Umfrage Deutsche sehen Integration von Zuwanderern als dringendste Aufgabe

Welche Herausforderungen muss ein Land angehen? In Deutschland sind sich die Befragten einer Untersuchung dabei sehr einig. Woanders sorgen sich die Menschen eher um finanzielle Sicherheit.

Besucher einer Infoveranstaltung für Flüchtlinge an der FU Berlin
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Besucher einer Infoveranstaltung für Flüchtlinge an der FU Berlin


Es war das Thema des vergangenen Jahres: Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland kamen. Kaum ein Tag im Spätsommer, Herbst und Winter verging, ohne Bilder und Berichte über ankommende Frauen, Männer und Kinder. Malzeigte sich Deutschland dabei von seiner freundlichen Seite und begrüßte die Flüchtlinge mit Applaus, mal von seiner hässlichen Seite in Form rassistischer Übergriffe.

Wenige Monate später bewertet eine große Mehrheit in Deutschland Zuwanderung und Integration als dringendste Aufgabe des Landes. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des GfK Vereins hervor, die SPIEGEL ONLINE vorab vorlag. Der Verein ist Miteigentümer der Gesellschaft für Konsumforschung und betreibt Grundlagenforschung.

Demnach gaben 83 Prozent der Befragten Zuwanderung/Integration als dringendste Aufgabe an. Damit hat diese Aufgabe binnen eines Jahres deutlich an Stellenwert gewonnen. 2015 nannten lediglich 35 Prozent der Befragten diese Punkte als wichtigste Herausforderung. Ähnlich dringend schätzten Deutsche diese Themen zuletzt 1992 ein, damals waren es 68 Prozent der Befragten.

Jeder Fünfte lehnt weitere Zuwanderung ab

In den vergangenen 25 Jahren ist die Lage aus Sicht der Studienautoren differenzierter geworden. "Zwar ist die Zahl der Integrationsbefürworter gestiegen. Aber: Die Ablehner einer weiteren Zuwanderung haben noch viel mehr zugenommen", sagt Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins. Unter denjenigen, die Zuwanderung/Integration als dringendste Aufgaben angeben, sprach sich demnach jeder Fünfte gegen eine weitere Zuwanderung aus.

Angesichts der Flüchtlingsdebatte sind andere Themen offenbar in den Hintergrund gerückt. 13 Prozent der Befragten nannten Arbeitslosigkeit als dringend zu lösende Aufgabe, jeder Zehnte führte zudem Armut, Kriminalität und Politik/Regierung an. Besonders bei der Arbeitslosigkeit hat sich die Einstellung in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt: Noch vor zehn Jahren sahen 80 Prozent der Befragten darin die dringendste Aufgabe in Deutschland. Die Einschätzung geht einher mit der sinkenden Arbeitslosenzahl: Im Juni 2006 lag die Quote laut Statistischem Bundesamt bei 10,5 Prozent - im Juni 2016 bei 5,9 Prozent.

Insgesamt befragte der GfK Verein 27.600 Menschen in 24 Ländern - zum ersten Mal auch in Mexiko und auf den Philippinen. Weltweit wurde allen Teilnehmern dieselbe Frage bezogen auf ihr Land gestellt: "Was sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Aufgaben, die heute in (jeweiliges Land) zu lösen sind?"

Über Ländergrenzen hinweg antworteten die meisten Befragten darauf Inflation und Arbeitslosigkeit. Bei den einzelnen Ländern zeigen sich indes vor allem in Europa deutliche Unterschiede: Wie in Deutschland nannten auch in Österreich, Schweden, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden und Großbritannien die zwischen 33 und 60 Prozent der Befragten Integration und Zuwanderung. In Spanien, Frankreich, Italien und Polen hingegen wurde Arbeitslosigkeit von 34 bis 65 Prozent der Befragten als dringendste Aufgabe bewertet.


Im Rahmen der Studie "Challenges of Nations" hat der GfK Verein im Februar und März 2016 in Deutschland insgesamt 2104 Menschen ab 14 Jahren befragt. Mehrfachnennungen waren möglich. Die Umfrage ist repräsentativ.

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brk

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