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Geldpolitik: EZB senkt Leitzins auf Rekordtief von 0,25 Prozent

EZB-Präsident Draghi: Rat beschließt Leitzinssenkung Zur Großansicht
AP

EZB-Präsident Draghi: Rat beschließt Leitzinssenkung

Die Europäische Zentralbank senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Die Entscheidung löste an der Börse Kurssprünge aus: Der Dax legte zeitweise um mehr als hundert Punkte zu, der Euro rutschte um ein Prozent ab.

Frankfurt am Main - Die europäischen Notenbanker machen Ernst: Die EZB senkt den Leitzins im Euro-Raum auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank am Donnerstag in Frankfurt.

Der Leitzins ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank mit Geld versorgen können. Angesichts der extrem niedrigen Inflation im Euro-Raum von zuletzt 0,7 Prozent im Oktober hatten einige Beobachter eine weitere Lockerung der Geldpolitik gefordert. So könnte die Notenbank eine deflationäre Abwärtsspirale aus fallenden Verbraucherpreisen und schwachem Wirtschaftswachstum verhindern.

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb. Die EZB sieht Preisstabilität bei knapp unter zwei Prozent Jahresteuerung.

Am Finanzmarkt hatten zuletzt manche Investoren auf diesen Schritt spekuliert. Der Dax Chart zeigen sprang zeitweise auf ein neues Rekordhoch von 9162 Punkten. Der Euro Chart zeigen stürzte dagegen um mehr als ein Prozent auf 1,33 Dollar ab.

Bei Volkswirten stieß die Entscheidung auf geteilte Reaktionen: "Probleme mit immer mehr Zentralbankgeld zuzudecken, erhöht nur das Risiko, dass der Reformeifer erlahmt", sagte Alexander Schumann vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Hinzu komme die Gefahr von Blasen. "Schon jetzt leidet die breite Akzeptanz bei Sparern und Anlegern für den EZB-Kurs", so Schumann.

Jörg Zeuner von der staatlichen KfW-Bank begrüßte die Entscheidung hingegen: "Dies ist die richtige Reaktion auf die zu niedrige Inflation im Euro-Raum." Die Inflationsrate sei weit von der EZB-Zielmarke entfernt, so der KfW-Chefvolkswirt. Überrascht zeigte sich Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe: "Das war nicht unbedingt aus Kommentaren der EZB-Mitglieder herauszulesen."

EZB-Chef Mario Draghi sagte bei der Erläuterung des Beschlusses, die Zentralbank habe ihr Pulver mit der jüngsten Senkung noch nicht verschossen. "Wir haben die Untergrenze noch nicht erreicht und könnten den Zins grundsätzlich weiter senken", sagte er. Die EZB sei bereit, alle "zur Verfügung stehenden Instrumente einzusetzen". Dazu gehöre theoretisch auch eine Neuauflage der vor rund zwei Jahren eingesetzten langfristigen Kreditlinien für Banken. Auf der jüngsten Zinssitzung sei dies aber "kein großes Thema" gewesen - ebenso wie die Aufwertung des Euro. Der Wechselkurs sei "kein Ziel der Geldpolitik".

Bankenverband hält Zinssenkung für gefährlich

Nach Einschätzung des deutschen Privatbanken-Verbandes hat die Zinssenkung allenfalls geringe Auswirkungen auf die Wirtschaft. Auch mit einer nennenswerten Belebung der Kreditvergabe in den Euro-Krisenländern sei nicht zu rechnen, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB.

"Mittel- bis längerfristig nehmen allerdings die Risiken der Niedrigzinspolitik weiter zu - insbesondere die Gefahr von falschen Risikoeinschätzungen, verzerrten Investitionsentscheidungen und Vermögenspreisblasen", so Kemmer.

cte/dab/Reuters/dpa

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insgesamt 198 Beiträge
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    Seite 1    
1. Wieso senkt die EZB die Zinsen....
joG 07.11.2013
....wenn es heißt, dass es in Euroland wirtschaftlich bergauf geht?
2. Kein gutes Zeichen
dunnhaupt 07.11.2013
Offensichtlich sieht die EZB noch kein Zeichen am Horizont, dass wir uns dem Ende der Krise nähern.
3.
utfcmac 07.11.2013
Zitat von sysopAPDie Europäische Zentralbank (EZB) senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ezb-senkt-leitzins-auf-0-25-prozent-a-932316.html
Völliger Wahnsinn... nächstes Jahr gibs dann Anleihekäufe ala USA... bis alles platzt.
4. Wäre schön...
peeka 07.11.2013
...wenn eine solche Zinssenkung auch einmal bei Kunden positiv ankäme. Aber gegen die Senkung bei Dispokrediten wehren sich die Banken sicherlich weiterhin mit erzieherischen Argumenten.
5.
THINK 07.11.2013
Zitat von sysopAPDie Europäische Zentralbank (EZB) senkt ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ezb-senkt-leitzins-auf-0-25-prozent-a-932316.html
Bei einem negativen Leitzins sollte man sich ernsthaft überlegen, eine Bank zu gründen.
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Wie Notenbanken funktionieren
Woher nehmen Notenbanken das ganze Geld?
Für die Milliardensummen, die die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) im Verlauf der Finanzkrise den Banken zur Verfügung stellten, müssen die Notenbanken nicht die Notenpresse anwerfen und Geldscheine drucken. Die Beträge werden lediglich auf den Konten der Geschäftsbanken gutgeschrieben, die bei den Notenbanken geführt werden. Gegen Wertpapiere als Sicherheiten leiht die EZB oder Fed Geld aus. Nach einer bestimmten Frist zahlen die Banken die Summe inklusive Zins zurück.
Können sie pleitegehen?
Technisch nein. Die EZB hat im Euro-Raum das Monopol über das Zentralbankgeld und kann unabhängig darüber entscheiden, wann sie wie viel Geld in Umlauf bringt.
Warum buttern sie so viel Geld in die Märkte?
Generell leihen sich Geldinstitute auf dem Geldmarkt untereinander oder bei der EZB oder Fed Geld aus und zahlen dafür Zinsen - so wie ein Bankkunde bei einer Bank einen Kredit bekommt und diesen abträgt. Für die Geschäftsbanken ist es wichtig, dass sie über flüssiges Geld (Liquidität) verfügen, zum Beispiel für die Vergabe von Krediten an Unternehmen und Verbraucher. Wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten und eventueller noch unbekannter Risiken bei einzelnen Häusern sind die Banken jedoch misstrauischer geworden und nicht mehr im üblichen Maße bereit, sich gegenseitig Geld auszuleihen. In so einem Fall können die Notenbanken eine Finanzspritze geben, um einen Geldengpass (Kreditklemme) zu verhindern. Vorrangiges Ziel der Notenbanken sind stabile Preise. Die EZB ist laut EU-Vertrag aber auch für die Stabilität des Finanzsystems mitverantwortlich.


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