Folgen der Weltfinanzkrise Anzahl der Länder mit Top-Bonität schrumpft dramatisch

Die globale Finanzkrise hat den Kreis der Länder mit der höchsten Kreditwürdigkeit erheblich verkleinert. Das Volumen entsprechender Staatsanleihen ist laut "Financial Times" um mehr als 60 Prozent geschrumpft. Profitieren können davon vor allem aufstrebende Schwellenländer.

New Yorker Börse: "Erhebliche Veränderung im Anlagemarkt"
AP

New Yorker Börse: "Erhebliche Veränderung im Anlagemarkt"


London - Investoren auf der Suche nach besonders sicheren Anlagen haben immer weniger Auswahl: Seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 ist das Volumen der Staatsanleihen von Ländern mit Top-Bonität um mehr als 60 Prozent gesunken, wie eine Auswertung der "Financial Times" ergibt. Während zahlreiche führende Industrienationen von den Rating-Agenturen keine Spitzenbewertung mehr erhalten, konnten hingegen vor allem aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien ihre Kreditwürdigkeit erheblich steigern.

Insgesamt verringerte sich der Umfang der top-bewerteten Staatsanleihen laut dem Bericht seit 2007 von knapp elf Billionen auf nur noch vier Billionen Dollar. Hauptgrund für den dramatischen Schwund ist demnach die Herabstufung der weltgrößten Wirtschaftsmacht USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) im August 2011. Auch europäische Schwergewichte wie Großbritannien oder Frankreich erhalten von S&P oder den anderen Rating-Riesen Fitch und Moody's nicht mehr die Bestnote.

Die Entwicklung ist demnach Ausdruck einer erheblichen Veränderung im internationalen Anlagemarkt. So begünstigt diese Entwicklung Investitionen in Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika. Deren Bonität wird - von der Weltöffentlichkeit bislang weitgehend unbemerkt - inzwischen weit besser bewertet als noch vor einigen Jahren. Auch aufstrebende asiatische Staaten gehörten in den vergangenen Jahren zu den Gewinnern in puncto Kreditwürdigkeit.

Euro-Krisenländer große Verlierer der Herabstufungen

Zudem zwinge der Mangel an top-bewerteten Staatsanleihen dem Bericht zufolge Investoren und Finanzaufsichtsbehörden dazu, ihre Kriterien für als besonders sicher geltende Anlagen zu überdenken. Zahlreiche Notenbanken bewerten etwa auch Anleihen herabgestufter ehemaliger Spitzenländer weiter als ausreichende Sicherheiten.

Der Auswertung der Zeitung zufolge sind vor allem die Krisenländer der Euro-Zone besonders stark von den Herabstufungen der Rating-Riesen betroffen - allen voran Griechenland, das sich seit Jahren nicht mehr auf den Finanzmärkten mit Kapital versorgen kann und dessen Anleihen seitdem auf Ramschniveau verharren. Im Gegensatz dazu konnten Uruguay, Bolivien und Brasilien ihre Kreditwürdigkeit am stärksten verbessern.

fdi



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 86 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Bernhard65 27.03.2013
1. Marktbasiertes Rating
Es gibt keine 100 prozentig sicheren Anlagen, Staaten oder Staatsanleihen. Wer sich für marktbasiertes Rating interessiert sollte hier mal sehen wie Finanzmärkte die Bonität beurteilen: Rix - Ratingindex (http://www.rating-index.com/Rating_Staaten)
cirus27 27.03.2013
2. na, dann auf nach bolivien, liebe anleger_innen
ich würde allerdings - und zwar aufgrund eigener erfahrungen - den südamerikanischen markt eher meiden. dort wird ggf. per dekret enteignet, und zwar ohne wochenlanges rumgeeier mit zentralbanken.
BlakesWort 27.03.2013
3.
Hätten die Rating-Agenturen ihre Arbeit gemacht und sich am eigenen Anspruch gemessen, wäre es spätestens ab der Jahrtausendwende zwingend gewesen, Länder abzuwerten. So wurden Jahre der Konsolidierung verplempert, Geld wurde aus dem Nichts geschaffen und Schulden auf Kosten zukünftiger Generationen gemacht. Kein Wunder, die Agenturen verdienten selbst viel zu gut an dieser Trickserei und die Politiker stellen sich schützend vor sie, anstatt alle in einen Sack zu stecken und draufzuhauen.
gonger 27.03.2013
4. AAA-Staaten unter sich
Zitat von sysopAPDie globale Finanzkrise hat den Kreis der Länder mit der höchsten Kreditwürdigkeit erheblich verkleinert. Das Volumen entsprechender Staatsanleihen ist laut "Financial Times" um mehr als 60 Prozent geschrumpft. Profitieren können davon vor allem aufstrebende Schwellenländer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/finanzkrise-hat-zahl-der-laender-mit-top-bonitaet-dramatisch-geschrumpft-a-891159.html
Das ist der beste Grund für Deutschland und die "Rest-AAA"-Staaten aus Nordeuropa einen 'Nordeuro' einzuführen. Dieser würde ebenfalls das Geld der Investoren anlocken. Vorübergehende Einbrüche im Export würden durch verbilligte (Rohstoff-) Importe kompensiert und unser Land wäre attraktiv für hochqualifizierte Jobbewerber wie in der Schweiz. Selbstverständlich müsste in diesem Zusammenhang auch das Schengen-Abkommen gekündigt werden um unerwünschte Immigrationsbewegungen zu verhindern. Von der starken Währung könnten auch die Südländer profitieren durch günstige Umtauschkurse und einen fleissigen, guten Service. Merkel muss endlich noch härter sparen,denn sonst werden wir in den EU-Schuldensumpf mit reingerissen.
bürger_prollmann 27.03.2013
5. völlig normal
Wer das Prinzip des Finanzsystem verstanden hat, weiß das das völlig normal ist und eine exponentielle Steigerung folgen wird. Viel spannender ist aber die Frage, was kommt danach, wenn nix mehr zum Umverteilen da ist?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.