40-Milliarden-Dollar-Projekt: Firmen aus China sollen Nicaragua-Kanal bauen

Möglicher Kanalbau-Fluss Río San Juan: Zuschlag für Bau geht nach Hongkong Zur Großansicht
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Möglicher Kanalbau-Fluss Río San Juan: Zuschlag für Bau geht nach Hongkong

Nicaragua will Panama Konkurrenz machen: Ein Kanal durch das Land soll Atlantik und Pazifik verbinden, im kommenden Jahr könnten die Arbeiten beginnen. Den Zuschlag für den Bau hat sich nun ein Konsortium aus China gesichert - unklar ist, ob es den Kanal auch betreiben darf.

Managua - Noch fehlt die Machbarkeitsstudie für das Projekt - der Auftrag ist aber offenbar bereits vergeben: Firmen aus China sollen den in Nicaragua geplanten Kanal zwischen Atlantik und Pazifik bauen. Präsident Daniel Ortega sagte, ein Konsortium aus Hongkong habe die Konzession zum Kanalbau erhalten. Einen Namen nannte Ortega allerdings nicht. Auch Parlamentspräsident Rene Núñez zufolge hat eine chinesische Firma den Zuschlag erhalten.

Laut Núñez soll der Bau der rund 200 Kilometer langen Wasserstraße 40 Milliarden Dollar kosten. Zu dem Projekt gehören laut Ortega auch eine Eisenbahnlinie, zwei Flughäfen sowie eine Ölpipeline. Beginnen sollen die Arbeiten im Mai 2014 - allerdings wird Ortega zufolge auch dann erst die Machbarkeitsstudie fertig sein. Erstellt wird sie von einer ebenfalls chinesischen Firma namens HK-Nicaragua.

Bereits im Sommer vergangenen Jahres hatte das Parlament von Nicaragua grünes Licht für den Bau des Kanals gegeben. Die Hoffnung: Mit den Einnahmen aus einem solchen Kanal könnte das zentralamerikanische Land der Armut entkommen.

Konzession auch für Betrieb?

Die Kosten sollen der Staat und private Investoren tragen - im Rahmen der Parlamentsabstimmung im vergangenen Jahr war von einem Anteil Nicaraguas von 51 Prozent die Rede. Allerdings stellen die geschätzten 40 Milliarden Dollar Baukosten das Fünffache des Bruttoinlandsprodukts des Landes dar. Ortega sprach daher beim Empfang neuer Botschafter aus Brasilien, Kanada, der Schweiz und Saudi-Arabien über das Projekt und lud diese Länder ein, in den Kanalbau zu investieren.

Zwei oppositionellen Abgeordneten zufolge soll die Konzession nicht nur für den Bau des Kanals gelten, sondern auch für dessen Betrieb und für 100 Jahre vergeben werden. Sie kritisierten, dass bereits am Freitag über Gesetze abgestimmt werden soll, die den Bau beschleunigen sollen, unter anderem durch Änderungen bei der Umweltfolgenabschätzung.

Präsident Ortega und Parlamentschef Núñez hingegen beantworteten keine Fragen dazu, ob das chinesische Konsortium auch den Betrieb übernehmen werde.

Grenzstreitigkeiten mit Costa Rica

Sollte es jedoch dazu kommen, wäre es eine erstaunliche Parallele zum Panamakanal: Dieser wurde maßgeblich von den USA gebaut, im Jahr 1914 eingeweiht und stand bis 1999 unter US-amerikanischer Kontrolle. Auf diese Weise sicherte sich die damals aufstrebende Macht erheblichen Einfluss auf einen der wichtigsten Handelswege - und garantierte zudem den eigenen Zugang dazu. Pikant ist allerdings, dass Firmen aus China eine wichtige Handelsroute quasi im Hinterhof der USA kontrollieren würden.

Bislang unterhalten Nicaragua und China nicht einmal diplomatische Beziehungen, weil Nicaragua Taiwan als Staat anerkannt hat, die Regierung in Peking die Insel aber als abtrünnige Provinz betrachtet.

Das Kanalprojekt könnte zudem die Spannungen zwischen Nicaragua und dem südlichen Nachbarland Costa Rica verschärfen. Eine der anvisierten Routen würde den Río San Juan nutzen. Der Fluss bildet einen Großteil der Grenze zu Costa Rica, die schon seit einem Jahrhundert umstritten ist.

fdi/AFP

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insgesamt 83 Beiträge
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1. gut
RagabAbdelaty 06.06.2013
und die Deutschen bauen immer noch den "genialen" Flughafen in Berlin und kaufen die US-Drohnen ... waw, wie klug!
2. Geringe Lebenshaltungskosten, Schlüssel zur Expansion
founder 06.06.2013
Nur in wenigen Zentren Chinas sind die Immobilienpreise wie in teuren deutschen Städten. Sonst sind dort die Kosten für Wohnen und Essen deutlich geringer. Ob nur bei diesem Kanal oder das Bergbauprojekt in Grönland, hochqualifizierte Arbeiter können mit relativ geringen Gehältern motiviert werden, weil eben dieer geringe Gehalt ausreicht sich in der chinesischen Heimat eine Existenz aufzubauen. In Deutschland hingegen die hemmungslose Umverteilung von Arm zu Reich, die große Ausbeutung über immer höhere Wohnkosten. So wird die Konkurrenzfähigkeit von Deutschland systematisch vernichtet.
3. Weltmacht China
hubertrudnick1 06.06.2013
Zitat von sysopDPANicaragua will Panama Konkurrenz machen: Ein Kanal durch das Land soll Atlantik und Pazifik verbinden, im kommenden Jahr könnten die Arbeiten beginnen. Den Zuschlag für den Bau hat sich nun ein Konsortium aus China gesichert - unklar ist, ob es den Kanal auch betreiben darf. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/firmen-aus-china-sollen-nicaragua-kanal-fuer-40-milliarden-dollar-bauen-a-904262.html
China beschreitet zügig seinen Weg zur Weltmacht Nummer Eins. Was früher mal von Europa und Amerikanern kam, das haben nun die Chinesen übernommen. HR
4. Auch im Internationalen Baugewerbe
heinz4444 06.06.2013
hat Deutschland schon viele seiner Marktanteile an China verloren. Holzmann schon lange abgwickelt,Hochtief in Spanischer Hand und deren Beispiele gibt es noch viele.
5. So wie ThyssenKrupp?
stiip 06.06.2013
Zitat von sysopDPANicaragua will Panama Konkurrenz machen: Ein Kanal durch das Land soll Atlantik und Pazifik verbinden, im kommenden Jahr könnten die Arbeiten beginnen. Den Zuschlag für den Bau hat sich nun ein Konsortium aus China gesichert - unklar ist, ob es den Kanal auch betreiben darf. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/firmen-aus-china-sollen-nicaragua-kanal-fuer-40-milliarden-dollar-bauen-a-904262.html
Wollen wir hoffen, dass die nicaragüensischen Projektverantwortlichen etwas genauer hinsehen als die Experten von ThyssenKrupp, die bei ihrem Skandal-Stahlwerk bei Rio (http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-12/thyssenkrupp-bilanz) auf chinesischen Billigstahl und chinesische Auftragnehmer setzten und damit den Traditionskonzern beinahe versenkten. Viel Hoffnung hab ich allerdings nicht.
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