Berlin - Deutsche Bundesanleihen, US-Bonds oder norwegische Staatspapiere - ein paar Anlagen gibt es noch, die an den Finanzmärkten als sicher gelten. Doch sie könnten zur Mangelware werden, warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) in seinem globalen Finanzstabilitätsbericht, den er in Teilen am Mittwoch veröffentlichte.
"Die Zahl der staatlichen Schuldner, deren Kreditpapiere als sicher gelten, hat abgenommen", heißt es dort. Immer weniger private und öffentliche Emittenten könnten hohe Standards bieten. Dies gefährde die Weltfinanzstabilität.
Analysen zeigen dem Bericht zufolge, dass bis 2016 Staatspapiere im Volumen von rund neun Billionen Dollar aus der Kategorie der sicheren Anlagen herausfallen könnten - das wären rund 16 Prozent der öffentlichen Kreditaufnahme weltweit. Auch der private Sektor biete immer weniger sichere Anlageprodukte.
Zugleich nehme aber die Nachfrage nach sicheren Anlagen zu. Grund dafür seien vor allem die Schwankungen an den Märkten, aufsichtsrechtliche Reformen sowie die Krisenpolitik der großen Zentralbanken in den Industrieländern.
"Keine Anlage kann als wirklich sicher gelten"
Die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) haben seit Beginn der Krise 2007 viel Geld in die Finanzmärkte gepumpt, um die Banken zu stützen. Vor allem die EZB hat diesen Kurs jüngst noch verschärft und rund eine Billionen Dollar für drei Jahre an die Kreditinstitute in der Euro-Zone verliehen.
Dieses Geld muss irgendwo angelegt werden - und zwar möglichst sicher. Doch unter diese Kategorie fallen vor allem Staatsanleihen immer seltener. Deshalb stürzen sich alle Investoren auf die wenigen Produkte, die noch als sicher gelten - und bescheren so zum Beispiel Deutschland und den USA Minizinsen für deren Staatspapiere.
Die Experten des IWF erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzen wird: "Der Mangel an sicheren Vermögensanlagen wird den Preis für diese Sicherheit hochtreiben", heißt es in dem Bericht. Zudem würden die Investoren gezwungen, im Wettlauf um schützende Produkte ihre Sicherheitsanforderungen zurückzunehmen.
Der IWF schreibt den Finanzanlagen höchster Sicherheitsgüte eine Schlüsselrolle für die globalen Finanzmärkte zu. Sie stünden für Wertbeständigkeit, würden als Sicherheit für Rückkauf- und Derivategeschäfte genutzt und stellten auch ein zentrales Element zur Erfüllung aufsichtsrechtlicher Regeln dar.
Die Lehre aus der Staatsschuldenkrise lautet dem IWF zufolge: "Keine Anlage kann als wirklich sicher gelten." Vor der Krise habe sich die Welt zum Teil in einem falschen Sicherheitsgefühl gewogen, das nun einer realistischeren Einschätzung gewichen sei.
Die Experten fordern die Politik deshalb auf, mit ihren Auflagen für den Finanzsektor flexibel und schrittweise vorzugehen. Ziel sei es, Risiken für die Finanzstabilität zu vermindern. Aufsichtsrechtliche Vorgaben für Finanzmarktakteure sollten deshalb ausreichend differenziert sein.
stk/Reuters
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