Fachkräftemangel: Ökonomen rechnen mit 45-Stunden-Woche

Die Wirtschaft wächst, jetzt klagen immer mehr Firmen über Fachkräftemangel. Experten warnen: Weil nicht genug gut ausgebildetes Personal zur Verfügung steht, müssen die Deutschen bald länger arbeiten.

Arbeiter im Schiffsbau: Bald weniger als drei Millionen Arbeitslose Zur Großansicht
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Arbeiter im Schiffsbau: Bald weniger als drei Millionen Arbeitslose

Berlin - Es scheint nur diese beiden Alternativen zu geben: Entweder Deutschland wirbt mehr ausländische Fachkräfte an, oder die Bundesbürger müssen länger arbeiten. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels rechnen Experten mit einem deutlichen Anstieg der Wochenarbeitszeit für Arbeitnehmer.

Die Arbeitszeit könnte bis auf 45 Stunden pro Woche steigen, um den Mangel an Mitarbeitern auszugleichen, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, der "Bild"-Zeitung. "Mittelfristig geht es nicht ohne längere Arbeitszeiten. 37,5- oder 38-Stunden-Wochen sind in jedem Fall vorbei." Vor allem in den exportorientierten Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, aber auch in der Gesundheits- und der Pflegebranche werde es Bedarf nach längeren Arbeitszeiten geben.

Auch der Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Ulrich Blum, sagte: "Mittelfristig werden wir um längere Arbeitszeiten nicht herumkommen." Dann könnte es 42- oder sogar bis zu 45-Stunden-Wochen geben. Der Vorsitzende der CDU/CSU- Mittelstandsvereinigung, Josef Schlarmann, sagte: "Der Fachkräftemangel kann nicht mit Arbeitslosen oder älteren Arbeitnehmern beseitigt werden."

Ministerin: Dauerhaft unter drei Millionen Arbeitslose

Es müsse Zuwanderung geben. Wer das nicht wolle, müsse sich für eine Anhebung der tariflichen Arbeitszeiten von deutlich über 40 Stunden bei entsprechendem Lohnausgleich starkmachen. Der Direktor des Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, verwies darauf, dass laut Gesetz sogar eine Wochenarbeitszeit von bis zu 48 Stunden erlaubt sei.

Wie deutlich sich die Wirtschaft erholt, zeigt auch eine Erwartung der Arbeitsministerin: Ursula von der Leyen geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland deutlich und dauerhaft unter drei Millionen sinkt.

"Wir werden in diesem Monat die Drei-Millionen-Grenze bei den Arbeitslosen knacken - und das nicht zu knapp. Das ist der geringste Stand seit 20 Jahren", sagte die CDU-Politikerin der "Bild am Sonntag". "Selbst bei einem frühen Kälteeinbruch mit saisonbedingten Entlassungen wird die Arbeitslosenzahl im November sicher unter drei Millionen bleiben." Der Aufschwung erreiche alle - "auch Gruppen mit besonders hoher Arbeitslosigkeit wie ältere Menschen über 50 Jahre, Frauen und Ostdeutsche".

böl/Reuters/dpa

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Forum - Aufschwung am Arbeitsmarkt?
insgesamt 3184 Beiträge
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1. ....
beliyana 31.03.2010
Zitat von sysopIm März ist die Zahl der Erwerbslosen erstmals seit einem Jahr wieder gesunken. Ist die Krise am Arbeitsmarkt jetzt vorbei?
Nein,alles getürkt,schließlich ist im Mai NRW Wahl.
2.
zynik 31.03.2010
Zitat von sysopIm März ist die Zahl der Erwerbslosen erstmals seit einem Jahr wieder gesunken. Ist die Krise am Arbeitsmarkt jetzt vorbei?
Der 1. April ist erst morgen. Seit Beginn dieser seltsamen Krise wird zu jedem neuen Statistik-Pups gefragt, ob die Krise denn jetzt vorbei ist. Zumindest wenn es um die Arbeitslosenzahlen geht. Wenn es jedoch um die "Flexibilisierung" des Arbeitsmarktes, Lohndumpung und Abbau von Arbeitnehmerrechten geht, liegt es stets woran? Richtig. Der Krise natürlich. Davon abgesehen gibt es wohl keine Statistik, in der die Zahlen so hemmungslos geschönt und frisiert wurden. Und jeder weiß es. Umso trauriger, dass hinter jeder Zahl ein persönliches Schicksal steckt. Also liebe Leute, der Aufschwung ist da. Zumindest bis zu euer nächsten Gehaltsverhandlung und der Wahl in NRW. Bitte belügt uns weiter, wir wollen es ja nicht anders.
3. Aufschwung
Wolfghar 31.03.2010
Zitat von sysopIm März ist die Zahl der Erwerbslosen erstmals seit einem Jahr wieder gesunken. Ist die Krise am Arbeitsmarkt jetzt vorbei?
Ja 300.000 offene Stellen bei nur 6 Millionen Arbeitslosen, von Krise kann keine Rede mehr sein. Das ist der Aufschwung. Und diesen glückseeligen Aufschwung haben wir nur den etablierten Parteien mit ihrer weisen Politik zu verdanken. Also alle wiederwählen in NRW
4. Nein, ...
mexi42 31.03.2010
Zitat von sysopIm März ist die Zahl der Erwerbslosen erstmals seit einem Jahr wieder gesunken. Ist die Krise am Arbeitsmarkt jetzt vorbei?
sie ist nicht vorbei, weil es noch keine auskömmlichen Löhne und feste Arbeitsverhältnisse gibt. "Experten" zeichnen sich immer darin aus, dass sie die Wirklichkeit überrascht.
5. Experten
FastFertig 31.03.2010
Die Experten sagen alles was eintreten kann voraus und derjenige der richtig liegt hat gewonnen. Wenn etwas Eintritt, das gar kein Experte vorhergesagt hat, dann sind die Experten überrascht. Welchen Sinn hat das? Und warum heißen die Experten? Man könnte sie doch "Zigeuner mit Glaskugel" nennen. Das Ergebnis wäre das gleiche, aber man wüßte schon vorher, was man von den Weissagungen zu halten hat.
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Jeder Arbeitnehmer in Deutschland ist Pflichtmitglied der Arbeitslosenversicherung. Die Hauptleistung der Versicherung ist das Arbeitslosengeld I (ALG I), das einen Teil des ehemaligen Nettoeinkommens ersetzt und bis zu ein Jahr nach Verlust einer Stelle gezahlt wird. Für ältere Arbeitslose gelten Ausnahmen. Läuft die Zahlung des ALG I aus, ohne dass eine neue Stelle gefunden wurde, wird anschließend Arbeitslosengeld II (ALG II) gezahlt. Das Instrument - auch bekannt als Hartz IV - wurde im Jahr 2005 geschaffen, als die ehemalige Arbeitslosen- und Sozialhilfe zusammengelegt wurden. Der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung beträgt derzeit 3,0 Prozent des Bruttolohns. Arbeitgeber zahlen diesen Satz auch für jeden Beschäftigten.
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