Wirtschaftsforum FDP bekommt offizielle Unternehmerlobby

Als wirtschaftsnah galt die FDP schon immer, nun bekennen sich Manager öffentlich zu ihr. Mit einem neu gegründeten Forum wollen unter anderem BASF-Chefaufseher Hambrecht und Arbeitgeberpräsident Kramer die Liberalen unterstützen.

FDP-Chef Lindner (2015): Öff
DPA

FDP-Chef Lindner (2015): Öff


Knapp zweieinhalb Jahre nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag machen sich Wirtschaftsvertreter offiziell für die Partei stark. 39 Manager und Wirtschaftsexperten gründeten ein FDP-Wirtschaftsforum. Ein entsprechender Bericht der "Bild"-Zeitung wurde am Dienstag aus Parteikreisen bestätigt.

Zu den Mitgliedern des Forums, das am Montag erstmals getagt hatte, zählen Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und BASF-Aufsichtsratschef Jürgen Hambrecht. Das Forum will die FDP-Spitze künftig beraten und unterstützen.

In dem Entwurf eines Thesenpapiers fordern die Manager und Wirtschaftsexperten laut "Bild", dass der Markt "wieder ordnungspolitischen Vorrang vor staatlicher Regulierung und Transferpolitik bekommen" soll. Ziel sei ein Staat, "der die Eigenverantwortung der Menschen stärkt und mit Bildung, Forschung, Infrastruktur und Sicherheit die Voraussetzungen schafft".

Konkret werden demnach unter anderem "einheitliche Steuersätze bei der Einkommens- und Mehrwertsteuer" vorgeschlagen, außerdem bundesweit geltende Bildungsstandards sowie mehr Investitionen in Infrastruktur und IT-Verwaltung.

Zuvor hatten sich verschiedene Manager bereits öffentlich zum Eintritt in die FDP bekannt, darunter waren neben Hambrecht auch der frühere Telekom- und Lufthansa-Vorstand Thomas Sattelberger und Ex-Metro-Chef Eckhard Cordes. Nach aktuellen Umfragedaten könnte der von Christian Lindner geführten Partei derzeit knapp der Wiedereinzug in den Bundestag gelingen.

Unionsnahe Unternehmer organisieren sich bereits seit mehr als 50 Jahren im sogenannten Wirtschaftsrat. Seit April vergangenen Jahres gibt es auch ein Wirtschaftforum der SPD.

dab/Reuters/AFP



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insgesamt 11 Beiträge
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muunoy 26.01.2016
1. Begrüßenswert
Na, immer noch kein FDP-Bashing hier? Komisch. Nun denn, ich finde es begrüßenswert, wenn die FDP nun mehr Unterstützung erhält. Auch ich werde der FDP wieder meine Stimme geben. So ein Parlament mit ausschließlich mehr oder minder sozialistischen und staatsgläubigen Parteien ist katastrophal. Wie wir in den letzten 2,5 Jahren gesehen haben, fehlt es an nüchterner und rationaler Problemlösungskompetenz ohne liberale Partei. Und die Überregulierung nimmt immer schlimmere Auswüchse an. Recht unbemerkt arbeitet eine Frau Nahles an der Abschaffung der Selbständigkeit. Und wenn man sieht, mit welchen Tricks und Erpressungsversuchen die Finanzverwaltung in NRW inzwischen ehrliche Steuerzahler diffamiert (in anderen Bundesländern arbeitet man da noch etwas partnerschaftlicher), kann einem nur noch Angst und Bange vor dem übermächtigen, alles bestimmenden Staat werden. Da wird es Zeit, dass auch kleine Unternehmer endlich auf die Barrikaden gehen.
rotertraktor 26.01.2016
2. La Paloma
Zitat von muunoyNa, immer noch kein FDP-Bashing hier? Komisch. Nun denn, ich finde es begrüßenswert, wenn die FDP nun mehr Unterstützung erhält. Auch ich werde der FDP wieder meine Stimme geben. So ein Parlament mit ausschließlich mehr oder minder sozialistischen und staatsgläubigen Parteien ist katastrophal. Wie wir in den letzten 2,5 Jahren gesehen haben, fehlt es an nüchterner und rationaler Problemlösungskompetenz ohne liberale Partei. Und die Überregulierung nimmt immer schlimmere Auswüchse an. Recht unbemerkt arbeitet eine Frau Nahles an der Abschaffung der Selbständigkeit. Und wenn man sieht, mit welchen Tricks und Erpressungsversuchen die Finanzverwaltung in NRW inzwischen ehrliche Steuerzahler diffamiert (in anderen Bundesländern arbeitet man da noch etwas partnerschaftlicher), kann einem nur noch Angst und Bange vor dem übermächtigen, alles bestimmenden Staat werden. Da wird es Zeit, dass auch kleine Unternehmer endlich auf die Barrikaden gehen.
Na gut, bevor Ihr Weltbild endgültig ins Wanken gerät, mache ich mal den Anfang: Dafür gab es bei uns den schönen Spruch: "Noch keine Haare am Sack, aber La Paloma singen." Oder um es politisch (und) korrekt auszudrücken: Keinen einzigen Abgeordneten im Bundestag, aber wohl eine Unternehmerlobby. Naja, wer es nötig hat, seine eigene Käuflichkeit schon vor Arbeitsantritt unter Beweis zu stellen...
puby 26.01.2016
3. Fdp?
Das Thema ist durch. Bei den nächsten Wahlen scheitert sie an der AfD und in 5 Jahren erinnert sich niemand, dass es die mal gab. Zum Glück. Der Neoliberlismus hat uns den ganzen Mist doch erst eingebrockt. Sicher, wäre der Sozialstaat nicht verschlankt worden, wäre Deutschland sicher weniger reich, zumindest einige, aber dafür wenigstens sozialer.
braman 26.01.2016
4. Wie so oft
wird Wirtschaft und wirtschaftsnah als Unternehmensservil und -devot verstanden. Dieser Teil der Wirtschaft umfasst aber nur ca. 3% der Bevölkerung. Was ist mit den anderen 97%? Das ist der Teil, der ALLES erarbeitet und auch das meiste konsumiert, ohne diese 97% sind die anderen 3% nicht einmal überlebensfähig! Eine Partei (und es ist nur eine einzige), die sich um die Mehrzahl, nämlich die 97% kümmert, deswegen als sozialistisch zu bezeichnen ist zwar richtig und wahr, allerdings sollte der abwertende Unterton zwischen den Zeilen unterlassen werden. MfG: M.B.
mulli3105 27.01.2016
5. Mehr als begrüßenswert
wenn endlich neben den Jammernden und Kassandraanhängern so etwas wie Aufbruchstimmung aufkommt. Klagen auf höchstem Niveau, darin sind wir ja sowieso Weltmeister. Was bisher von der großen Vorsitzenden und den ständigen Bashern aus der linken Ecke zu all diesem Irrsinn wie etwa GR-Rettung kam, ist inzwischen entlarvt als größter anzunehmender Fehler. Nun, mit so 150Mrd können wir uns im schlimmsten Fall rauskaufen aus der Verantwortung. Diese Regierungskoalition hat sich überholt, es gibt keine Visionen und deshalb auch keine Lösungen. Nur Brandbriefe, hohles Geschwätz, Absichtserklärungen, die gleich nach Bekanntgabe widerrufen werden, Untätigkeit, Entschluß- und Entscheidungslosigkeit. Und das in der größten Exportwirtschaft Europas, eines Weltmarktführers in vielen Sparten. Wir strangulieren uns selbst durch die andauernde Rücksichtnahme auf jede Befindlichkeit, sehen hinter jedem Stein den Drachen. Ich hoffe wirklich, dass in Bälde Realpolitiker die Geschicke des Landes leiten und die Kassandras und Bedenkenträger in Rente gehen.
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