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Finanzkrise: Griechenland schließt Anleihentausch ab

Es ist ein historischer Schritt für Griechenland: Der Zwangsumtausch der Staatsanleihen ist abgeschlossen. Der Staat ist damit einen Teil seiner Schulden los - die Investoren müssen dafür auf die Hälfte ihrer Einsätze verzichten.

Freiwillig gezwungen: Ein Fußgänger geht an einem Stand mit Griechenland-Flaggen vorbei. Zur Großansicht
REUTERS

Freiwillig gezwungen: Ein Fußgänger geht an einem Stand mit Griechenland-Flaggen vorbei.

Athen - Im Kampf gegen die Staatspleite hat Griechenland den Anleihentausch im Wert von 177,2 Milliarden Euro - nach Aktivierung entsprechender Zwangsklauseln - abgeschlossen. Das teilte das Finanzministerium in Athen am Montag mit. Der Tausch betreffe alle Anleihen, die unter griechisches Recht fielen. Sie wurden durch neue ersetzt, die nur noch halb so viel wert und geringer verzinst sind. Die übrigen Anleihen im Volumen von 29 Milliarden Euro sollen im April umgetauscht werden.

Die Gläubiger des hoch verschuldeten Landes mussten ihre alten Anleihen an den griechischen Staat zurückgeben. Im Gegenzug erhielten sie neue Papiere, die allerdings deutlich weniger wert sind. Insgesamt verzichteten die Investoren auf 53,5 Prozent des ursprünglichen Nennwerts der Anleihen. Für die restlichen 46,5 Prozent erhielten sie eine Mischung aus neuen Papieren und Bargeld.

Weil die Investoren nicht nur auf gut die Hälfte der Rückzahlung verzichten, sondern auch auf einen Gutteil ihrer ursprünglich erwarteten Zinsen, entgehen ihnen insgesamt sogar rund 74 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen. Damit soll Griechenlands Schuldenberg faktisch um 105 Milliarden Euro schrumpfen. Im Gegenzug erhalten die Gläubiger die Zusage der europäischen Politiker, bei einem weiteren Schuldenschnitt nicht noch einmal belangt zu werden. Rechtlich sicher ist diese Zusage allerdings nicht.

Dominoeffekt bei den Kreditausfallsversicherungen bleibt wohl aus

Eigentlich sehen die griechischen Papiere den Zwangstausch gar nicht vor: Um den Eingriff dennoch möglich zu machen, hat das griechische Parlament per Gesetz im Nachhinein Umschuldungsklauseln (Collective Action Clauses, CAC) in die Anleihen eingefügt. Laut diesen Klauseln kann eine Umschuldung verpflichtend werden, wenn sich eine fest definierte Mehrheit der Anleihebesitzer für den Schuldenschnitt ausspricht.

Weil der Rest der Gläubiger zum Verzicht auf ihre Forderungen gezwungen wurde, stufte der Branchenverband ISDA ("International Swaps and Derivatives Association") den Tausch als sogenanntes Kreditereignis ein - weshalb die Ausfallversicherungen fällig werden. Das hatte 2008 in der Lehman-Pleite schon zu einem Domino-Effekt geführt und war deshalb gefürchtet. Ähnliche Effekte bleiben im Schulden-Krimi um Griechenland nach Einschätzung der Bundesbank aber wohl aus.

Der nächste Schritt steht für den immer noch hochverschuldeten Staat schon fest: Nun müssen die Finanzminister der Eurozone das zweite Rettungspaket für Griechenland freigeben. Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, hat der Regierung in Athen bereits zugesichert, dass das zweite Hilfspaket mit einem Volumen von 130 Milliarden Euro kommen wird. "Es gibt keinen Zweifel, dass das zweite Programm aufgelegt wird", sagte der luxemburgische Premierminister am Montag in Brüssel vor Beratungen mit seinen Amtskollegen der Eurogruppe. Der endgültige Beschluss soll am Mittwoch fallen.

Einen Tag später will der Internationale Währungsfonds (IWF) über seine Beteiligung an dem Hilfspaket entscheiden: Dann soll der Exekutivrat über den 28 Milliarden Euro umfassenden Kredit abstimmen, für den sich IWF-Chefin Christine Lagarde ausgesprochen hatte. Zehn Milliarden Euro davon waren allerdings aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland übriggeblieben und sind deshalb kein neues Geld. Im Kern geht es also um 18 Milliarden Euro. Zunächst sollten fünf Milliarden Euro weniger fließen.

vks/dpa/dapd

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Wo sind sie geblieben?
RaMaDa 12.03.2012
Zitat von sysopdapdEs ist ein historischer Schritt für Griechenland: Der Zwangsumtausch der Staatsanleihen ist abgeschlossen. Der Staat ist damit einen Teil seiner Schulden los - die Investoren müssen dafür auf die Hälfte ihrer Einsätze verzichten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,820863,00.html
-------------------------------------------------------------------------------- Es ist auch ein historischer Schritt für uns, wir sind nämlich bald unsere Steuergelder los.
2. dann kanns ja weitergehen...
marc0815 12.03.2012
Im April neue griechische Regierung gewählt, die sämtliche Europäischen Kredite (so 260 Milliarden) für nichtig erklärt und die Rückzahlungszusagen verspottet (der ESM dagegen verschuldet vertraglich ohne Ausweg Generationen). Immer mal wieder mit Ansteckungsgefahr und sonstigem Quatsch gedroht und die dummen Nordeuropäer zahlen die nächsten Sausen. Ein paar Milliarden davopn an die Herren von ESM und Politik abgezweigt und die Zukunft Griechenlands ist gesichert. aus EU ist TransferUnion geworden. Von Nord nach Süd, vom Volk zum oberen 1%. Solange bis der Bürger sie an die Bäume hängt.
3. Das Geld ist schon lange weg
localpatriot 12.03.2012
Zitat von RaMaDa-------------------------------------------------------------------------------- Es ist auch ein historischer Schritt für uns, wir sind nämlich bald unsere Steuergelder los.
Seit der ersten Buergschaft ist das Geld weg. Es dreht sich hier nur um Buchungsverzoegerungen welche im normalen Geschaeftswesen als Bilanzbetrug bezeichnet werden koennten. Aber in den oeffentlichen Finanzen darf man das solange verzoegern bis die politisch geeignete Zeit zur Deklaration gekommen ist. Und das ist nach der naechsten Wahl... fuer alle in der Bundesrepublikanischen Einheitspartei. Aber was solls - es ist ja nur Papier .... oder heutzutage koennte man sagen .... es ist ja nur ein SMS und die Druckmaschine wurde von eimem APS auf dem I phone des Herrn Dragi ersetzt (oder dem seiner Sekretaerin).
4. Ein Schurkenstück, dieser fortgesetzte historische Betrug
nómos 13.03.2012
FREIWILLIG! Warum übernimmt die Presse dieses Tarnen und Täuschen weiter. Für wie blöd halten die agierenden Politiker die Bürger und die so betrogenen Anleihegläubiger? Gläubiger von Staatsanleihen sind offensichtlich Freiwild, das trifft es eher. Nach dem Abschluss des freiwilligen Umtauschangebots wird Griechenland die Klauseln zur Zwangsumschuldung in Kraft setzen. Was für ein Schurkenstück wird da abgeliefert. Wer glaubt bei diesen Lügen noch ein Jota von dem was da veröffentlicht wird. Wer prüft die Zahlen, die Quoten jetzt. Läuft das wieder so wie beim Eurobeitritt der Griechen? Das ist fortgesetzter historischer Betrug, zugelassen und nicht verhindert von Merkel, Schäuble, Juncker und Co, zum Schaden der gutgläubigen Geldgeber und des eigenen Volkes. Die gewerblichen Anleger können ihre Griechenland-Verluste steuersparend abschreiben. Die Hedgefonds bekommen nun von den CDS-Versicherungen 100% + Zinsen . Und was bekommen die Kleinanleger? Einen Tritt in den Hintern. Sie werden vermutlich noch nicht einmal die Verluste durch den Zwangsumtausch steuerlich geltend machen können. Dass die Kleinanleger zwangsweise zur Kasse gebeten werden ist ein rechtswidriges Schurkenstück und für den sogenannten Erfolg des Schuldenschnitts nicht einmal relevant. Kanzlerin und Finanzminister und die beteiligten anderen EURO-Politiker haben immer behauptet, der Schuldenschnitt sei freiwillig und träfe nur institutionelle Anleger. Daran sollten sie sich nun auch halten und dafür sorgen, dass Griechenland die CAC-Klausel (die erst im Februar per Gesetz eingeführt wurde) auf Kleinanleger nicht anwendet oder diese nachträglich schadlos stellt. Alles andere hat nicht mehr mit Rechtsstaatlichkeit zu tun. Kleinanleger, die 2009 oder davor Griechen-Anleihen zu 100 und mehr bei normaler vier prozentiger Verzinsung gekauft haben, sind keine Zocker sondern gutgläubige Anleihekäufer und jetzt wohl Opfer dieses Schurkenstücks europäischer Politiker. Wenn nicht schnellsten Vernunft einkehrt ist das Vertrauen auf Dauer verspielt. Klagen werden folgen. Europa und der Euro wird dauerhaft beschädigt. Ein Irrweg der Illusionen. So wird weder Griechenland noch Europa gerettet. Das ist der erste Sargnagel für das EURO-Land.
5.
obermoos 13.03.2012
Zitat von sysopdapdEs ist ein historischer Schritt für Griechenland: Der Zwangsumtausch der Staatsanleihen ist abgeschlossen. Der Staat ist damit einen Teil seiner Schulden los - die Investoren müssen dafür auf die Hälfte ihrer Einsätze verzichten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,820863,00.html
Keineswegs müssen alle Investoren verzichten. Die EZB hat bei Kursen um 40 % griechische Anleihen gekauft, die 1:1 in neue umgetauscht worden sind. Diese müssen die Griechen nach dem nunmehr erfolgten Schuldenschnitt zu 100 % zurückzahlen. Dies war so schlau eingefädelt, dass der Bundesbankpräsident anfänglich nichts gemerkt hat. Hat die Chefin geschwiegen. Heute gibt es keine Kritiker mehr, die sich gegen den Anleihekauf der EZB aussprechen. Selbst die Hassprediger, die den Banken und Versicherungen Gier nachgesagt haben, sind verstummt.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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