Hamburg - Was würde es Deutschland kosten, wenn zur Stabilisierung des Euro gemeinsame Staatsanleihen kommen? Das Bundesfinanzministerium rechnet nach SPIEGEL-Informationen bei der Einführung der sogenannten Euro-Bonds mit Mehrbelastungen für den Bundeshaushalt in Milliardenhöhe. Im ersten Jahr kämen auf den Etat von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) höhere Zinskosten von bis zu 2,5 Milliarden Euro zu, im zweiten Jahr seien sie schon doppelt so hoch. Im zehnten Jahr würde die Mehrbelastung zwischen 20 und 25 Milliarden Euro liegen.
Die Experten des Finanzministeriums gehen bei ihren Berechnungen davon aus, dass die Zinsen für Euro-Bonds verglichen mit Bundesanleihen um rund 0,8 Prozentpunkte steigen. In ähnlicher Größenordnung liegen die Anleihen, die die EU-Kommission derzeit verkauft, um ihren Anteil am europäischen Rettungsschirm zu finanzieren, über dem deutschen Zinsniveau. Für diese Papiere bürgen ebenfalls alle Mitgliedstaaten gemeinsam.
Die CSU will eine weitere Belastung Deutschlands mit Staatsschulden aus dem Euro-Raum durch gemeinsame Staatsanleihen verhindern. "Beim Anleiheankauf durch die EZB haben wir die Augen noch mal zugedrückt - aber das darf nicht als Freibrief missverstanden werden", sagte der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer der "Wirtschaftswoche". "Den nächsten Schritt zur Vergemeinschaftung der Schulden machen wir nicht mit."
"Das falsche Signal an die schwächeren Volkswirtschaften"
Seehofer sagte, Euro-Bonds wohne eine inflationäre Tendenz inne. "Im Ergebnis hat man die Schulden, die Inflation und die Störung der Wachstumschancen", warnte er. Hauptursache der Krise sei die Überschuldung einzelner Staaten. "Die Überschuldung überwinden wir nicht, indem wir die Schulden auf alle verteilen", so Seehofer.
Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler schloss die Einführung Euro-Bonds aus. Sie wären "das falsche Signal an die schwächeren Volkswirtschaften", sagte der FDP-Vorsitzende der "Bild am Sonntag". Euro-Bonds würden die deutschen Zinsen steigen lassen. "Das würde unser Wachstum in Deutschland dramatisch gefährden", so Rösler. Am Freitagabend hatte sich auch Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel erneut gegen Euro-Bonds ausgesprochen.
Unterstützung bekommen die drei Parteichefs von den Jugendorganisationen der FDP und der Union. In einem gemeinsamen Papier der beiden Vorsitzenden Philipp Mißfelder (Junge Union) und Lasse Becker (Junge Liberale) heißt es laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung: "Wer für Euro-Bonds eintritt, stellt die langfristige politische und wirtschaftliche Stabilität der EU in Frage." Die Anleihen würden zu noch mehr Schulden in der Euro-Zone führen. "Dadurch würde der Euro langfristig zur Weichwährung."
Vertreter der Opposition dagegen sprechen den Anleihen das Potential zu, zur Lösung der europäischen Schuldenkrise beizutragen. Grünen-Chef Cem Özdemir räumte in der "Wirtschaftswoche" zwar ein, dass Euro-Bonds für Deutschland mit zusätzlichen Kosten verbunden seien. Aber: "Verglichen mit dem, was uns der Zerfall des Euro und damit der EU kosten würde, wäre das eine sinnvolle Investition in eine dauerhaft stabile Gemeinschaftswährung."
SPD-Finanzexperte Joachim Poß warnte vor einer Dämonisierung der Euro-Bonds. Die Kosten der Anleihen für die deutsche Volkswirtschaft könne niemand seriös schätzen. Im günstigsten Fall könne die Wirkung sogar positiv sein, wenn es gelänge, die Märkte zu stabilisieren. "Euro-Bonds sind kein Wundermittel, aber sie können die Märkte beruhigen und sind allemal besser, als immer neue Rettungsschirme aufzulegen", sagte Poß der "Wirtschaftswoche".
wit/dapd
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