Fachkräftemangel: Regierung will mehr Ingenieure und Ärzte ins Land holen

Deutschland fehlen Ärzte und Ingenieure, die Zuwanderung von Fachkräften wird aber von der Bürokratie behindert. Die schwarz-gelbe Regierung verspricht nun, dies zu ändern - und will auch ausländische Abschlüsse häufiger anerkennen.

Passau - Der Name zeigt bereits, wo das Problem liegt: Als Vorrangprüfung wird eine bürokratische Hürde bezeichnet, an der die Einstellung von mehr ausländischen Fachkräften scheitert. Will ein Unternehmen einen Experten aus dem Ausland einstellen, müssen die Arbeitsagenturen in jedem Einzelfall prüfen, ob für den Job nicht ein deutscher Arbeitnehmer zur Verfügung stehe. Die schwarz-gelbe Koalition will das nun ändern - zumindest für Mediziner und Ingenieure.

Bildungsministerin Annette Schavan kündigte in der "Passauer Neuen Presse" an, die Hürden für Zuwanderer zu senken. Noch in dieser Woche wolle die Koalition in einem Konzept gegen Fachkräftemangel neue Regelungen beschließen, sagte die CDU-Ministerin der Zeitung. Die Abschaffung der Vorrangprüfung für Ingenieure und Ärzte sei ein wichtiger Schritt, da es sich um Berufsfelder mit "schon heute gravierendem Bewerbermangel" handle.

Die Regierungskoalition wolle vor allem bürokratische Hürden abbauen, sagte Schavan. "Es muss in Zukunft nicht mehr nachgewiesen werden, dass für offene Stellen kein Bewerber aus Deutschland oder der Europäischen Union gefunden werden konnte", sagte sie der "Passauer Neuen Presse". Zudem will die Koalition demnach Zuwanderer, die in Deutschland leben, stärker an den Arbeitsmarkt heranführen. "Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse werden wir gesetzlich erleichtern und damit etwa 300.000 Menschen erreichen", sagte die Bildungsministerin.

Von der Leyen will Mindesteinkommen von Zuwanderern senken

Die Abschaffung der Vorrangprüfung ist Teil des Fachkräftekonzepts, welches das Kabinett am Mittwoch beschließen soll. Noch keine Einigung gibt es demnach in der Regierung auf eine weitere, seit langem diskutierte Lockerung der Zuwanderungsregeln. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und die FDP wollen auch das Mindesteinkommen senken, das Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Staaten erzielen müssen, um von Beginn an für sich und ihre Familien ein Daueraufenthaltsrecht zu bekommen. Sie müssen derzeit mindestens 66.000 Euro im Jahr verdienen. Im vergangenen Jahr kamen weniger als 700 Hochqualifizierte auf diesem Weg.

Die Gehaltsschwelle dürfe nicht so hoch bleiben, forderte von der Leyen: "Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden werden." In Koalitionskreisen wurde erwartet, dass dies ein Thema der Koalitionsklausur vor der Sommerpause sein wird. Im Gespräch ist ein Jahreseinkommen von etwa 40.000 Euro - das wäre das Eineinhalbfache eines durchschnittlichen Bruttoverdienstes.

Ihr Kabinettskollege, Gesundheitsminister Daniel Bahr, fordert sogar eine komplette Abschaffung der Vorrangprüfung. "Wir müssen überkommene bürokratische Hemmnisse beseitigen", sagte der FDP-Minister der "Leipziger Volkszeitung". "Der Fachkräftemangel droht sonst zum Konjunkturrisiko zu werden." Im vergangenen Monat seien so viele Stellen für qualifizierte Mitarbeiter unbesetzt geblieben wie seit zehn Jahren nicht mehr.

cte/AFP/dpa/Reuters

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insgesamt 205 Beiträge
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1. Nachfrage
bearcat7273 21.06.2011
Ich kenne mich mit diesem Themengebiet wirklich nicht gut aus, aber wenn die Vorabprüfung negativ ausfällt (also kein Inländer für den Job zur Verfügung steht), dürfte der Anstellung eines Ausländers doch nichts mehr im Weg stehen. Oder sind die Hürden höher als im Artikel dargestellt?
2. Ursachenforschung
fusselsieb 21.06.2011
Fehlen Ärzte? Dann sollten die Zugangsvoraussetzungen an den Hochschulen gesenkt werden. Fehlen Ingenieure? Dann macht das Berufsbild attraktiver, insbesondere die Bezahlung hinkt weit hinter administrativen Managern hinterher. Fehlen Studenten oder zu viel Langzeitstudierende? Dann sollte man überlegen, ob die Schule nicht viel zu viele Dinge lehrt, an die sich keiner mehr mit Mitte 20 erinnern kann. Besser weniges richtig als vieles gar nicht lernen.
3. Mit
thominator, 21.06.2011
Zitat von sysopDeutschland fehlen Ärzte und Ingenieure, die Zuwanderung von Fachkräften wird aber von der Bürokratie behindert. Die schwarz-gelbe Regierung verspricht nun, dies zu ändern - und will auch ausländische Abschlüsse häufiger anerkennen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769525,00.html
einer Vorrangprüfung gäbe es in Deutschland keine ausländischen Ingenieure und Ärzte.Denn es gibt genug Arbeitslose in beiden Berufsgruppen. Aber jetzt wird der Markt geöffnet für den Billigingenieur für 2500 Euro Brutto aus Osteuropa,der nach drei Jahren wieder in die Heimat zurück geht und in Deutschland verbrannte Erde hinterlässt.Es geht um nichts anderes als Lohndumping.
4. Komische Vorstellung
Michael Giertz, 21.06.2011
Zitat von sysopDeutschland fehlen Ärzte und Ingenieure, die Zuwanderung von Fachkräften wird aber von der Bürokratie behindert. Die schwarz-gelbe Regierung verspricht nun, dies zu ändern - und will auch ausländische Abschlüsse häufiger anerkennen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,769525,00.html
Was haben wir nur für Kopfstände gemacht: Bologna, Exellenzinitative, PISA ... Rankings und Reförmchen, und am Ende reicht es trotzdem nicht für Ärzte und Ingenieure? Hmmm ... ein Schelm, der Böses dabei denkt. KÖNNTE es sein, nur so als Denkanstoß, dass: - mit PISA zwar jeder weiß, wo Deutschlands Schüler stehen, aber das überhaupt keinen Einfluss hat auf die Studentenkarriere? - mit Bologna die Ingenieurswissenschaften am stärksten benachteiligt wurden? - Ingenieurswissenschaften generell recht häufig in schlecht bezahlten und geachteten Karrieren enden, so dass die fähigsten Köpfe das Land verlassen? - das gleiche effektiv auch für Ärzte gilt? Schlechte Bezahlung, hohes persönliches Risiko (siehe Privatpraxis), stark sinkendes Ansehen und katastrophale Arbeitsbelastung (60+-Stundenwoche). - aufgrund dieser Aussichten und den schweren Studieninhalten die Studenten lieber Jura und Betriebswirtschaft studieren? Ich frage ja nur. Man könnte ja auch den eigenen Nachwuchs fördern, z.B. generell Stipendien für Ingenieurswissenschaften und Ärzte ausgibt oder auf Studiengebühren verzichtet. Das Entschlacken des Studieninhalts bzw doch wieder Verlängerung des Studiums um 2 bis 4 Semester könnte auch den hohen Druck von den Studentenschultern nehmen: Ingenieurswissenschaften SIND geistig hochanspruchsvoll. Im Gegensatz zu BWL und Jura: die beiden Crashkurse in meiner Technikerausbildung haben mir so viel vermittelt, dass ich eine eigene Firma aufmachen kann - und beides zusammen gibt nichtmal ein Semester. Was zum Teufel treiben die BWLer und Jurastudenten wohl die ganze Zeit? Komasaufen?
5. Fachkräftemangel
liliane66 21.06.2011
Ihr müsst nicht Fachkräfte ins Land reinholen. Ihr müsst schauen, dass die eigenen Fachkräfte nicht abwandern! Bei uns in der Schweiz massenhaft deutsche Fachkräfte von den genannten Branchen! Wenn ich ins Zürcher Unispital gehe, reden 90% der Ärzte Deutsch! Sie verdrängen die Schweizer Ärzte weil Sie williger und günstiger sind! Merkt ihr nicht das die EU ein Schachzug des Grosskapital ist und war! Die Ware "Arbeitskraftmensch" wird billig verhökert und überall setzen sich Arbeitnehmer gegenseitig unter Lohndruck! Und gehen so natürlich den Einheimischen gewaltig auf den Sack! Unsere dämliche, verlogene Schweizer Regierung jammert auch, sie müsste die Spitäler schliessen ohne die ausländischen Fachkräfte! Die blanke Wahrheit ist, ich kenne einige ca. 50 jähriger erfahrene, gut ausgebildete Schweizer Krankenschwestern, die keinen Job mehr bekommen, da sie nicht für das Gehalt einer 30jährigen Deutschen arbeiten wollen! Es ist die Wahrheit, und das seit in den 2000 Jahren propagiert wurde, man müsse Spitäler wie Unternehmen führen und den Profit maximieren um jeden Preis!
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Fachkräftemangel
Fehlende Ingenieure
Im Februar 2011 konnten 117.000 Jobs für Spezialisten der Fachgebiete Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer) nicht besetzt werden. Dabei vergrößerte sich die Lücke im Vergleich zum Vormonat um 21.000 Stellen. Das meldet das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft. Viele Experten fürchten, dass der Mangel an Technikern zum Bremsklotz für den deutschen Aufschwung werden könnte.
Arbeitslose Ingenieure
Den vielen freien Stellen stehen trotzdem zahlreiche arbeitslose Ingenieure gegenüber: So berichtete der Verein Deutscher Ingenieure 2009 von 25.000 arbeitslosen Kollegen - bei damals 34.000 offenen Stellen. Einen Teil der Arbeitslosenzahl erklärt der VDI mit den üblichen starken Schwankungen: Wenn ein Ingenieur nur ein paar Monate arbeitslos ist, taucht er bereits in dieser Zahl auf. Ein gewisser Teil der arbeitslosen Techniker sei außerdem schwer vermittelbar.

Trotzdem gibt es Zweifel: Das Forschungsinstitut der Bundesanstalt für Arbeit erkennt zwar "Engpässe in einigen Ingenieurberufen", aber keinen "flächendekcenden Mangel". Fast alle Experten sind sich dagegen einig, dass die Unternehmen das Arbeitskräfteangebot noch besser nutzen könnten, indem sie etwa mehr ältere Ingenieure einstellen. Hier lässt sich teils bereits ein Sinneswandel beobachten.
Mangel - diesmal aber wirklich
Bisher sprach unter anderem gegen einen tatsächlichen Mangel an Ingenieuren, dass die Gehälter in den vergangenen Jahren nicht überdurchschnittlich gestiegen sind. Das würden sie aber, wären die Techniker wirklich so begehrt, wie oft behauptet wird. Derweil gibt es aber tatsächlich Anzeichen einer Trendwende. Alle betroffenen Verbände rechnen mit deutlichen Gehaltszuwächsen für die Techniker.
Hausgemachter Mangel
Die Ingenieursausbildung in Deutschland gilt nicht gerade als Einladung, einen technischen Beruf zu ergreifen. 2008 beendeten beispielsweise nur 52 Prozent aller Maschinenbaustudenten in Deutschland ihr Studium erfolgreich; 34 Proeznt brachen das Studium komplett ab, der Rest wechselte das Fach. Schuld daran ist ein praxisfremdes Grundstudium und Prüfungen, bei denen Durchfallerquoten von 80 Prozent und mehr als Qualitätsausweis angesehen werden.