Finanzlücke: Griechen-Retter wollen sich durchwursteln

Griechenland soll mehr Zeit bekommen - aber wer füllt die Finanzlücke von 32 Milliarden Euro, die dadurch im Haushalt des Landes entsteht? Bis Dienstag wollten die Euro-Partner diese Frage entscheiden. Nun zeichnet sich ab, dass es nur auf eine Zwischenlösung hinauslaufen wird.

Griechische Flagge in Athen: Wer zahlt für den Aufschub? Zur Großansicht
dapd

Griechische Flagge in Athen: Wer zahlt für den Aufschub?

Brüssel/Berlin - Kreativität ist derzeit dringend gefragt in der Euro-Zone: Griechenland braucht zwei Jahre mehr Zeit für seine Reformen, haben die Finanzminister des Währungsraums am Montag entschieden. Statt bis 2020 soll das Land seine Schulden nun erst bis 2022 auf ein tragfähiges Maß zurückführen. Das kostet mehr als 32 Milliarden Euro zusätzlich, am Dienstag nächster Woche wollen die Finanzminister darüber beraten, wie diese Lücke geschlossen werden kann. Doch offenbar zeichnet sich nun lediglich eine Zwischenlösung ab: Vorerst soll nur der bis 2014 entstehende Fehlbetrag von 13,5 Milliarden Euro gedeckt werden, wie das "Handelsblatt" und die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider berichten.

"Wir werden uns auf 2013 und 2014 konzentrieren. Dabei geht es um eine Summe von etwa 13,5 Milliarden Euro", sagte eine an den Verhandlungen beteiligte Person Reuters, ohne weitere Details zu nennen. Das "Handelsblatt" zitiert EU-Diplomaten, dieser Fehlbetrag sei aufzubringen, ohne neue Kredite für Griechenland auf den Weg bringen zu müssen. "Frisches Geld ist derzeit keine Option", sagte demnach ein Vertreter der Euro-Zone.

Mit dieser Variante würde die Euro-Zone eine Gesamtstrategie für die Rettung Griechenlands weiter auf die lange Bank schieben. Hintergrund sind die zahlreichen Zwänge, unter denen die Euro-Retter stehen: Neue Kredite für Griechenland würden den aktuellen Schuldenstand des Landes von fast 177 Prozent sprunghaft weiter erhöhen - ein Abbau auf für tragfähig gehaltene 120 Prozent rückte so in noch weitere Ferne.

Einen Schuldenschnitt für die öffentlichen Gläubiger bekämpft hingegen allen voran Deutschland, das von den Euro-Ländern die höchsten Beträge an Griechenland ausgeliehen hat und zum ersten Mal massiv auf echtes Geld verzichten müsste. Der Internationale Währungsfonds (IWF) als weiterer großer Gläubiger Griechenlands neben den Euro-Partnern wiederum hat deutlich gemacht, dass er sich an den Mehrkosten für einen zeitlichen Aufschub nicht beteiligen wird und streitet unverhohlen mit den Vertretern der Euro-Zone über die Strategie.

Zinsnachlässe als möglicher Ausweg

Für die Euro-Finanzminister wäre unter diesen Vorzeichen eine Verschiebung der Entscheidung über ein Konzept für die Zeit nach 2014 ein bequemer Weg - für die 13,5 Milliarden Euro, die bis zu diesem Zeitpunkt abgedeckt werden müssen, deuten sich bereits Lösungen an: So könnte Griechenland ein erheblicher Zinserlass auf die Kredite aus den Hilfspaketen der internationalen Gläubiger gewährt werden. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte das am Dienstag offen angesprochen: "Es mag sein, dass wir bei der Reduzierung von Zinsen ein Stück weit Maßnahmen ergreifen."

Für künftige Kredite aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF könnte sogar ein Nulltarif vereinbart werden - also zinslose Darlehen. Zusätzlich könnten auch die Laufzeiten der bereits gewährten Kredite aus den Hilfspaketen verlängert werden und Griechenland so etwas vom Druck der Rückzahlung befreit werden. Effektiv laufen aber beide Ansätze auf eine direkte Finanzierung durch die Haushalte der Euro-Partner Griechenlands hinaus, da diese auf Einnahmen verzichten würden, die sie an anderer Stelle wieder hereinholen müssen.

Laut einem Bericht der "New York Times" erwägt ein nicht näher beschriebener "Kreis aus Anwälten und Bankern" einen anderen Ansatz: Demnach könnte Griechenland seine eigenen Schulden in großem Stil aufkaufen - und damit mit relativ wenig finanziellem Einsatz seine Schuldenlast erheblich senken.

Hintergrund ist demnach der Wertverfall der Staatsanleihen, die das Land im Rahmen des privaten Schuldenschnitts im Frühjahr dieses Jahres ausgegeben hatte. Die Schuldverschreibungen im Nominalwert von 62 Milliarden Euro werden auf den Märkten nur noch auf etwa 15 Milliarden Euro taxiert. Würde Griechenland mit Hilfe seiner Geldgeber diese Anleihen mit einem geringen Aufschlag kaufen, könnte es seine Schuldenlast auf diese Weise auf einen Schlag um 30 bis 40 Milliarden Euro senken. Allerdings erteilen laut dem Bericht viele Hedgefonds als Besitzer dieser Staatsanleihen solchen Gedankenspielen eine Absage.

fdi/Reuters

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insgesamt 93 Beiträge
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1. Also bitte...
elwu 15.11.2012
"Einen Schuldenschnitt für die öffentlichen Gläubiger bekämpft hingegen allen voran Deutschland, das von den Euro-Ländern die höchsten Beträge an Griechenland ausstehen hat und zum ersten Mal massiv auf echtes Geld verzichten müsste" Das ist FALSCH. Deutschland hat dank des ersten Haircuts bisher rund 24,8 Milliarden Euro verloren über die Abschreibungen bei den Bad Banks sowie der Commerzbank. Das ist noch nicht alles, da den Banken ein Verlustvortrag eingeräumt wurde, werden die über die Jahre weitere Milliarden abschreiben. Alles ganz reale Verluste des Steuerzahlers, alles 'echtes Gteld'.
2. Welche Partei
ag999 15.11.2012
Welche Partei kann man 2013 wählen das das aufhört ?
3. Chuck Norris kann den Euro retten
shokaku 15.11.2012
Zitat von sysopGriechen-Retter wollen sich durchwursteln
Das machen sie ja nun schon seit einige Jahren. Aber so sieht es halt aus, wenn man versucht ein totes Pferd zu reiten.
4. Die unendliche Geschichte
SirN 15.11.2012
Im Südosten nichts neues! Oder: Wie vernichtet man gutes Geld. Unsere Bänker-geschmierten Politiker haben ganze Arbeit verrichtet! Bin mal gespannt in welchem Banken-Aufsichtsrat Frau Merkel und Herr Schäuble in 5 Jahren sitzen. Wenn es nicht um unsere Zukunft ginge könnte man sich herzlich darüber amüsieren wie durchsichtig die Damen und Herren agieren.
5. Schuldenschnitt und deutscher Austritt aus der EU.....
unangepasst 15.11.2012
lieber ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende!
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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