Schwächelnde Wirtschaft EZB verspricht Banken neue Geldsalven

Die EZB stemmt sich gegen einen Abschwung im Euroraum: Die Notenbank, angeführt von Mario Draghi, kündigt neue Geldspritzen für Finanzinstitute an und lässt den Leitzins bis mindestens zum Jahresende bei null Prozent.

Mario Draghi
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Mario Draghi


Die Europäische Zentralbank (EZB) will den Banken des Euroraums neue Langfristkredite zur Verfügung stellen. Wie die Notenbank nach ihrer Zinssitzung am Donnerstag in Frankfurt ankündigte, sollen ab September 2019 bis März 2021 neue Geldspritzen angeboten werden. Die Laufzeit betrage jeweils zwei Jahre.

Die Geschäfte sollen der Kreditvergabe der Banken dienen und die Übertragung der EZB-Geldpolitik unterstützen. Von den Geldsalven dürften unter anderem Banken im rezessionsgeplagten Italien profitieren.

Die neuen Kredite sind die dritten ihrer Art. Seit 2014 und 2016 hatte die Notenbank in zwei vorherigen Runden den Instituten ebenfalls Zentralbankgeld zu günstigen Konditionen und über einen ungewöhnlich langen Zeitraum zur Verfügung gestellt.

Die Hoffnung hinter den Geldspritzen war stets, dass die Banken ihre Kreditvergabe ausweiten und damit die Konjunktur und Inflation anschieben.

Zeitrahmen verlängert

Die EZB betonte zudem, ihre Leitzinsen noch bis mindestens zum Jahresende 2019 nicht antasten zu wollen. Bislang hatten die Währungshüter nur bis mindestens zum Ende des Sommers signalisiert, die Zinsen nicht anzutasten.

Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Die EZB will zudem auch nach einer Zinswende noch für längere Zeit fällig werdende Anleihen aus ihrem Bestand ersetzen. Die Euro-Wächter bleiben damit ein großer Akteur am Anleihemarkt. Ihre auf mehr als 2,6 Billionen Euro angeschwollenen Wertpapierkäufe hatten sie im Dezember eingestellt.

Dax höher, Renditen fallen

Der Börse gab die Aussicht auf eine neue Geldflut einen Schub. Der Dax Chart zeigenverringerte nach der Entscheidung seine Verluste und lag noch leicht im Minus. Bankentitel gewannen zunächst an Wert, allerdings dämpfte der Zinsausblick die Euphorie der Anleger schnell wieder.

Der Euro fiel um 0,2 Prozent auf 1,1275 Dollar. An den Anleihemärkten griffen Investoren bei Bundesanleihen zu. Im Gegenzug fiel die Rendite um drei Basispunkte auf 0,10 Prozent.

ssu/dpa-AFX/Reuters



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istdaswahr 07.03.2019
1. ...und so machen wir denn weiter...
...und weiter...und weiter... der Krug geht so lange zum Brunnen bis er... Das Buch "Geld, Gold und Gottspieler" von R. Baader braucht man gar nicht zu lesen, der Titel reicht. Draghi und Konsorten sind nach wie vor die Gottspieler und meinen ein System weiter und weiter ausreizen zu können.
frozen 07.03.2019
2. Alles gut und schön...
allerdings was nützt das alles, wenn es in der Bevölkerung bzw. den Unternehmen nicht ankommt. Helfen tut dies nur den Banken und großen Unternehmen, unten, die den Rubel rollen lassen sollen, kommt nichts an. Allerdings, wer will das schon, wenn er mit einem mittleren Einkommen teilweise mehr wie die Hälfte dem Staat zur Umverteilung geben muss.
hannesmann 07.03.2019
3.
Vielleicht sollte Herr Draghi mal den Begriff "Liquiditätsfalle" googeln. Dann würde er vielleicht auch verstehen, dass die überschießende Liquidität das Wirtschaftswachstum eher lähmt statt anschiebt. Aber darum geht es ihm auch nicht. Er will die Club Med Länder retten und den italienischen Banken insbesondere weitere Luft verschaffen ihre faulen Kredite nicht abschreiben zu müssen. Japan sollte eigentlich jedem klar machen das zu viel Liquidität zu Null Zinsen für die Inflation kontraproduktiv ist.
chinawoman 07.03.2019
4. Also weiteres Zockergeld für die Banken...
Ohne Worte. Ich befürchte das wenigste wird zweckgebunden verwendet. Das Geld wird an der Börse für Risikoinvestments verwendet, das verlorene Geld holt man sich dann beim Kunden oder dem Staat wieder zurück.
babblebrox 07.03.2019
5. Und wieder ...
...knallen die Champagnerkorken bei den doch so notleidenden Geschäftsbanken, die fetten Boni sind wieder gesichert. Man weiss ja sonst nicht wovon man den gerade bestellten AMG bezahlen soll, man hätte ja dann doch an die Rücklagen gehen müssen. Wenn einer daran glaubt, das irgendwas von der Geldflut an den Stellen zu erträglichen Zinsen ankommt wo es benötigt wird, glaubt auch an die Aufhebung des Zölibats. Warum sollte zur Abwehr einer wirtschaftlichen Abschwächung Geld ausgegeben werden wenn doch ein erfolgreiches Geschäftsmodell ohne Folgen und Änderungen weiter betrieben werden kann. Aber vlt sollte man sich bei der Ankündigung auf den Aktienmarkt mal umsehen ob man da so ein bisschen mitschwimmen kann, moralisch sehe ich da kein Problem.
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