Finanzkrise EU-Kommissar warnt vor neuen Banken-Turbulenzen

Die Bankenkrise schwelt weiter: Mit deutlichen Worten warnt jetzt Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia vor neuen Risiken. Vor allem in Griechenland und Spanien könnten einige Institute in Schwierigkeiten geraten.

Wettbewerbskommissar Almunia: "Es kann sein, dass wir noch einmal Arbeit bekommen"
REUTERS

Wettbewerbskommissar Almunia: "Es kann sein, dass wir noch einmal Arbeit bekommen"


Berlin - Europas Finanzbranche kämpft weiter mit den Folgen der Bankenkrise. Möglicherweise müssen die Regierungen bald wieder eingreifen, um Geldkonzerne vor dem Crash zu retten. Damit jedenfalls rechnet Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" weist der Spanier mit deutlichen Worten auf die noch immer kritische Situation bei einigen europäischen Banken hin. Die erforderlichen Rettungsaktionen müssten dann von der EU-Wettbewerbsbehörde geprüft werden: "Es kann sein, dass wir noch einmal Arbeit bekommen."

Einige Institute in der EU, die bislang keine Staatshilfe in Anspruch genommen hätten, benötigten diese knapp zwei Jahre nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers nun offenbar doch noch, sagt Almunia. Der Kreis der Betroffenen sei aber überschaubar. Es handle sich voraussichtlich um einige spanische Sparkassen sowie griechische Banken. Namen nannte Almunia nicht.

Keine Rettungsaktion für Spanien

Für Griechenland sei nicht auszuschließen, dass auch ein weiterer staatlicher Rettungsschirm für die Banken notwendig werde, sagte Almunia. Die mit dem Hilfspaket der Euro-Staaten beschlossenen Kredite für Athen seien zum Teil für die Bankenrettung vorgesehen: "Ich vermute, dass Griechenland einen neuen staatlichen Rettungsplan in Brüssel anmelden wird", sagte Almunia.

Almunia wies zugleich Spekulationen zurück, wonach wegen der aktuellen Refinanzierungschwierigkeiten einiger spanischer Banken eine europäische Rettungsaktion für sein Heimatland Spanien notwendig werden könnte. Neue staatliche Hilfe benötigten allenfalls kleine Institute, für die der bestehende nationale spanische Rettungsschirm für den Finanzsektor ausreichen werde.

Obwohl sich die Lage auf dem Bankenmarkt zu normalisieren beginne, benötigten die meisten Staaten ihre Bankenrettungsschirme noch länger. Die Kommission werde in diesem Zusammenhang auch die Ende Juni auslaufende Genehmigung der vom deutschen Bankenrettungsfonds Soffin gewährten Garantien für Banken verlängern.

Allerdings müssten alle Institute, die danach noch Garantien in Anspruch nähmen, höhere Gebühren als bisher dafür zahlen. Die Gebührenerhöhung falle umso stärker aus, je schlechter das Rating für die betreffende Bank sei. Wie hoch die daraus resultierenden Zusatzbelastungen etwa für die Commerzbank wären, sagte Almunia nicht.

Stresstest soll Stabilität bringen

Im Kampf gegen die Finanzkrise haben die EU-Staaten am Donnerstag ein neues Maßnahmenpaket auf den Weg gebracht. Die Mitgliedsländer werden aufgefordert, Steuer- oder Abgabensysteme für ihre Finanzinstitute einzuführen. Ferner will sich die EU dafür einsetzen, dass solche Systeme auch international zur Anwendung kommen.

Außerdem sollen die großen europäischen Banken einem Stresstest auf Krisenanfälligkeit unterzogen werden. Die Ergebnisse sollen im Juli veröffentlicht werden, um mehr Transparenz zu garantieren und um das Vertrauen der Märkte zu stärken.

Die spanische Regierung hat nach immer neuen Gerüchten am Donnerstag ihrerseits betont, dass sie alleine mit den Problemen im Bankensektor fertigwerden könne. Wirtschafts- und Finanzministerin Elena Salgado sagte am Donnerstag im spanischen Fernsehen, mit der Veröffentlichung des sogenannten Stresstests der Banken werden "die Märkte begreifen, dass unser Finanzsektor Institut für Institut solide ist".

mik/Reuters/ddp/dpa



insgesamt 55 Beiträge
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christiane006, 18.06.2010
1. supi
Zitat von sysopDie Bankenkrise ist schwelt weiter: Mit deutlichen Worten warnt jetzt Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia vor neuen Risiken. Vor allem in Griechenland und Spanien könnten einige Institute in Schwierigkeiten geraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701451,00.html
da freuen wir uns doch. Wieviel dürfen wir jetzt überweisen?
Wolfghar 18.06.2010
2. Macht doch nix
Wir retten die schon! Dann wird eben Hartz4 gekürzt und mal ein paar Feiertage gestrichen. Liebe Banken habt keine Angst wir lassen Euch nicht fallen. Ihr seid nicht nur Systemrelevant-ihr seid das System. Wir Bürger leben nur für Euch.
Stefanie Bach, 18.06.2010
3. Spekulation und Wirtschaft
Zitat von christiane006da freuen wir uns doch. Wieviel dürfen wir jetzt überweisen?
Statt die Realwirtschaft zu stützen, wird Steuergeld für Banken ausgegeben, die es dann im globalen Casino verzocken. Fette Boni freuen den Banker. Realwirtschaftliche- und Spekulationsgeschäfte der Banken müssen voneinander getrennt werden. Der Staat kann nicht für Spielcasinos einstehen. Stattdessen brauchen wir ein Soziales Konjunkturprogramm statt Not und Realitätsverlust (http://www.plantor.de/2009/soziales-konjunkturprogramm-statt-not-und-realitatsverlust/).
Juan Pérez, 18.06.2010
4. wickelt die Zocker endlich ab
Jetzt wickelt die Zocker endlich ab! Ging vor Jahren ja auch in Argentinien!
BardinoNino 18.06.2010
5. Ach ja?
Zitat von sysopDie Bankenkrise ist schwelt weiter: Mit deutlichen Worten warnt jetzt Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia vor neuen Risiken. Vor allem in Griechenland und Spanien könnten einige Institute in Schwierigkeiten geraten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,701451,00.html
Was bei den "Leistungen" der von dort nach Südafrika geschickten "Fußballer" ja auch irgendwie den Kreis wieder schließt...
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