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Kampf gegen niedrige Inflation: EZB bereitet Kauf von Staatsanleihen vor

EZB-Chef Draghi: "Risiko ist höher als vor sechs Monaten" Zur Großansicht
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EZB-Chef Draghi: "Risiko ist höher als vor sechs Monaten"

Die Europäische Zentralbank kämpft gegen die niedrige Inflation - und bereitet mögliche Staatsanleihekäufe im neuen Jahr vor. Das Risiko, dass die Notenbank ihr Ziel stabiler Preise nicht erfülle, sei gestiegen, sagt EZB-Chef Mario Draghi.

Hamburg - Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die Europäische Zentralbank (EZB) zu ihrem letzten Mittel greift und im großen Stil Staatsanleihen aufkauft. Das deutete EZB-Chef Mario Draghi. "Das Risiko, dass wir unser Mandat der Preisstabilität nicht erfüllen, ist höher als vor sechs Monaten", sagte Draghi dem "Handelsblatt".

Die EZB sei deshalb in technischen Vorbereitungen, "um den Umfang, Tempo und die Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden, um auf eine lange Periode zu niedriger Inflation zu reagieren". Der Kauf von Staatsanleihen sei dabei eines der Werkzeuge, das die EZB zur Erfüllung ihres Mandats nutzen könne.

Zuletzt hatte die Inflationsrate im Euroraum bei 0,3 Prozent gelegen. Die EZB strebt aber auf mittlere Sicht eine jährliche Teuerung von knapp unter zwei Prozent an, um die Wirtschaft in Schwung zu halten.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet äußerte jüngst sogar die Befürchtung, dass die Verbraucherpreise im Schnitt über längere Zeit sinken könnten. "Mit den aktuellen Ölpreisen wäre die Inflation niedriger, deutlich niedriger als bislang geschätzt", sagte Praet der "Börsen-Zeitung". "Das könnte eine negative Inflationsrate für einen längeren Zeitraum im Jahr 2015 bedeuten."

Zinsen sollen lange Zeit niedrig bleiben

Zugleich bezeichnete Praet den Kauf von Staatsanleihen als "einzige Option", um die Geldpolitik weiter zu lockern und so der niedrigen Inflation entgegenzutreten. Die Leitzinsen hat die Notenbank bereits auf historisch niedrige 0,05 Prozent gesenkt.

Die EZB fürchtet, dass sich in den Köpfen der Verbraucher die Erwartung auf sinkende Preise festsetze - und sie deshalb weniger Geld ausgeben. Wenn die Inflation lange zu niedrig bleibe, könnten "die Leute auf weiter sinkende Preise setzen und ihre Ausgaben einfach verschieben", sagte Notenbank-Chef Draghi. So weit sei es zwar noch nicht. "Aber wir müssen gegen dieses Risiko angehen."

Ob der Kauf von Staatsanleihen dabei das richtige Mittel ist, scheint innerhalb des EZB-Rats zumindest umstritten. Die beiden deutschen Vertreter, Bundesbank-Chef Jens Weidmann und Direktorin Sabine Lautenschläger, sehen das Instrument eher kritisch. Sie fürchten, dass die EZB damit unerlaubterweise Staaten finanziere.

Leidtragende der aktuellen Geldpolitik sind zudem die Sparer, die auf ihre Einlagen bei den Banken kaum noch Zinsen bekommen. Für sie hat Draghi nur wenig Aufmunterndes parat: Er äußerte zwar Verständnis für Sorgen der Sparer. Die Zinsen seien seit langem "sehr, sehr niedrig". Das werde aber "wahrscheinlich noch eine Zeit so bleiben".

stk/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
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1. Verbrecher
ein_bayer 02.01.2015
Verbrecher gehören hinter Gitter und müssen sich für ihr Tun vor Gericht verantworten. So wird es auch diesem Draghi gehen!
2. Sinkende Preise
danielc. 02.01.2015
Die Geldpolitik alleine wird das nicht richten können. Daneben sind vielfache Faktoren wichtig. Besonders der Steigende Altersdurchschnitt und die Kinderarmut werden die Deflation in zunehmendem Maße begünstigen. Eine Europaweite Kinderfördernde Familienpolitik und die gezielte Anwerbung qualifizierter Arbeitnehmer im Familienalter aus dem europäischen Ausland, ist eine der dringend gebotenen Zielrichtungen zur Zeit.
3. Schlechte Nachrichten für Sparer
yogi65 02.01.2015
Das hört sich nicht gut an. Wenn jetzt zusätzlich zu den Mini-Zinsen noch die Inflation künstlich angeheizt werden soll bedeutet das faktisch eine schleichende Enteignung aller Sparer und Altersvorsorger. Zu Gunsten von Spekulanten die sich risikoreichere Anlagen in Aktien oder Immobilien leisten können oder wollen. Die Politik wird es freuen, die Wähler sollte es nachdenklich machen.
4.
muellerthomas 02.01.2015
Zitat von ein_bayerVerbrecher gehören hinter Gitter und müssen sich für ihr Tun vor Gericht verantworten. So wird es auch diesem Draghi gehen!
Welches Verbrechen begeht er Ihrer Meinung nach denn?
5.
muellerthomas 02.01.2015
Zitat von yogi65Das hört sich nicht gut an. Wenn jetzt zusätzlich zu den Mini-Zinsen noch die Inflation künstlich angeheizt werden soll bedeutet das faktisch eine schleichende Enteignung aller Sparer und Altersvorsorger. Zu Gunsten von Spekulanten die sich risikoreichere Anlagen in Aktien oder Immobilien leisten können oder wollen. Die Politik wird es freuen, die Wähler sollte es nachdenklich machen.
Die Inflation soll ja gerade durch mehr Wirtschaftsaktivität, also letztlich steigende Löhne und bessere Auslastung der Kapazitäten erzielt werden. Wird dieses Ziel erreicht, könnten auch die Zinsen wieder steigen und die höheren Löhne würden ohnehin fast allen helfen.
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