Finanzhilfen für die Ukraine Russland bietet IWF und EU Zusammenarbeit an

"Russland ist bereit, sich zu beteiligen": Nach einem Treffen mit US-Amtskollegen Jack Lew bekundet der russische Finanzminister Hilfsbereitschaft für die klamme Ukraine - nur wenige Stunden nachdem Staatschef Putin dem Land mit einem Gasliefer-Stopp gedroht hatte.

Russischer Finanzminister Siluanow: "Bereit zur Zusammenarbeit"
REUTERS

Russischer Finanzminister Siluanow: "Bereit zur Zusammenarbeit"


Washington - Die Ukraine steht vor dem Finanzkollaps - nicht zuletzt wegen hoher Schulden beim Gaslieferanten Russland. Nun hat der russische Finanzminister Anton Siluanow öffentlich die Bereitschaft des Landes beteuert, mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Union über ein Hilfspaket für die Ukraine zu reden.

"Russland ist bereit, sich an der Unterstützung der Ukraine gemeinsam mit dem IWF und der EU zu beteiligen", sagte Siluanow nach einem Treffen mit seinem US-Amtskollegen Jack Lew in Washington. Die beiden Finanzminister hatten im Vorfeld des Frühlingstreffens von Weltbank und IWF miteinander gesprochen.

In dem Gespräch habe er der Besorgnis über den wachsenden Schuldenberg der Ukraine wegen unbezahlter russischer Gasrechnungen Ausdruck gegeben, sagte Siluanow, "insbesondere vor dem Hintergrund der Vorbereitungen für den Winter 2014/2015".

Erst am Donnerstag war ein Brief von Russlands Präsident Wladimir Putin an 18 Staats- und Regierungschefs in West- und Osteuropa bekannt geworden. Darin drohte Putin mit einem Stopp aller Gaslieferungen an die Ukraine, falls das Land seine ausstehenden Rechnungen nicht bezahle. Russland werde dann nur noch gegen Vorkasse liefern. Dabei bestehe die Gefahr, dass die Ukraine russisches Gas abzapfe, das eigentlich für Europa vorgesehen sei.

IWF will Ende April oder Anfang Mai über Hilfen entscheiden

Inzwischen hat die klamme Ukraine 2,2 Milliarden Dollar Schulden beim russischen Konzern Gazprom angehäuft. Russland hatte den Preis für Gas nach dem Machtwechsel in Kiew und dem Konflikt um die Halbinsel Krim drastisch erhöht. Wegen der angespannten aktuellen Lage in der Ostukraine hat US-Präsident Barack Obama nach einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Russland mit weiteren Sanktionen gedroht.

Am Donnerstagabend trafen sich in Washington zudem die Finanzminister und Notenbankchefs der G7, also der führenden westlichen Industrieländer, und berieten über die Ukraine-Krise. Dabei standen das mögliche Hilfspaket sowie Maßnahmen zur Stabilisierung des Landes auf der Tagesordnung. Im Gespräch ist bisher ein IWF-Hilfsprogramm zwischen 14 und 18 Milliarden Dollar. Dieses soll noch konkretisiert werden.

Die Finanzspritzen werden an harte Auflagen sowie zahlreiche vorrangige Reformschritte gebunden sein, die Kiew im Gegenzug umsetzen muss. Laut IWF-Chefin Christine Lagarde entscheidet der Exekutivrat Ende April oder Anfang Mai über das Hilfspaket. Weltbankchef Jim Yong Kim bekräftigte, seine Organisation wolle rund 3,5 Milliarden Dollar bereitstellen.

EU ruft Russland zur Einhaltung seiner Verträge auf

Die EU-Kommission rief Russland zugleich zur Erfüllung seiner vertraglichen Verpflichtungen auf. "Wir erwarten, dass alle Seiten ihre Zusagen einhalten", sagte eine Sprecherin von EU-Energiekommissar Günther Oettinger am Freitag in Brüssel. Das gelte für Russland als Gaslieferant und die Ukraine als Transitstaat.

Bislang gibt es nach Angaben der EU-Kommission durch den Konflikt keine Auswirkungen auf die Gaslieferungen. Die Versorgung sei "im Moment normal und stabil", sagte die Oettinger-Sprecherin. Die Vorräte in der EU seien angesichts etwa halbgefüllter Gasspeicher auf einem "komfortablen Level". Die EU verfügt demnach über 37 Milliarden Kubikmeter gespeichertes Gas. Die Sprecherin machte keine Angaben dazu, wie lange dieser Vorrat reicht, sollte Russland den Gashahn zudrehen.

fdi/Reuters/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
kategorien 11.04.2014
1. Dass
Gut, dass es Autoren gibt, welche dem Westen imperialistisches Gebaren vorwerfen. Sehr gelacht.
dr.abs-law 11.04.2014
2. Unglaubwürdig
Wie kann die internationale Gemeinschaft noch auf Aussagen eines untergeordneten russischen Politikers der eine reine Marionette Putins ist Vertrauen. Das sind Ablenkungsmanöver nach dem Muster Hitlerfeutschlands kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs durch die Annexion Polens. Es ist im Übrigen erschreckend, wie deutsche Wirtschaftsbosse mit diesem menschenverachtenden Regime noch kontraktieren.
glad07 11.04.2014
3. Erklärung
Zitat von dr.abs-lawWie kann die internationale Gemeinschaft noch auf Aussagen eines untergeordneten russischen Politikers der eine reine Marionette Putins ist Vertrauen. Das sind Ablenkungsmanöver nach dem Muster Hitlerfeutschlands kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs durch die Annexion Polens. Es ist im Übrigen erschreckend, wie deutsche Wirtschaftsbosse mit diesem menschenverachtenden Regime noch kontraktieren.
Würden Sie bitte uns erklären wie Sie drauf kommen dass die Russische "Regime" menschenverachtend ist und die ukrainische, durch keine Wahlen legitimierte und durch Umsturz und Unterstützung des Westens an Macht gekommene Regierung sowie die Präsidentinanwärterin Timoschenko, die Frau die 10 Mio. Russen in der Ukraine am besten mit Atombomben erschiessen würde nicht menschenverachtend ist? Über die USA die Angriffskriege anzetteln mitunter durch reine Lüge (C-Waffen beim Saddam) sowie Länder destabiliseren will ich gar nicht anfangen. Russland hat volles Recht auf das Bezahlen der Rechnungen!
programmänderung 11.04.2014
4. Eskalation
Dieses Angebot trägt stark zur Eskalation bei. Die Nato sollte unverzüglich ihre Truppen im Osten verstärken und neue Wirtschaftssanktionen müssen erlassen werden!!!
hobbyleser 11.04.2014
5. Bei den Freunden...
..braucht man keine Freunde mehr. Anstelle der Ukraine würde ich bei Hilfsangeboten von IWF, EU und Russland aber schleunigst die Beine in die Hand nehmen.
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