Finanzkrise Iren fürchten die Schuldenschmach

Déjà-vu in Dublin: Lange zierten sich die Iren, Geld der EU-Partner anzunehmen - genau wie die Griechen. Plötzlich will sich das hochverschuldete Land doch helfen lassen - genau wie die Griechen. Droht der EU ein zweites Schuldendesaster? Es gibt Parallelen, aber auch entscheidende Unterschiede.

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Berlin - Am Ende war der Druck einfach zu groß: Erstmals hat die irische Regierung eingestanden, dass die finanzielle Lage des Landes kritisch ist und Verhandlungen mit der EU über ein Rettungspaket angekündigt. Er könne zwar keinen Zeitrahmen für die Gespräche nennen, aber sie seien "dringend", sagte Ministerpräsident Brian Cowen an diesem Mittwoch.

Noch auf ihrer Sitzung am Dienstag hatten die Euro-Finanzminister vergeblich auf die irische Delegation eingeredet: Sie möge doch bitte, bitte die Milliardenhilfen von EU und Internationalem Währungsfonds in Anspruch nehmen. Vor allem die Diplomaten der Krisenstaaten Portugal, Spanien und Griechenland bettelten, die Gefahr für den Euro sei ansonsten einfach zu groß. Doch der irische Finanzminister Brian Lenihan blieb standhaft.

Entsprechend schwer dürfte Ministerpräsident Cowen die Kehrtwende an diesem Mittwoch gefallen sein. Denn das Stigma der jetzt anlaufenden Rettungsaktion wird der Inselstaat so schnell nicht mehr los. Staatsanleihen dürften teurer werden, wenn sich überhaupt noch ein Anleger dafür findet. Auch die Macht der EU-Sparaufseher schreckt die Iren - zumal sie überzeugt sind, das gar nicht verdient zu haben.

Doch vor allem die Aussicht schmerzt, künftig in einem Atemzug mit dem Pleitestaat Griechenland genannt zu werden. Denn Irland hat vielleicht seit zwei Jahren ein Bankenproblem, Griechenland hat dagegen nach jahrzehntelanger Misswirtschaft ein chronisches Problem.

Ökonomen können die irischen Abgrenzungsversuche gegenüber Griechenland deshalb gut nachvollziehen. "Zwar haben beide Euro-Staaten Schulden, die sie nicht mehr ohne Hilfe schultern können. Doch die Ursache dafür ist jeweils eine ganz andere", sagt Henning Vöpel, Professor an der Hamburg School of Business Administration.

Irland hat eine starke ökonomische Basis

Anders als Griechenland verfüge Irland über eine gut aufgestellte Wirtschaft und einen soliden Staatshaushalt, der allein durch die Bankenkrise in Mitleidenschaft gezogen worden sei. Griechenland habe dagegen seit langem weit über seine Verhältnisse gelebt und sei nun gezwungen, der Bevölkerung schmerzhafte Strukturreformen zuzumuten.

Natürlich seien auch in Irland einige falsche Weichenstellungen vorgenommen worden - etwa die Aufblähung des Bankensektors, ergänzt Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim. "Die irische Regierung hat in der Krise aber sehr pragmatisch und konsequent gegengesteuert." Außerdem sei die Bevölkerung sehr anpassungsfähig und gehe mit den neuen Rahmenbedingungen viel konstruktiver um als die Griechen.

Überdies bringt Irland für den Kampf gegen den Schuldenberg vollkommen andere Voraussetzungen mit, denn die ökonomische Basis ist sehr stark:

  • Mit extrem niedrigen Steuern lockte die Regierung in den vergangenen Jahrzehnten Investoren aus aller Welt an.
  • Auch derzeit wachsen die Exporte,
  • die Industrieproduktion steigt stark an,
  • die Arbeitslosenquote sinkt, wenn auch langsam.
  • Das Gemeinschaftsgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute sagt für 2011 wieder ein Wachstum voraus

Irische Banken verspekulierten sich mit überteuerten Immobilien

Das rasante Wachstum der Vergangenheit hatte allerdings auch seine Kehrseite. Die Banken verspekulierten sich mit überteuerten Immobilien, der Staat musste sie mit Milliarden stützen. Die Rettung der Finanzinstitute könnte bis zu 50 Milliarden Euro kosten - bei einer Wirtschaftsleistung von 160 Milliarden Euro wäre das ein unglaublicher Kraftakt. Entsprechend könnte das Haushaltsdefizit in diesem Jahr auf 32 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hochschnellen.

Ganz anders dagegen die Lage in Griechenland:

  • Der Mittelmeerstaat leistet sich ein Heer von mehr als einer Million Beamten - so viel wie kein anderes Land in der EU. Fast jeder fünfte Arbeitnehmer arbeitet für den Öffentlichen Dienst.
  • Die Wirtschaft dagegen ist nicht wettbewerbsfähig. Lediglich der Tourismus und die Handelsschifffahrt brachten in der Vergangenheit nennenswerte Einnahmen. Doch beide Wirtschaftszweige leiden unter der Krise nun besonders.
  • Entsprechend stieg das Haushaltsdefizit 2009 auf den Rekordwert von 15,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
  • Die Wirtschaft schrumpft noch immer. Und Experten rechnen auch für 2011 mit einem weiteren Minus.

Mit drastischen Sparmaßnahmen soll nun bis 2014 zumindest die Neuverschuldung unter die Marke von drei Prozent gedrückt werden. Doch das wird nicht einfach. Denn dafür müssten die Griechen mit der Tradition brechen, fehlende Einnahmen über neue Schulden zu finanzieren. Alles hängt davon ab, ob sich Ministerpräsident Georgios Papandreou mittelfristig den notwendigen Rückhalt in der Bevölkerung sichern kann, um die notwendigen Zumutungen durchzusetzen.

Dass ihm das gelingt, glauben nicht einmal die Griechen selbst: Einer am Montag veröffentlichten Umfrage zufolge zweifeln zwei von drei Befragten daran, dass Papandreou die Finanzprobleme lösen kann. Dagegen halten fast 60 Prozent der Befragten einen Staatsbankrott für wahrscheinlich. Knapp die Hälfte der Griechen meint, ihr Staat solle mit seinen Gläubigern über einen Schuldenerlass verhandeln.

Natürlich wird auch der irische Ministerpräsident Cowen um Zumutungen für seine Landsleute nicht herumkommen. Derzeit wagt niemand zu prognostizieren, wie viel Geld noch benötigt wird, um die maroden Geldhäuser wieder aufzupäppeln. Und im Juli kommenden Jahres wählen die Iren ein neues Parlament - Ausgang offen.

Wenigstens in diesem Punkt ist die griechische Regierung schon weiter: Sie hat gerade die Kommunalwahlen überstanden und will auf einen vorgezogenen nationalen Urnengang verzichten.



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Ron777 17.11.2010
1. Irrsinn im Quadrat
Irrsinn im Quadrat: Jeder der 4 Mio Iren hat durch die Bankenunterstützung im Lande statistisch 25.000 Euro neue Schulden, jeder irische Arbeitnehmer ca. das Doppelte, nämlich 50.000 Euro. Hinzu kommen die schon bestehenden Staatsschulden und die noch viel wichtigere Tatsache, dass die Banken noch lange nicht über den Berg sind. Ein Großteil der Defizite stammt aus Immobilienkrediten aus dem eigenen Land. Sollte die Preise noch weiter fallen oder Privatpersonen bzw. Investoren zahlungsunfähig werden (und davon ist auszugehen), kann sich die Summe schnell verdoppeln oder verdreifachen. Und Schuld daran ist der unsegliche Euro. Ohne ihn könnte das Land abwerten, sich selbst entschulden. Sollte auch in Spanien eine solche Bankenrettung nach den Immobilienexzessen notwendig sein, könnte diese leicht die Billionengrenze durchstoßen. 40 Prozent davon wären dann deutsche Neuschulden. Die Anleger wittern die Gefahr; auch deutsche Anleihen bekommen aktuell erste Risikoaufschläge von derzeit 0,4 Prozent. Der Euro entwickelt sich zum finanzpolitischem Vietnam der Deutschen, auch dank einer mit der Materie völlig überforderten Kanzlerin.
Spiegeleii 17.11.2010
2. Achtung
Achtung! Hier spricht die BRD! Geben Sie Ihren Widerstand auf und nehmen Sie unser Geld. Dann verzichten wir auf härtere Massnahmen.
Awospezi 17.11.2010
3. Diesen Blog über den Argentinieschen Präsidenten...
Nestor Kirchner sollten mal alle lesen. So trotzt man IWF und EZB und dann gehts auch wieder bergauf. Und nicht das Gehampel von Merkel und Co KG. Das ist nur ein langes Ausbluten aller Völker Europas. Solche Menschen braucht die Welt. http://lupocattivoblog.wordpress.com/2010/11/16/argentinien-trotze-deinen-glaubigern-und-geh-deinen-weg/#more-3001
bauagent 17.11.2010
4. Die Analyse kann ja wohl nicht ernsthaft..............
.......so stehen bleiben. Die Iren sehen das Beispiel Griechenland, dass zwischenzeitlich zu einem EU-Protektorat verkommen ist. Der Grieche ist im Endeffekt nur noch Vasalle fremder EU-Eurokraten, die Nationalität hat sich erledigt. Genau davor aber haben die Iren, die so lange kämpfen mussten um Eigenständigkeit, eine horrende Angst, denn ihre Identität geht ebenso über den " Jordan ". Die Elitärgesellschaft der Hochfinanz mag einen Pass haben, eine Nationalität haben sie nicht. Insofern können sie mit Begriffen wie Heimat oder zu Hause nichts anfangen. Das könnte auch zum Bürgerkrieg führen.
serottner 17.11.2010
5. Die Bürger der EU
Zitat von Ron777Irrsinn im Quadrat: Jeder der 4 Mio Iren hat durch die Bankenunterstützung im Lande statistisch 25.000 Euro neue Schulden, jeder irische Arbeitnehmer ca. das Doppelte, nämlich 50.000 Euro. Hinzu kommen die schon bestehenden Staatsschulden und die noch viel wichtigere Tatsache, dass die Banken noch lange nicht über den Berg sind. Ein Großteil der Defizite stammt aus Immobilienkrediten aus dem eigenen Land. Sollte die Preise noch weiter fallen oder Privatpersonen bzw. Investoren zahlungsunfähig werden (und davon ist auszugehen), kann sich die Summe schnell verdoppeln oder verdreifachen. Und Schuld daran ist der unsegliche Euro. Ohne ihn könnte das Land abwerten, sich selbst entschulden. Sollte auch in Spanien eine solche Bankenrettung nach den Immobilienexzessen notwendig sein, könnte diese leicht die Billionengrenze durchstoßen. 40 Prozent davon wären dann deutsche Neuschulden. Die Anleger wittern die Gefahr; auch deutsche Anleihen bekommen aktuell erste Risikoaufschläge von derzeit 0,4 Prozent. Der Euro entwickelt sich zum finanzpolitischem Vietnam der Deutschen, auch dank einer mit der Materie völlig überforderten Kanzlerin.
retten die Banken mit deren hochriskanten Finanzprodukten und gehen damit selber Pleite. Das Pikante an der Chose: Es ist nicht weniger Geld im Umlauf. Vielleicht gibt es ja irgendwo eine aufschlußreiche Grafik, die uns zeigt wohin es fließt und wo es sich sammelt, damit der Bürger einmal Roß und Reiter zusammen sieht wie sie unbehelligt durch den Sandsturm ziehen.
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