notenbanker hinter den Kulissen den Aufkauf von Unternehmensanleihen vor.

"Der Druck in diese Richtung ist hoch", sagte ein mit den Debatten in der EZB-Spitze vertrauter Insider der Nachrichtenagentur. Möglicherweise werde sich der EZB-Rat in seiner Sitzung Anfang Dezember offiziell damit beschäftigen. Eine Entscheidung zu diesem Zeitpunkt sei denkbar, aber nicht sicher, hieß es.

An der Börse kamen die Überlegungen gut an. Dort hoffen die Anleger auf eine noch lockerere Geldpolitik der EZB. Der Aktienindex Dax Chart zeigen gewann kräftig, ebenso der EuroStoxx 50 Chart zeigen.

Mit dem Kauf der Unternehmensanleihen könnte frühestens im ersten Quartal kommenden Jahres begonnen werden. Unklar ist, ob die Bank Anleihen direkt von den ausgebenden Firmen kaufen würde - oder ob sie nur Investoren Unternehmensanleihen abnehmen würde. Letzteres gilt als die wahrscheinlichere Variante.

Das Tempo der Notenbanker ist überraschend hoch. Sie haben zur Ankurbelung der Konjunktur erst in den vergangenen Monaten ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf den Weg gebracht. Dazu zählen unter anderem Geldspritzen für Banken und der massenhafte Aufkauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen. So will die EZB auch die Inflationsrate wieder nach oben drücken, die zuletzt auf ein besorgniserregend niedriges Niveau gefallen war.

Schon die bisher beschlossenen Maßnahmen sind vor allem in Deutschland auf heftige Kritik gestoßen. Dennoch könnte die Notenbank nun sogar noch weiter gehen.

"Nach Ansicht vieler im EZB-Rat hat sich das Konjunkturbild zuletzt ins Negative verschoben", sagte einer der Insider zu Reuters. Es wachse bei der Notenbank die Befürchtung, dass die bislang beschlossenen Maßnahmen nicht ausreichen könnten. Der Aufkauf von Unternehmensanleihen wäre ein nächster Schritt, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Ein EZB-Sprecher sagte, der EZB-Rat habe keine Entscheidung getroffen.

ssu/Reuters

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1. Sorry -
ermanerich 21.10.2014
mir fällt da nur noch ein: Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Merkel und Draghi auf. Der Ausverkauf der EU sollte sofort gestoppt werden. Die verantwortlichen Politiker wegen Unterschlagung von Steuergeldern in den Bau. Was die EZB betreibt ist schlicht Konkursverschleppung. Auch eine Straftat.
2. Die EZB
curiosus_ 21.10.2014
kauft also Firmenanleihen an, die kein sonstiger Anleger kaufen würde (weil er das Ausfallrisiko/Rendite – Verhältnis für zu hoch ansieht). An fehlendem Geld für solche Anleihen liegt es ja nicht, bei den derzeitig extrem niedrigen Guthabenzinsen und der Suche der Anleger nach Anlagen mit höheren Zinsen. De facto wird also der Steuerzahler, über seine Haftung, zum Zwangs-Firmenanleihenkäufer für Ramschanleihen die auf dem freien Markt unverkäuflich sind. Und die er privat nie kaufen würde. Sauber - es lebe die Planwirtschaft.
3. Und noch mehr der unwirksamen Medizin
derandereblick 21.10.2014
Nicht die Unternehmen haben zu wenig Geld, sondern die Verbraucher, um entsprechende Nachfrage zu entwickeln. Wann wird das endlich mal kapiert?
4. Das wäre dann der Einstieg in die Planwirtschaft.
European 21.10.2014
denn letztlich entscheidet dann die EZB welche Unternehmen Zugang zum Kapitalmarkt habe um so die Wirtschaftleistung dieser Unternemen zu regulieren. Ein Fehler, denn Transparenz senkt die Kapitalkosten als Ganzes. Die selbe Gefahr lauert in Eurobonds, die die Kapitalkosten als Ganzes vermutlich anheben da sie vergleichsweise intransparent sind.
5. Aha
rosenvater 21.10.2014
An der Börse kamen die Überlegungen also gut an. Was heißt das für Inflation, Wirtschaft und Staatsverschuldung.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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