Von Stefan Schultz
Hamburg - In der Griechenland-Krise Klarheit zu schaffen ist ungefähr so einfach, wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Besonders verwirrend sind Athens Angaben über die eigene Finanzlage: Noch vor kurzem hieß es, das Land brauche kommenden Montag dringend neues Geld aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF; ansonsten drohe die Staatspleite. Doch bis auf weiteres haben die Retter diese Zahlung gestoppt, weil Premier Georgios Papandreou das Volk über die eigene Sparpolitik abstimmen lassen wollte. Ehe frisches Geld fließt, wollten die Euro-Retter Sicherheit, dass das Land seine Versprechen einhält. Dazu hieß es dann plötzlich aus Athen: Macht nichts - man habe eh noch bis mindestens Mitte Dezember genügend Geld.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Hellenen auf wundersame Weise ihren Geldbedarf an die Gegebenheiten anpassen. Im Oktober machten sie's schon einmal: Seinerzeit verzögerte die sogenannte Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die Auszahlung neuer Hilfen, weil die Griechen aus ihrer Sicht nicht hart genug sparten. Athen hatte beteuert, man habe nur noch bis Mitte Oktober Geld. Dann plötzlich sagte Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos: "Bis Mitte November - das ist klar - gibt es kein Problem."
Alles soweit klar?
"In Athen scheint eine geheime Geldmaschine zu stehen, die die Euro-Prüfer noch nicht gefunden haben", spöttelte ZDF-Korrespondent Udo van Kampen am Mittwoch im "Heute Journal".
Rettungsgelder seit September verzögert
Klar ist inzwischen nur noch eins: "Wenn die griechische Regierung erklärt, bald zahlungsunfähig zu sein, dann ist das zunächst nur eine politische Drohung, die darauf abzielt, die Retter der Troika unter Druck zu setzen", sagt der Analyst Christoph Weil von der Commerzbank. Sein Team hatte bereits im Oktober ausgerechnet, dass das Geld der Griechen bis Mitte Dezember reichen dürfte, wenn der Staat außer Löhnen und Renten keine Rechnungen mehr bezahlt.
Finanziell hat sich seitdem wenig geändert. Das Geld, das am Montag nun doch nicht ausgezahlt wird, ist dasselbe, das schon im Oktober zurückgehalten wurde. Konkret handelt es sich um einen Teil aus dem ersten Rettungspaket für Griechenland. Noch konkreter: um die sechste Tranche im Wert von acht Milliarden Euro. Statt wie geplant im September soll diese nun erst im Dezember überwiesen werden.
Nur, warum kommt das Land eigentlich auch ohne diese Tranche klar? Aus zwei Gründen: Erstens braucht Griechenland bis Jahresende nicht sonderlich viel frisches Geld. Zweitens hat es mehrere Möglichkeiten, die Schulden zu strecken.
Wie Griechenland Zahlungen aufschiebt
Der Finanzbedarf der griechischen Regierung lässt sich ganz gut beziffern. Pleite wäre der Staat ja nur, wenn er seine Schulden nicht mehr bedienen kann. Doch bis Ende des Jahres laufen nur Anleihen im Wert von rund 10,5 Milliarden Euro aus.
| Wann laufen Griechenlands Staatsanleihen aus? | |
| Datum | Volumen der Anleihe |
| 11. November 2011 | 2 Milliarden Euro |
| 18. November 2011 | 1,6 Milliarden Euro |
| 16. Dezember 2011 | 2 Milliarden Euro |
| 19. Dezember 2011 | 1,2 Milliarden Euro |
| 22. Dezember 2011 | 1 Milliarde Euro |
| 23. Dezember 2011 | 2 Milliarden Euro |
| 30. Dezember 2011 | 700 Millionen Euro |
| Gesamt | 10,5 Milliarden Euro |
| Quelle: Bloomberg; Zahlen gerundet | |
Gleichzeitig gibt es Möglichkeiten, die Schulden bis Jahresende zu strecken:
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