Fipronil-Skandal Aldi nimmt sämtliche Eier aus dem Verkauf

Mit Fipronil kontaminierte Eier wurden inzwischen in zwölf Bundesländern gefunden. Aldi Süd und Aldi Nord nehmen jetzt deutschlandweit sämtliche Eier aus dem Verkauf.

Millionen Eier werden  infolge des Fipronil-Skandals  in den Niederlanden zerstört
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Millionen Eier werden infolge des Fipronil-Skandals in den Niederlanden zerstört


Der Skandal um die mit Fipronil belasteten Eier zwingen die Lebensmittelhändler zum Handeln. Jetzt kündigten die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd an, den Verkauf von frischen Eiern vorläufig einzustellen. Es handele sich um eine "reine Vorsichtsmaßnahme", es könne weiter von keiner gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgegangen werden, hieß es in der Mitteilung.

Von sofort an dürften nur noch Eier an Aldi geliefert werden, für die ein Nachweis vorliege, dass sie negativ auf fipronilhaltiges Anti-Läusemittel getestet seien. Die Unternehmen teilten mit, das Vorgehen werde möglicherweise dazu führen, dass es zu Engpässen bei der Versorgung mit Eiern kommt.

Die Unternehmensgruppen begründeten ihr Vorgehen den Angaben zufolge damit, dass sie "Klarheit und Transparenz" bei ihren Kunden herstellen wollten. Schon seit Anfang der Woche beziehe Aldi keine Eier mehr aus gesperrten niederländischen Betrieben. Zudem seien in den vergangenen Tagen in einzelnen Regionen Freiland-, Bodenhaltungs- und Bio-Eier vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, wie es weiter hieß.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hält den Skandal inzwischen auch für einen Skandal von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Es könne nicht sein, dass der Minister "tagelang in der Versenkung verschwindet, während die Verbraucher verunsichert sind", sagte die Politikerin der "Passauer Neuen Presse". Der Skandal sei "kein Skandal der Biohaltung", betonte Göring-Eckardt. "Vielmehr haben Reinigungsmittelhersteller aus Belgien und womöglich auch den Niederlanden mit Insektiziden gepanscht." Zudem sei es "unerträglich, wie das dem Bundeslandwirtschaftsministerium unterstehende Bundesamt für Risikobewertung abwiegelt", sagte die Politikerin.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) fordert auch Konsequenzen beim Bund. Das Insektizid Fipronil müsse in das bundesweite Rückstandsmonitoring für Lebensmittelkontrollen aufgenommen werden. "Wir haben schon Anfang der Woche dazu aufgefordert, Fipronil aufzunehmen, und dass alle Bundesländer und Landkreise regelmäßig eine Zahl von Stichproben machen sollen von Eiern, die im Verkauf sind", sagte Meyer. Das sollte nicht nur für Eier aus den Niederlanden gelten, sondern auch für Eier aus Deutschland.

Der Skandal zieht Kreise: Inzwischen sei von zwölf betroffenen Bundesländern auszugehen, hatte Schmidt am Donnerstagabend in Berlin gesagt. Die Schwerpunkte lägen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Es gebe zwar "noch keine Entwarnung", die Lage sei aber unter Kontrolle. Ein Ursprung des Skandals sind belastete Eier aus den Niederlanden, die auch in Deutschland in den Handel gelangten - darunter Bio-Eier. Vorerst nicht betroffen waren laut Bundesministerium die vier Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und das Saarland.

Auch verarbeitete Produkte betroffen

Meyer sagte, es sei davon auszugehen, dass auch in verarbeiteten Produkten mit Fipronil belastete Eier verarbeitet worden seien, etwa in Kuchen oder Nudeln. Er habe angewiesen, dass die kommunalen Lebensaufsichtsbehörden auch stichprobenartig in den Supermärkten Proben nehmen. Das laufe aber erst an. "Aber man muss dem nachgehen. Wenn es eine hohe Belastung gibt, besteht möglicherweise auch hier eine Gesundheitsgefahr", sagte der Minister.

Nach Angaben des Bundesinstitut für Risikobewertung gibt es vorerst keine Befunde für einen möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei. Bisher vorliegende Daten lägen "um einen Faktor zehn unterhalb" des kritischen Werts, ab dem von einer Gefährdung für Erwachsene wie Kinder auszugehen sei. Dieser Wert gelte sowohl für lose Eier als auch für verarbeitete Produkte.

Insgesamt 180 Betriebe hatten ein Anti-Läusemittel eingesetzt, dem das für Nahrungsmittel verbotene Fipronil beigemischt worden war. Zu den Ermittlungen gegen das flämische Unternehmen, das als Verursacher verdächtigt wird, machte die Staatsanwaltschaft in Antwerpen keinerlei Angaben.

mik/dpa



insgesamt 119 Beiträge
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der_nachtarbeiter 04.08.2017
1. Der Preis der Massentierhaltung
Das ist halt der Preis, den wir für die Massentierhaltung für günstige Lebensmittel bezahlen müssen. Da kommt bestimmt noch mehr-viel mehr. Am besten nur das Essen, was im eigenen Garten wächst.
hwdtrier 04.08.2017
2. Die nächste
Sau wird durch das Dorf getrieben. Die Grenzwerte sind so niedrig dass man von der realen Gefährdung ausgehend mehr als 50 Eier täglich essen kann ehe man in den Gefährdungsbereich kommt.
Circular 04.08.2017
3. Warum findet keiner Fipronil in Käfighaltung?
Ganz einfach, weil dort keiner sucht und Eier aus Käfighaltung nicht mehr in den Einzelhandel kommen, sondern nur in die industrielle Weiterverarbeitung.
blueshift774 04.08.2017
4. Welcher gesetzlich geschützte Prozess...
... stellt eigentlich sicher, dass diese vergiftete Eierpampe bei der Entsorgung nicht unbemerkt mit Flüssig-Ei vermischt und dann wieder "biologisch gewaschen" als Egg Mc Muffin auftaucht? Das würde mich mal interessieren. Wer garantiert das eigentlich dem Verbraucher?
ow2011 04.08.2017
5. Insektizide, Pestizide, Massentierhaltung
gefährlicher für die Gesundheit von vielen Menschen als Dieselabgase, gibt aber im SPON immer nur am Rande eine Schlagzeile! Wahrscheinlich weil man keine Enthüllungsgeschichte aufgedeckt hat wäre aber wenn man wirklich kritischen und seriösen Journalismus betreibt, mal öfter eine Zeile wert!
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