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Finanzkrise in Afghanistan: Kunden stürmen die Kabul-Bank

In Afghanistan steht eine der wichtigsten Banken des Landes vor dem Kollaps: Anleger ziehen massenhaft Geld von ihren Konten ab. Experten fürchten, dass die Nervosität auf andere Institute übergreift - und finanzielles Chaos ausbricht.

Schlange vor der Kabul-Bank: Ansturm der Anleger Zur Großansicht
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Schlange vor der Kabul-Bank: Ansturm der Anleger

Hamburg - Im Krisenstaat Afghanistan droht eine Bankenkrise mit schweren politischen Folgen. Mehreren übereinstimmenden Zeitungsberichten zufolge ziehen afghanische Anleger massenhaft Geld von ihren Konten bei der Kabul-Bank ab. Grund für die Nervosität der Kunden sind Fehlspekulationen der Bank mit Immobilien in Dubai. Das Institut ist eines der größten und wichtigsten des Landes; es hat unter anderem Präsident Hamid Karzai den Wahlkampf mitfinanziert.

Nach Angaben eines Miteigentümers der Kabul-Bank haben die Anleger allein in den letzten 48 Stunden Geld im Wert von 180 Millionen Dollar abgehoben. Die "Washington Post" berichtet, am Mittwoch sei Geld im Wert von 85 Millionen Dollar abgehoben worden, am Donnerstag Geld im Wert von 109 Millionen. Im afghanischen Finanzsystem drohe eine "Revolution", sagte der Miteigentümer der "New York Times". Die Landesregierung und ihr Schirmherr USA müssten die Krise schnell eindämmen.

Die Liquiditätsreserven der Kabul-Bank sind nach Angaben des früheren Institutsleiters Sherkhan Farnood drastisch geschrumpft. Sie beliefen sich umgerechnet noch auf gut 300 Millionen Dollar, sagte er der "Washington Post". "Wenn die Kabul-Bank zusammenbricht", warnte er, "gibt es ein Desaster." Khalilullah Frozi, einer der größten Anteilseigner der Bank sagte der "New York Times", ein Zusammenbruch sei "fast sicher", würden die Anleger in diesem Tempo weiter Geld abziehen.

Amerikanische und afghanische Finanzexperten fürchten nun einen Flächenbrand. Gelinge es der Regierung nicht, die Nervosität der Anleger zu dämpfen, müssten bald auch andere Banken einen Massenansturm fürchten. Die Folgen einer solchen Bankenkrise wären verheerend - sie könnten die Bemühungen, im Land einen stabilen und vertrauenswürdigen Finanzsektor aufzubauen, schlagartig zunichte machen. Die Aufbauarbeit der letzten neun Jahre ist gefährdet.

Für die Genesung des vom Krieg verheerten Landes ist ein funktionierender Bankensektor aber essentiell: Bevor es ihn gab, wickelten viele Afghanen ihre Finanzgeschäfte über ein sogenanntes Hawala-System ab - ein informelles Tauschsystem, das Drogenhändlern das Geschäft erleichtert und Terroristen ein Stück weit vor Strafverfolgung schützt, weil sich ihre Transaktionen nicht nachvollziehen lassen.

Entsprechend ernst nimmt Präsident Karzai die Probleme der Kabul-Bank - auch wenn er sie nach eigenen Angaben für überzogen hält. Er gibt der westlichen Presse die Mitschuld an der Schieflage der Bank. Nicht zuletzt ihre Berichterstattung habe Anleger verunsichert, sagte er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag. Um die Existenzsicherung der Bank müsse sich indes niemand Sorgen machen. "Sogar wenn das komplette afghanische Finanzsystem zusammenzubrechen droht, hätten wir genug Geld, es zu stützen", behauptete er.

Zweifel an dieser Aussage sind angebracht. Zu einem früheren Zeitpunkt habe Karzai die ausländischen Währungsreserven seiner Regierung auf 4,8 Milliarden Euro beziffert, berichtet die "New York Times". Allein die Kabul-Bank verwahre Anlagen im Wert von umgerechnet 1,1 Milliarden Dollar. Derzeit sei noch nicht einmal klar, ob die Regierung rechtlich gesehen überhaupt befugt wäre, für die Einlagen afghanischer Banken zu garantieren.

Die amerikanische Regierung ist bislang kaum in den Vorgang eingebunden. Sie leiste technische Hilfe, "wir unternehmen aber keine Schritte, die Kabul-Bank selbst zu retten", sagte ein Sprecher der Weißen Hauses der "New York Times".

ssu

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
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1. habe ich das was verpasst
jocurt1 03.09.2010
Zitat von sysopIn Afghanistan steht eine der wichtigsten Banken des Landes vor dem Kollaps: Anleger ziehen massenhaft Geld von ihren Konten ab. Experten fürchten, dass die Nervosität auf andere Institute übergreift - und finanzielles Chaos ausbricht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,715506,00.html
Es gibt Finanzanleger in Afghanistan? Es gibt zig Großbanken in Afghanistan?. Gibt es dort eine Immobilienblase ? Haben wir dort hedge Fonds ? WOW !!!
2. ...
Schalke 03.09.2010
Dann können jetzt nicht mehr so ohne weiteres Drogengelder gewaschen werden!? Mir kommen die Tränen. Ach, das muß man da gar nicht, weil der Drogen-Rohstoffhandel einen Großteil des Volkseinkommens ausmacht!? Wen stört es dann?
3. Nehme mal an,
schwarzer Schmetterling, 03.09.2010
Zitat von sysopIn Afghanistan steht eine der wichtigsten Banken des Landes vor dem Kollaps: Anleger ziehen massenhaft Geld von ihren Konten ab. Experten fürchten, dass die Nervosität auf andere Institute übergreift - und finanzielles Chaos ausbricht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,715506,00.html
da waren arbeitslose Berater von Lehman im Einsatz. So ist das mit West-Importen, nun sind die ganzen schönen Drogengelder futsch - lol
4. westliche presse schuld
iosono3 03.09.2010
das in afghanistan gewaltige rohstoffvorkommen gefunden und dies weltweit verbreitet und diskutiert wurde legt auch an der westlichen presse-oder? war das keine gute werbung? was solls,liebe frau merkel,sehr geehrter herr gabriel,gelebte EU--bitte labern sie jetzt von der'' wichtigkeit der stabilität in afghanistan'' und öffnen sie ihre kassen um ein paar milliarden nach afghanistan zu überweisen-schnell.
5. das geht schnell
henningr 03.09.2010
Zitat von iosono3das in afghanistan gewaltige rohstoffvorkommen gefunden und dies weltweit verbreitet und diskutiert wurde legt auch an der westlichen presse-oder? war das keine gute werbung? was solls,liebe frau merkel,sehr geehrter herr gabriel,gelebte EU--bitte labern sie jetzt von der'' wichtigkeit der stabilität in afghanistan'' und öffnen sie ihre kassen um ein paar milliarden nach afghanistan zu überweisen-schnell.
Keine Angst, wenns um die Rettung "notleidender Banken" geht, werden die Milliarden noch vor Wochenfrist locker gemacht.
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Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Abdullah Abdullah

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Präsident Karzai: "Härtester Job der Welt"
Karzai und Afghanistan
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Hamid Karzai
AFP
Hamid Karzai ist der derzeit amtierende Präsident Afghanistans. Nach der ersten Phase des Afghanistan-Kriegs hatten ihn die USA und die Uno auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 als Regierungschef einer afghanischen Interimsregierung durchgesetzt. Die Loya Jirga wählte Karzai 2002 zum Präsidenten einer Übergangsregierung, und nach Verabschiedung einer neuen Verfassung bestimmten ihn die Afghanen 2005 in direkter Wahl zu ihrem Präsidenten. Durch den Einfluss der Warlords blieb Karzais Macht jedoch beschränkt. Zuletzt verlor er auch die Unterstützung der USA.

Hamid Karzai wurde 1957 in Kandahar geboren. Er gehört dem mächtigen Paschtunen-Stamm der Popalzai an, der mehrere afghanische Könige hervorbrachte. Karzai studierte in Indien und hielt sich immer wieder in den USA auf. Zusammen mit den Mudschahidin kämpfte er in den achtziger Jahren gegen die sowjetische Besetzung Afghanistans . Aus dem Exil in Pakistan unterstützte Karzai die Taliban zunächst, wandte sich dann aber gegen das Regime, dem auch die Ermordung seines Vaters zugeschrieben wird. Nach Beginn der amerikanischen Militäraktion in Afghanistan kehrte Karazi 2001 in seine Heimat zurück und stellte sich an die Spitze der Anti-Taliban-Bewegung in der Region Kandahar.

Präsidentschaftswahlen
dpa
Am 30. August 2009 wählten die Afghanen ihren neuen Präsidenten. Doch es kam zu massiven Fälschungen, insbesondere zugunsten Karzais. Die Auszählungsergebnisse in 210 Wahllokalen wurden anschließend für ungültig erklärt. Karzai, der sich zuvor als Sieger gesehen hatte, verfehlte nach dem um manipulierte Stimmen bereinigten Endergebnis die absolute Mehrheit: Er erreichte nur 49,67 Prozent der Stimmen.

Eine Stichwahl zwischen Karzai und Ex-Außenminister Abdullah Abdullah sollte die Entscheidung bringen. Doch der Herausforderer zog seine Kandidatur zurück mit der Begründung, es könne wie im ersten Durchgang erneut zu Unregelmäßigkeiten kommen. Die afghanische Wahlkommission rief Karzai daraufhin erneut zum Präsidenten aus.

Isaf-Einsatz
DDP
Nach Beginn des Afghanistan-Kriegs 2001 und dem Sturz der radikal-islamischen Taliban beschloss der Uno-Sicherheitsrat , eine internationale Schutztruppe im Land ( Isaf ) einzusetzen. Sie soll den Wiederaufbau Afghanistans zu einer Demokratie absichern, auch indem sie zivile Wiederaufbauteams (PRTs) schützt, von denen derzeit 26 tätig sind.

Der Einsatz war zunächst auf die Hauptstadt Kabul und deren Umgebung beschränkt und wurde bis 2006 auf das ganze Land ausgeweitet. Seit 2003 führt die Nato die Isaf. Derzeit gehören ihr mehr als 119.000 Soldaten aus 46 Nationen an, darunter auch aus Nicht-Nato-Staaten wie Australien und Neuseeland.
Deutschland übernahm 2006 das Isaf-Kommando für den Norden Afghanistans. 2007 bestellte die Bundeswehr sechs Aufklärungsflugzeuge vom Typ Tornado ab, die Luftbilder aus ganz Afghanistan für Isaf liefern. Die Bundesrepublik stellt derzeit mit mehr als 4000 Soldaten die drittgrößte Truppe nach den USA und Großbritannien.

Probleme in Afghanistan
AFP
Da die Taliban inzwischen wieder an Stärke gewonnen haben, nehmen die militärischen Auseinandersetzungen zu. Besonders hart umkämpft ist der Osten des Landes, wo die meisten US-Soldaten stationiert sind. Die schwer kontrollierbaren Stammesgebiete Pakistans gelten als Rückzugsgebiet und Nachschubbasis der Taliban.

Die Stabilisierung Afghanistans wird durch Korruption, die bis in höchste Regierungskreise verbreitet ist, sowie durch Drogenproduktion und -schmuggel erschwert.

Opium-Wirtschaft
REUTERS
Obgleich die afghanische Übergangsregierung unter Karzai im Januar 2002 den Schlafmohnanbau verboten hat, ist der Drogenanbau rasch wieder zum dominierenden Wirtschaftszweig Afghanistans geworden. Das Land ist der weltweit größte Produzent von Rohopium .

Mit Einnahmen aus dem Drogenschmuggel finanzieren die Taliban ihren Kampf gegen Karzais Regierung und die ausländischen Truppen. Die Bekämpfung ist problematisch, weil viele Menschen von dem Handel leben. Isaf -Soldaten sind inzwischen befugt, gegen Drogenhändler vorzugehen und Laboratorien zu zerstören, in denen Schlafmohn zu Opium verarbeitet wird.

Afghanistan-Krieg
REUTERS
Der Afghanistan-Krieg der USA und ihrer Verbündeten war die erste große militärische Reaktion auf die Terroranschläge vom 11. September 2001 . Er richtete sich sowohl gegen das Terrornetzwerk al-Qaida , das für die Anschläge verantwortlich gemacht wird, als auch gegen das seit Mitte der neunziger Jahre in Afghanistan herrschende islamisch-fundamentalistische Taliban -Regime.

Die Taliban wurden bezichtigt, Osama Bin Laden und andere hochrangige Mitglieder von al-Qaida zu unterstützen und zu beherbergen.

Die erste Kriegsphase endete mit dem Fall der Hauptstadt Kabul und der Provinzhauptstädte Kandahar und Kunduz im November und Dezember 2001. Auf der Petersberger Afghanistan-Konferenz im Dezember 2001 wurde eine Interimsregierung unter Präsident Hamid Karzai eingesetzt und die Einberufung einer verfassunggebenden Loya Jirga beschlossen. Gleichzeitig erteilte der Uno-Sicherheitsrat den Nato-Staaten und mehreren Partnerländern das Isaf -Mandat zur Unterstützung des Wiederaufbaus.



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