Flüchtlinge Bundesagentur für Arbeit will Asylbewerbern Wohnort vorschreiben

Die Bundesagentur für Arbeit wünscht sich für Asylbewerber eine drei Jahre andauernde Residenzpflicht. BA-Vorstand Becker fordert laut Zeitungsberichten, Flüchtlinge den Umzug nur zu erlauben, wenn sie Wohnung und Arbeitsplatz haben.

Erstaufnahmestelle in Thüringen: "Willkommen" - und bitte nicht weiterziehen
DPA

Erstaufnahmestelle in Thüringen: "Willkommen" - und bitte nicht weiterziehen


Über die Unterbringung von Asylbewerbern wird viel gestritten, viele Kommunen sind überlastet und die Organisation der Flüchtlingsströme ist kompliziert. Jetzt hat sich offenbar die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit einem vertraulichen Schreiben an den saarländischen Innenminister Klaus Bouillon gewandt, der derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz ist.

Darin spricht sich BA-Vorstand Raimund Becker laut übereinstimmenden Berichten der "Bild"-Zeitung und der "B.Z." für eine dreijährige Residenzpflicht für Asylbewerber aus.

Flüchtlinge sollten demnach nur dann ihren Wohnsitz ändern können, wenn sie woanders im Bundesgebiet eine Wohnung und einen Arbeitsplatz fänden. Seit 1. Januar muss jeder Asylbewerber an seinem Wohnort bleiben - allerdings nur für drei Monate. In dem Papier warnt Becker den Berichten zufolge, durch ungesteuerten Zuzug könne es zu einer Gettoisierung insbesondere in Metropolregionen wie Berlin kommen. Außerdem drohten Parallelgesellschaften.

Viele Flüchtlinge ziehe es in Regionen, in denen schon Gemeinschaften mit gleicher oder ähnlicher Nationalität und kulturellem Hintergrund lebten, heißt es demnach in dem Schreiben. Der ungesteuerte Zuzug könne jedoch "langfristige soziale und gesellschaftliche Herausforderungen mit sich bringen, die aktuell als risikobehaftet bewertet werden müssen". Auch nach ihrer Anerkennung, so wird aus dem Papier zitiert, sollen Flüchtlinge ihren Wohnsitz drei Jahre beibehalten.

Becker warne in dem Papier vor den Folgen fehlender Sprachkenntnisse, steigender Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit. "Viele zieht es in Regionen, in denen schon Communitys mit gleicher/ähnlicher Nationalität oder/und kulturellem Hintergrund leben", zitiert die "B.Z.".

nck/Reuters

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