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Finanzkrise: Euro fällt unter die Marke von 1,30 Dollar

Europas Politiker bemühen sich um eine Lösung der Schuldenkrise - doch den Akteuren an den Finanzmärkten reicht das nicht. Italien muss für frische Kredite erneut hohe Zinsen zahlen, der Kurs des Euro sinkt erstmals seit fast einem Jahr unter die Marke von 1,30 Dollar.

Euro-Münzen: Gemeinschaftswährung unter Druck Zur Großansicht
REUTERS

Euro-Münzen: Gemeinschaftswährung unter Druck

Frankfurt am Main - Der Euro gibt nach, Italien muss für frisches Geld extrem hohe Zinsen zahlen, und die Rezessionsängste in Europa nehmen zu. Trotz der Beschlüsse auf dem jüngsten EU-Gipfel zeichnet sich in der Schuldenkrise keine Entspannung ab. Das schlägt nun auch auf den Euro-Kurs durch. Die Gemeinschaftswährung sank am Mittwoch erstmals sei Mitte Januar unter die Marke von 1,30 Dollar. Am späten Nachmittag wurde der Euro Chart zeigen bei 1,2988 Dollar gehandelt.

Auch Italien bekam erneut das Misstrauen der Investoren zu spüren. Erstmals seit dem Gipfel besorgte sich das Land wieder Geld am Kapitalmarkt. Die Regierung in Rom musste bei einer Auktion fünfjähriger Staatsanleihen einen Zins von 6,47 Prozent zahlen. Das ist der höchste Zinssatz für Papiere mit dieser Laufzeit seit Beginn der Währungsunion. Mitte November hatte Italien für fünfjährige Anleihen noch 6,29 Prozent zahlen müssen. Immerhin hatte das Land bei der aktuellen Auktion keine Probleme, genügend Kreditgeber zu finden, und konnte mit drei Milliarden Euro so viel Geld einsammeln wie geplant.

Des einen Leid ist des anderen Freud: So profitiert Deutschland von der Verunsicherung der Investoren - schließlich gelten Bundesanleihen immer noch als sicherer Hafen. Das zeigte sich erneut an diesem Mittwoch: Bei der letzten Auktion in diesem Jahr sammelte die Finanzagentur der Bundesrepublik knapp 4,2 Milliarden Euro bei Anlegern ein - zu einem Zins von nur 0,29 Prozent. Die Nachfrage nach den zweijährigen Anleihen, sogenannten Bundesschatzanweisungen, war so groß, dass der Bund sogar rund sechs Milliarden Euro hätte einnehmen können.

Die Bundesrepublik zahlt so niedrige Zinsen, weil Deutschland nach den USA der weltweit zweitgrößte Markt für Staatsanleihen ist und vergleichsweise solide Finanzen aufweist. Deshalb dürften die Zinsen selbst dann günstig bleiben, falls Deutschland, wie von Rating-Agenturen angedroht, sein Top-Rating verliert.

Standard & Poor's droht erneut

Andere Euro-Länder - besonders Italien, Spanien und Portugal - leiden bereits jetzt unter hohen Zinsen. Auch die Ankündigung der EU-Staaten, sich zu mehr Haushaltsdisziplin zu verpflichten, besänftigt Investoren nicht. Hinzu kam eine erneute Warnung der Rating-Agentur Standard & Poor's vor der Herabstufung von Staaten und Banken in Europa. Auf der Liste für eine mögliche Abwertung stünden inzwischen 25 Länder und 42 Banken aus Europa, teilte die US-Rating-Agentur mit.

Was Investoren zusätzlich verärgern dürfte: Auch über die jüngsten Gipfelbeschlüsse gibt es schon wieder Streit. So drohte Bundesbank-Chef Jens Weidmann damit, die vereinbarten Kredite der Notenbanken an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu blockieren. "Wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, dann können wir dieser Kreditlinie auch nicht zustimmen", sagte Weidmann. Außerdem lehnt er großangelegte Anleihenkäufe zur Stabilisierung der Euro-Zone weiter ab. Investoren und auch Rating-Agenturen fordern dagegen ein solches Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB).

In dieser Gemengelage schwindet bei Investoren die Hoffnung auf einen schnellen Lösungsansatz. "Die Krisensituation in Europa legt sich wie ein dunkler Mantel über die ganze Welt", sagte ein Analyst.

Hinzu kommt, dass Europa neben der Schuldenkrise bald auch ein Konjunkturproblem bekommen dürfte. So trüben sich die Aussichten für die gesamte Euro-Zone erheblich ein, kaum ein Ökonom erwartet mehr als eine Stagnation im kommenden Jahr. In einzelnen Ländern, allen voran in Griechenland, dürfte die Wirtschaft sogar abermals stark schrumpfen. Schwergewichte wie Frankreich, Italien und Spanien dürften allenfalls sehr schwach wachsen.

Die Entwicklung in Deutschland gilt zwar immer noch als vergleichsweise robust. Doch auch hier senken Forscher laufend ihre Prognosen. So rechnen das Münchner ifo-Institut und das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) 2012 nur noch mit einem Mini-Wachstum in der Bundesrepublik.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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1. Na und
Oliver Gnutz 14.12.2011
Zitat von sysopEuropas Politiker bemühen sich um eine Lösung der Schuldenkrise - doch den Akteuren an den Finanzmärkten reicht das nicht. Italien muss für frische Kredite erneut hohe Zinsen zahlen, der Kurs des Euro sinkt erstmals seit fast einem Jahr unter die Marke von 1,30 Dollar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803785,00.html
Na und ? Die meisten Bürger brauchen keine Dollar, EUR ist unsere "Binnenwährung", da geht es uns glattweg am Anus vorbei wie viel Dollar ein EUR kostet oder ob der mongolische Tögrög heute mehr wert ist als zum Unabhängigkeitstag im November. Derartige Meldungen sind genau so uninteressant wie die "Börse im Ersten" kurz vor der Tagesschau - keine 10% der Bürger sind Zocker - aber diesem Börsenrotz wird, trotz Glücksspielstaatsvertrages, ein prädestinierter Sendeplatz eingeräumt. Die Finanzmafia scheint langsam so ziemlich alles zu kontrollieren.
2. Enteignung als Lösung?
genesis266 14.12.2011
Mit einem abenteuerlichen aber ernstgemeinten Vorschlag will die Boston Consulting Group die Euro-Schuldenkrise lösen: durch Enteignung der privaten Sparvermögen. - Aus der Theorie könnte bald Wirklichkeit werden, denn die Regierung heuerte nun einen Top-Berater der BCG in die Dienste des Finanzministeriums. Die Boston Consulting Group rechnete bis ins Detail durch, wie stark die Politiker in die privaten Vermögen der Bürger eingreifen müssten, um die Verschuldungssituation wieder auf ein erträgliches Niveau zurückzuführen weitergehende Analyse: Regierung heuert Enteignungs-Experten (http://www.mmnews.de/index.php/politik/9063-regierung-heuert-enteignungs-experten)
3. Völlig korrekt: "Bemühen"...
ich schon wieder 14.12.2011
Zitat von sysopEuropas Politiker bemühen sich um eine Lösung der Schuldenkrise - doch den Akteuren an den Finanzmärkten reicht das nicht. Italien muss für frische Kredite erneut hohe Zinsen zahlen, der Kurs des Euro sinkt erstmals seit fast einem Jahr unter die Marke von 1,30 Dollar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803785,00.html
... weil passiert ist ja eigentlich nichts was die Schuldenkrise tatsächlich bekämpft. Absichtserklärungen die in Fristen von Monaten das bringen, was hätte schon vor Jahren auf den Weg gebracht werden müssen... eigentlich bei Gründung der EU... helfen da eben nicht weiter. Wer hält schon still, bzw. ist beruhigt, wenn lang bekannte und andauernde Probleme mit schwammigen Absichtserklärungen quasi vertagt werden, die tatsächliche Umsetzung dieser noch in den Sternen steht. Hier kommt es auf das Tun an nicht auf das was man vorhat zu tun. Ist eigentlich wie im richtigen Leben !?
4. Wechselkurs Dollar - Euro
hoppla_h 14.12.2011
Zitat von sysopEuropas Politiker bemühen sich um eine Lösung der Schuldenkrise - doch den Akteuren an den Finanzmärkten reicht das nicht. Italien muss für frische Kredite erneut hohe Zinsen zahlen, der Kurs des Euro sinkt erstmals seit fast einem Jahr unter die Marke von 1,30 Dollar. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,803785,00.html
Rohöl wird in Dollar bezahlt. Morgen 2 Euro pro Liter Diesel???
5. Eine Überschrift und ihre Wahrheit
mopsfidel 14.12.2011
---Zitat--- der Kurs des Euro sinkt erstmals seit fast einem Jahr unter die Marke von 1,30 Dollar. ---Zitatende--- Ja, und wenn man sich den Kurs der letzten 5 Jahre (http://www.onvista.de/devisen/snapshot.html?ID_CURRENCY_FROM=EUR&ID_CURRENCY_TO=USD&PERIOD=6#chart1) betrachtet, wird man ganz schnell feststellen, dass dieser niedrige Wert keine Ausnahme ist: - Januar 2007: bei ca. 1,30 Dollar - Okt. 2008 bis März 2009: bei ca. 1,27 Dollar - April 2010 bis Sept. 2010: stets unter 1,30 Dollar
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