EZB-Studie Wenn der Handelsstreit eskaliert, verlieren die USA

In einer Studie hat die Europäische Zentralbank eine Eskalation des Handelsstreits simuliert. Verlierer wäre die globale Wirtschaft insgesamt - vor allem aber die USA.

Die Zentrale der EZB in der Frankfurter Skyline
DPA

Die Zentrale der EZB in der Frankfurter Skyline


Unter einer Eskalation des Handelsstreits der USA mit China und der Europäischen Union würde vor allem die Wirtschaftsleistung der USA leiden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlicht hat.

Die Forscher der EZB simulieren in ihrer Untersuchung die Auswirkungen eines US-Sonderzolls von zehn Prozent auf alle Importe und entsprechende Vergeltungsmaßnahmen in gleicher Höhe. Dies würde zu einer substanziell schlechteren Exportbilanz der Vereinigten Staaten führen: "In unserem Modell investieren US-Firmen weniger und stellen auch weniger Arbeiter ein", schreiben die Notenbanker.

Seit Anfang Juli haben sich die USA und China bereits mit Straf- und Vergeltungszöllen auf Waren im Volumen von insgesamt hundert Milliarden Dollar überzogen. US-Präsident Donald Trump hatte mit dem Erheben von Schutzzöllen begonnen, da er sein Land trotz starker Wachstumszahlen als Verlierer der Globalisierung sieht. Zuletzt hatte China den USA "Handelstyrannei" vorgeworfen.

Auch mit der Europäischen Union befindet sich die US-Regierung im Konflikt: Nachdem Trump im Frühsommer mit Strafzöllen auf europäische Autos gedroht hatte, war Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zum Krisengespräch in die USA gereist und hatte eine Einführung abgewendet.

In der Studie der EZB heißt es, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA könne im ersten Jahr nach Einführung des Sonderzolls um 1,5 Prozentpunkte sinken. Die Berechnung berücksichtigt jedoch nur die direkten Auswirkungen der Zölle auf die betroffenen Unternehmen und damit auf die Wirtschaftsleistung des Landes.

Darüber hinaus würde die Eskalation laut der Studie bei Firmen zu Unsicherheit darüber führen, welche politischen Entscheidungen in Zukunft von der Regierung getroffen werden könnten. Unsicherheit und schwindendes Vertrauen könnten wiederum eine weitere Abnahme von Investitionen nach sich ziehen. Das Wirtschaftswachstum der USA könnte im ersten Jahr daher insgesamt um über zwei Prozentpunkte einbrechen, so die Forscher.

Im Gegensatz zu den USA könnte China laut den Wissenschaftlern leicht profitieren. Zwar müsse auch die Volksrepublik wirtschaftliche Einbußen in Kauf nehmen. Es sei aber wahrscheinlich, dass China im ersten Jahr den Export in dritte Länder steigern könne, wo chinesische Firmen amerikanische verdrängen würden.

Zu den Verlierern der Studie gehört auch die Weltwirtschaft insgesamt: Die Forscher halten einen Wachstumseinbruch der globalen Wirtschaft von bis zu drei Prozentpunkten für möglich.

kko/Reuters



insgesamt 12 Beiträge
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antelatis 26.09.2018
1. Außerdem:
Es reicht nicht, nur die bloßen Zahlen gegeneinander aufzurechnen. Die Amerikaner könnte es auch härter treffen, weil der Rest der Welt ihnen die Schuld geben wird, und damit würden sie die letzten noch vorhandenen Sympathien verspielen, was sich letztendlich immer wirtschaftlich auswirkt. Und ich glaube auch, dass die Chinesen eher mit krisenhaften Zuständen umgehen können werden, als die Amerikaner. Die werden länger durchhalten, wenn es darum gehen wird, Entbehrungen zu ertragen.
s.l.bln 26.09.2018
2. "US-Präsident Donald Trump...
hatte mit dem Erheben von Schutzzöllen begonnen, da er sein Land trotz starker Wachstumszahlen als Verlierer der Globalisierung sieht." Das ist eigentlich der Schlüsselsatz in der ganzen Groteske, der auch zeigt, wie schizophren dieses Spatzenhirn ist. Der stellt sich vor jede Kamera, die er finden kann und prahlt mit den besten Wirtschaftzahlen der letzten 13,7 Milliarden Jahre, um direkt im Anschluß zu verkünden, daß man dringend einen Handelskrieg führen müsse, um nicht immer weiter zum tragischen Opfer der miesen Abzockerei durch praktisch jedes andere Land auf der Welt zu werden. Bizarr. Tatsächlich ist die USA der große Gewinner der Globalisierung. Stellen wir uns doch nur mal vor, Apple, Google, Microsoft, Intel, Facebook, Amazon, Halliburton, Nike, Converse,Boing und die gesamte Tabakindustrie sowie sämtliche US Agrarerzeugnisse wären beschränkt auf den US Markt. Kaum zu fassen, daß die Bildungsmisere der Staaten eine Wählerschicht heranwachsen lies, die solchen Mist glauben.
fördern 26.09.2018
3. unerträglich - doch auch fast lächerlich
wird dieser Mann, die Unvernunft in Person, irgendwann sein Land - trotz des kurzfristigen Booms - in den Ruin stürzen. Ich höre laufend Kommentare des DLF und SWR2, alle Sendungen, die mit den Themen Trump, Geldpolitik etc. zu tun haben. Obwohl ich überhaupt keine Spezialistin bin, höre ich daraus, dass irgendwann Schlimmes folgen wird. Allerdings ist seine Amerika-first-Politik irgendwann ein Bumerang... Und wenn ich ihn allein schon anschaue, mit welchem wirklich verzerrten Gesicht er oft argumentiert, tut mir der freundliche Teil Amerikas leid und ich denke an Martin Luther King und alle seine Sympathisanten... - Traurige Geschichte. Mr. Trump ist ja das genaue Gegenteil und unerträglich schon wie er begann!
Darwins Affe 26.09.2018
4. Nicht so einfach
Zitat von s.l.blnhatte mit dem Erheben von Schutzzöllen begonnen, da er sein Land trotz starker Wachstumszahlen als Verlierer der Globalisierung sieht." Das ist eigentlich der Schlüsselsatz in der ganzen Groteske, der auch zeigt, wie schizophren dieses Spatzenhirn ist. Der stellt sich vor jede Kamera, die er finden kann und prahlt mit den besten Wirtschaftzahlen der letzten 13,7 Milliarden Jahre, um direkt im Anschluß zu verkünden, daß man dringend einen Handelskrieg führen müsse, um nicht immer weiter zum tragischen Opfer der miesen Abzockerei durch praktisch jedes andere Land auf der Welt zu werden. Bizarr. Tatsächlich ist die USA der große Gewinner der Globalisierung. Stellen wir uns doch nur mal vor, Apple, Google, Microsoft, Intel, Facebook, Amazon, Halliburton, Nike, Converse,Boing und die gesamte Tabakindustrie sowie sämtliche US Agrarerzeugnisse wären beschränkt auf den US Markt. Kaum zu fassen, daß die Bildungsmisere der Staaten eine Wählerschicht heranwachsen lies, die solchen Mist glauben.
1) Das Problem der Amis ist ihr immenses (steigendes) Handelsbilanzdefizit (nicht die aktuelle wirtschaftliche Situation). 2) Ursachen sind hauptsächlich Chinas unfaire wirtschaftliche Praktiken und eine für Deutschland völlig unterbewertete Währung im Euroverbund. 3) Auch im Euro-Raum hat sich ein unerträgliches Ungleichgewicht der Handelsbilanzen entwickelt. Deshalb hockt Deutschland mit fast 1 Billion (uneintreibbarer) Target2-Forderungen da. 4) Nebenbei: Eure deutsche Überheblichkeit in Bezug Bildungsmisere: Bei den Pisa-Studien schneidet ihr genauso schlecht ab wie die Amis --- Tendenz fallend. Die Amis haben zumindest noch ihre Eliteuniversitäten.
Normaler Wutbürger 26.09.2018
5. Realität ?
Ob diese Studie was taugt ? Wenn es schon heisst: "In unserem Modell investieren US-Firmen weniger und stellen auch weniger Arbeiter ein", dann ist das wieder mal eine rein subjektive Annahme. Und die lagen in Bezug auf Trump nunmal meistens daneben. Bislang lagen nunmal die allermeisten Vorraussagen und Einschätzungen gegenüber Trump und seiner Politik falsch. Ich für meinen Teil bin mir ziehmlich sicher, dass China den größten Schaden nehmen würde, besonders langfristig gedacht. Denn langfristig kann die US-Wirtschaft damit gestärkt werden, wärend China geschwächt wird. DENN : China wird auf jeden Fall ihre Wirtschaftspolitik ändern müssen. Da führt überhaupt kein Weg drann vorbei. Und würden die USA und die EU nicht zurzeit ebenfalls miteinander Streiten, sondern gegen China an einem Strang ziehen, dann wäre das auch schon lange passiert. Denn am Ende weiss jeder in der EU dass die Position Trumps gegenüber China richtig ist.
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