Streit über Zypern-Rettung "Herr Dijsselbloem hat da etwas Falsches gesagt"

Das Rettungspaket für Zypern sorgt für Streit - jetzt auch unter den Rettern selbst. Ein EZB-Direktoriumsmitglied kritisiert Äußerungen von Euro-Gruppenchef Dijsselbloem als "falsch". Der hatte gesagt, die Beteiligung von Kontoinhabern sei ein Modell für andere Länder.

EZB-Direktor Coeure: "Ich denke, Herr Dijsselbloem hat da etwas Falsches gesagt."
REUTERS

EZB-Direktor Coeure: "Ich denke, Herr Dijsselbloem hat da etwas Falsches gesagt."


Brüssel - Nach der Einigung auf einen Rettungsplan für Zypern ist ein Streit über dessen Bedeutung für andere Krisenländer entbrannt: Benoit Coeure, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), kritisierte am Dienstag Äußerungen von Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem zum künftigen Umgang mit in Schieflage geratenen Banken. Die Beteiligung von Gläubigern und Eigentümern an der Rettung der zyprischen Banken sei ein Einzelfall und keine Blaupause für künftige Krisen, sagte Coeure im französischen Radiosender Europe 1. "Ich denke, Herr Dijsselbloem hat da etwas Falsches gesagt."

Dijsselbloem hatte in einem Interview mit der "Financial Times" am Montag erklärt, die Beteiligung von Aktionären, Anleihegläubigern und Sparern an der Sanierung von Banken - wie sie für Zypern geplant ist - tauge als Modell für künftige Rettungsaktionen im Krisenfall. An den Finanzmärkten hatte der niederländische Finanzminister, der erst seit kurzem das Amt des Vorsitzenden der Euro-Gruppe übernommen hat, damit für Irritationen gesorgt. Dijsselbloem sagt inzwischen, er sei falsch zitiert worden. Die Finanzmärkte reagierten dennoch heftig, der Euro fiel um mehr als einen Cent deutlich unter die Marke von 1,29 US-Dollar.

Coeure sagte, die Lage in Zypern sei nicht mit anderen Ländern vergleichbar. "Die Erfahrung in Zypern ist kein Modell für den Rest Europas, weil die Situation schon eine Stufe erreicht hatte, die mit keinem anderen Land verglichen werden kann. Ich sehe nicht, warum wir dieselben Methoden woanders benutzen sollten." Aus seiner Sicht sei die Lehre aus dem Fall Zypern, dass Banken künftig besser kontrolliert werden müssen. "Wir brauchen deshalb eine unabhängige europäische Regulierungsbehörde. Diese wird es ab Mitte 2014 geben, und es wird die EZB sein. Wir müssen Probleme in der Euro-Zone früher identifizieren."

ade/Reuters/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 43 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gruenbonz 26.03.2013
1. Und das Geschäftsmodell von Luxemburg?
Der Zwergstaat hat ein Bankensystem, das weit über das BSP hinausgeht.
KeineHemmung 26.03.2013
2. Das Problem der Eurozone
ist der Euro!
tdmdft 26.03.2013
3. Glauben wir das?
Seit Jahren gibt es ein Trommelfeuer vieler Medien, der Wähler und auch der Politik, nicht immer die Banken zu retten, sondern den Finanzmarkt an den Kosten zu beteiligen. Das wurde von vielen als gut und richtig gepriesen, insbesondere von der SPD, den Grünen und der Linken, die die Staaten mit ihren Schuldenbergen weniger in der Verantwortung sehen, als die Privatwirtschaft. In Zypern ist jetzt genau das durchexerziert worden, was alle immer gefordert haben. Nur haben viele nie verstanden, das die Bürger immer auch mit ihren Konten Gläubiger der Banken sind. jetzt ist das Erwachen große. Die Kommentare zeigen mir, dass viele Leute nie genau verstanden haben, was für Konsequenzen das hat, was sie fordern. Natürlich wird Zypern ein Modell für Europa sein. Marode Banken werden abgewickelt werden müssen, und irgendjemand wird immer Geld verlieren. Entweder der Steuerzahler (also alle) oder der Bankkunde, also alle. Vielleicht wird die Lehre sein, dass wir am Ende immer alle Bezahlen müssen. Vielleicht wird das zum Umdenken der Schuldenmacher in den Staaten und der Gesellschaft führen: das Geschäftsmodell: Staatsschulden sind gute Schulden ist gescheitert.
Progressor 26.03.2013
4. Oh Leute!
Wenn das Modell Zypern, was mit einer Beteiligung von Kapitalgebern (Aktionären) und Einlegern völlig richtig war, nicht für künftige Krisenfälle taugt, dann sollte man erklären, wie das denn in Zukunft gehandhabt werden soll. Wer wird statt dessen dafür herangezogen? Ich fasse es nicht, ins besonders, dass einem Eurogruppenchef in allerwichtigsten Fragen vom EZB-Direktorium widersprochen wird. Das ist Irrenhaus!
DerFrankenberger 26.03.2013
5. Hilfe, der Euro hat einen Cent verloren
Was fällt diesem EZB-Beamten ein, Aussagen von Politikern zu bewerten. Man kann nur hoffen, dass Zypern eine Blaupause ist und das unlimitierte Retten aller Pleitebanken aufhört.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.