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Mutter mit Kind (am Bodensee): Die direkten Vorgesetzten entscheiden über die Karriere Zur Großansicht
DDP

Mutter mit Kind (am Bodensee): Die direkten Vorgesetzten entscheiden über die Karriere

"Das Gehalt war geringer als das eines Lehrlings"

Sina B, Verlagsangestellte:

"Ich arbeite bereits seit mehreren Jahren festangestellt in der Marketingabteilung eines großen Verlags. Als ich schwanger wurde, schloss ich mit meinem Chef und dem Geschäftsführer einen Vertrag, der meine Rückkehr nach sechs Monaten auf eine Teilzeitstelle regelte. Das böse Erwachen kam wenige Wochen vor Beginn meines Wiedereinstiegs: Die Geschäftsführung sei ausgetauscht und mein Chef entlassen worden, teilte man mir mit. Der Vertrag sei somit nichtig, da keine Vertragspartner mehr zur Verfügung stünden.

Mein Einwand, dass der Verlag doch mein Vertragspartner sei und nicht der jeweilige Geschäftsführer, ließ die Personalabteilung kalt. Ich könne ja klagen, hieß es. Oder drei Jahre in Elternzeit bleiben und dann Vollzeit wieder einsteigen. Ich verzichtete zunächst auf die Klage, weil ich die Option auf die Anstellung nach der Elternzeit nicht verlieren wollte, und suchte mir für den Übergang einen neuen Job auf Teilzeitbasis. Ich fand eine Stelle in einem anderen Großverlag, doch der Vertrag lief jeweils nur für kurze Zeit und wurde fünf Mal verlängert.

Danach war eine erneute Verlängerung oder gar Entfristung nicht mehr möglich. Man bot mir nur eine Vollzeitstelle an, doch eine 35-Stunden-Woche - nebst Überstunden - lässt sich nicht organisieren, da mein Mann in einer anderen Stadt mehr als eine Autostunde entfernt arbeitet und leider nicht immer zur Verfügung steht.

Auch mein ursprünglicher Arbeitgeber schloss eine Teilzeitanstellung kategorisch aus - und das, obwohl die Verlagsleiterin selbst als Mutter eines Kindes nur eine verkürzte Arbeitswoche hat. Nach langem Hin und Her einigten wir uns auf eine Abfindung.

Nach meinen ersten Erfahrungen bei der Job-Suche verstehe ich, warum sich Frauen so viel bieten lassen, wenn sie erstmal eine Teilzeitstelle ergattert haben: Die Vertragsbedingungen waren teilweise grotesk. So bot mir eine Agentur ein Gehalt an, das hochgerechnet auf eine Vollzeitstelle geringer war als der Tariflohn eines Auszubildenden. Ich bin weiterhin auf der Suche, mal sehen was sich ergibt."

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insgesamt 429 Beiträge
gsm900 01.07.2010
Einige Kollegen machen Elternteilzeit, eine arbeitet an einzelnen Tagen von zu Hause, und befördert wurde sie auch.
Zitat von sysopIn Umfragen geben sich Deutschlands Unternehmen familienfreundlich, preisen Betriebskitas und Teilzeitangebote an. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Erfahrungsberichte berufstätiger Frauen. Deren Fazit: Kindererziehung bedeutet oft das Ende der Karriere. Familienfreundlichkeit - nur vorgeschoben bei Unternehmen?
Einige Kollegen machen Elternteilzeit, eine arbeitet an einzelnen Tagen von zu Hause, und befördert wurde sie auch.
lemming51 01.07.2010
Es kann doch nicht ernsthaft erwartet werde, dass die Firmen, sofern renditeorientiert, sich mit den Bedürnissen ihrer weiblichen/männlichen Angestellten und deren Kinderversorgung abgibt. Ja, wo sind wir denn ??? Dem(r) [...]
Es kann doch nicht ernsthaft erwartet werde, dass die Firmen, sofern renditeorientiert, sich mit den Bedürnissen ihrer weiblichen/männlichen Angestellten und deren Kinderversorgung abgibt. Ja, wo sind wir denn ??? Dem(r) tüchtigen Mehrleister(in) eine Chance - am besten/selbstverständlich kinderlos !!!
geishapunk 01.07.2010
Nora G. schreibt es doch selbst so treffend: ---Zitat--- Ein Stück weit habe ich dafür Verständnis. Manche Aufgaben lassen sich nun mal schwer teilen und erfordern deshalb eine Vollzeitstelle. ---Zitatende---
Nora G. schreibt es doch selbst so treffend: ---Zitat--- Ein Stück weit habe ich dafür Verständnis. Manche Aufgaben lassen sich nun mal schwer teilen und erfordern deshalb eine Vollzeitstelle. ---Zitatende---
Julsoe 01.07.2010
Das sind ja schon sehr krasse Beispiele, soviel zu unserem "familienfreundlichen Deutschland". Da braucht man sich nicht wundern, dass so wenige Kinder geboren werden. Ich zumindest werde mir das sehr gut überlegen... [...]
Das sind ja schon sehr krasse Beispiele, soviel zu unserem "familienfreundlichen Deutschland". Da braucht man sich nicht wundern, dass so wenige Kinder geboren werden. Ich zumindest werde mir das sehr gut überlegen... Besonders schlimm finde ich, dass andere Frauen den jungen Müttern noch so übel "reingrätschen". Ich wünschen den anonymen Müttern jedenfalls alls Gute und hoffe, dass sie wieder eine Arbeit finden, die ihnen Spaß macht und wo es nettere Kollegen und Chefs gibt.
ralfW 01.07.2010
Ich finde es schon befremdlich, Karriere und Kinder auf eine Stufe zu stellen. Natürlich ist es absolut ärmlich für eine Gesellschaft, dass sie für die Kindererziehung keine Räume mehr schafft. Ich glaube als Vater von drei [...]
Ich finde es schon befremdlich, Karriere und Kinder auf eine Stufe zu stellen. Natürlich ist es absolut ärmlich für eine Gesellschaft, dass sie für die Kindererziehung keine Räume mehr schafft. Ich glaube als Vater von drei Kindern aber auch, dass der Wert, Kinder groß zu ziehen, deutlich höher einzuschätzen ist, als Karriere zu machen. Wenn man es durch "beruflich vorankommen" ersetzt, halte ich das für angemessen. Mir nähern sich die Frauen zu schnell an das "keinen Bock auf Kinder", was die Männerwelt ihnen aber auch lang genug vorgelebt hat.
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Elterngeld
Anfang 2007 führte die damalige schwarz-rote Bundesregierung das sogenannte Elterngeld ein. Es richtet sich besonders an berufstätige Eltern und garantiert diesen zwölf Monate lang 67 Prozent ihres letzten Nettogehaltes. Wenn auch der Vater mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt, verlängert sich diese Zeit sogar auf 14 Monate.
Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Väter, die seit der Einführung des Elterngeldes auch Elternzeit genommen haben, von rund 3,5 Prozent im Jahr 2007 auf 20,7 Prozent im 3. Quartal 2009 gestiegen. Allerdings hatten nur 16,7 Prozent der Väter, die Elterngeld bezogen, vor der Geburt ein Einkommen von 2700 Euro netto oder mehr - was darauf hindeutet, dass sich gerade Männer in höheren Positionen seltener eine Auszeit nehmen.
Im Gegensatz zum Elterngeld ist die Elternzeit bis zu drei Jahren möglich - beide Elternteile können dabei bis zu 30 Wochenstunden arbeiten.

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