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Familie und Beruf: Karrierekiller Kind

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In Umfragen geben sich Deutschlands Unternehmen familienfreundlich, preisen Betriebskitas und Teilzeitangebote an. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Erfahrungsberichte berufstätiger Frauen. Deren Fazit: Kindererziehung bedeutet oft das Ende der Karriere.

Mutter mit Kind (am Bodensee): Die direkten Vorgesetzten entscheiden über die Karriere Zur Großansicht
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Mutter mit Kind (am Bodensee): Die direkten Vorgesetzten entscheiden über die Karriere

Berlin - Es war ein Zufall, der Silke Herrmann* vor dem Karriere-Abstieg bewahrte. Vier Monate nach der Geburt ihres Sohnes hatte sich die 36-jährige Kulturwissenschaftlerin bei ihrer Vorgesetzten gemeldet, um über den Wiedereinstieg in den Beruf zu sprechen. Sie wollte klären, ob eine 60-Prozent-Stelle besser zu den Anforderungen passe oder eher 80 Prozent. Ob der Büro-Rhythmus ganze Arbeitstage erfordere oder lieber eine ganze Woche mit verkürzten Zeiten pro Tag.

Doch die Vorgesetzte wollte von alldem nichts wissen: "Ich war vollkommen baff: Sie sagte mir, dass sie für eine Teilzeitkraft keine Verwendung habe", erinnert sich Herrmann. Als regelrecht empörend habe sie jedoch die Empfehlung empfunden, sich als gute Mutter erst einmal um ihren Nachwuchs zu kümmern. "Und das von einer Frau, die selbst keine Kinder hat."

Schlussendlich ging die Geschichte noch passabel aus, denn Herrmann hat einen guten Draht zu ihrem Abteilungsleiter. Er erteilte eine klare Anweisung, und plötzlich war die Teilzeitstelle doch möglich. "Die Rückendeckung von oben hat geholfen", sagt Herrmann.

Doch das Glück eines einflussreichen Mentors haben die wenigsten Frauen. Allzu oft können sie die Position, die sie vor der Geburt ihres Kindes innehatten, nicht halten. Das belegen die Erfahrungsberichte berufstätiger Mütter, die SPIEGEL ONLINE aufgezeichnet hat (siehe unten).

"Wir sind längst nicht so weit, wie wir sollten"

Zwar gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf Rückkehr in den Betrieb - doch bisweilen bringt er nur wenig. "Immerhin verbessert das Gesetz die Verhandlungsposition, wenn es um eine Abfindung geht", ätzt eine Mutter. Wie ihre Leidensgenossinnen möchte sie nicht namentlich genannt werden.

Dabei sind den Unternehmen die Probleme der Frauen durchaus bewusst - zumindest theoretisch. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft messen fast 80 Prozent der befragten Manager dem Thema einen hohen Stellenwert bei.

Beispiel Daimler: Bei der Lastwagentochter des Konzerns initiierte Personalmanager Harald Klein bereits 2001 das Projekt "Beruf und Familie", um die Gleichberechtigung im Betrieb voranzutreiben. Hier wird die Elternzeit als Normalfall akzeptiert: Zwei Drittel der Beschäftigten, die eine Auszeit für ihre Kinder nehmen, sind mittlerweile Männer - 2002 waren es noch zu 99 Prozent Frauen.

Teilzeit für Führungskräfte? Ausgeschlossen!

Doch Daimler ist eine Ausnahme, in den meisten Firmen sieht es anders aus. "Das Thema ist in aller Munde - trotzdem sind wir längst nicht soweit, wie wir sollten", sagt Stefan Becker von der Initiative berufundfamilie, die von der Hertie-Stiftung ins Leben gerufen wurde.

Ein kostspieliger Fehler: Denn eine familienfreundliche Personalpolitik bietet entscheidende Vorteile im Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte. Betriebe, die sich in Sachen Kinderbetreuung und Teilzeit flexibel zeigen, erhalten mehr Bewerbungen, binden ihre Mitarbeiter stärker an sich und haben motivierteres Personal. Eine Studie im Auftrag des Bundesfamilienministeriums belegt dies eindrucksvoll.

Aber reicht das für eine familienfreundliche Personalpolitik? Nach Beckers Überzeugung dürfen es die Firmen nicht dabei belassen. Vielmehr müssten sie Frauen auch attraktive Karriereperspektiven bieten, um sie auf Dauer an das Unternehmen zu binden. Hier ist der Nachholbedarf besonders groß. Nur wenige Arbeitgeber bieten Teilzeitstellen für Führungskräfte an - und die meisten Manager finden das sogar richtig. Laut einer Umfrage des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung halten Personalvorstände Führungsaufgaben grundsätzlich für unvereinbar mit einer Teilzeittätigkeit.

Aber was heißt das für das Leben berufstätiger Mütter? Wie haben sie ihre Elternzeit und die Rückkehr in den Beruf erlebt? SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Erfahrungsberichte von zehn Frauen. Sie alle möchten anonym bleiben, um ihre Position im Unternehmen nicht noch weiter zu schwächen. Alle Namen sind deshalb Pseudonyme.

* Name geändert

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Forum - Deutsche Unternehmen - Familienfreundlichkeit nur vorgeschoben?
insgesamt 429 Beiträge
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1. Nein
gsm900, 01.07.2010
Zitat von sysopIn Umfragen geben sich Deutschlands Unternehmen familienfreundlich, preisen Betriebskitas und Teilzeitangebote an. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. SPIEGEL ONLINE dokumentiert die Erfahrungsberichte berufstätiger Frauen. Deren Fazit: Kindererziehung bedeutet oft das Ende der Karriere. Familienfreundlichkeit - nur vorgeschoben bei Unternehmen?
Einige Kollegen machen Elternteilzeit, eine arbeitet an einzelnen Tagen von zu Hause, und befördert wurde sie auch.
2. Feststellung
lemming51 01.07.2010
Es kann doch nicht ernsthaft erwartet werde, dass die Firmen, sofern renditeorientiert, sich mit den Bedürnissen ihrer weiblichen/männlichen Angestellten und deren Kinderversorgung abgibt. Ja, wo sind wir denn ??? Dem(r) tüchtigen Mehrleister(in) eine Chance - am besten/selbstverständlich kinderlos !!!
3.
geishapunk, 01.07.2010
Nora G. schreibt es doch selbst so treffend: ---Zitat--- Ein Stück weit habe ich dafür Verständnis. Manche Aufgaben lassen sich nun mal schwer teilen und erfordern deshalb eine Vollzeitstelle. ---Zitatende---
4. Ist das heftig!
Julsoe, 01.07.2010
Das sind ja schon sehr krasse Beispiele, soviel zu unserem "familienfreundlichen Deutschland". Da braucht man sich nicht wundern, dass so wenige Kinder geboren werden. Ich zumindest werde mir das sehr gut überlegen... Besonders schlimm finde ich, dass andere Frauen den jungen Müttern noch so übel "reingrätschen". Ich wünschen den anonymen Müttern jedenfalls alls Gute und hoffe, dass sie wieder eine Arbeit finden, die ihnen Spaß macht und wo es nettere Kollegen und Chefs gibt.
5. Die K-Frage
ralfW, 01.07.2010
Ich finde es schon befremdlich, Karriere und Kinder auf eine Stufe zu stellen. Natürlich ist es absolut ärmlich für eine Gesellschaft, dass sie für die Kindererziehung keine Räume mehr schafft. Ich glaube als Vater von drei Kindern aber auch, dass der Wert, Kinder groß zu ziehen, deutlich höher einzuschätzen ist, als Karriere zu machen. Wenn man es durch "beruflich vorankommen" ersetzt, halte ich das für angemessen. Mir nähern sich die Frauen zu schnell an das "keinen Bock auf Kinder", was die Männerwelt ihnen aber auch lang genug vorgelebt hat.
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Elterngeld
Anfang 2007 führte die damalige schwarz-rote Bundesregierung das sogenannte Elterngeld ein. Es richtet sich besonders an berufstätige Eltern und garantiert diesen zwölf Monate lang 67 Prozent ihres letzten Nettogehaltes. Wenn auch der Vater mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt, verlängert sich diese Zeit sogar auf 14 Monate.
Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Väter, die seit der Einführung des Elterngeldes auch Elternzeit genommen haben, von rund 3,5 Prozent im Jahr 2007 auf 20,7 Prozent im 3. Quartal 2009 gestiegen. Allerdings hatten nur 16,7 Prozent der Väter, die Elterngeld bezogen, vor der Geburt ein Einkommen von 2700 Euro netto oder mehr - was darauf hindeutet, dass sich gerade Männer in höheren Positionen seltener eine Auszeit nehmen.
Im Gegensatz zum Elterngeld ist die Elternzeit bis zu drei Jahren möglich - beide Elternteile können dabei bis zu 30 Wochenstunden arbeiten.
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