Deutschland Nur 34.000 Flüchtlinge haben einen Job - 400.000 suchen noch

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt kommt nur stockend voran. Immerhin sind durch die Krise rund 50.000 neue Jobs entstanden - für Deutsche.

Syrischer Auszubildender bei Porsche (Archiv)
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Syrischer Auszubildender bei Porsche (Archiv)


In den vergangenen Monaten hat nur ein Bruchteil der Flüchtlinge in Deutschland reguläre Arbeit erhalten. Von Dezember 2015 bis November 2016 schafften gerade einmal 34.000 Einwanderer aus den wichtigsten nicht-europäischen Asylherkunftsländern den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt. Darunter seien unter anderem Syrien, Irak, Afghanistan und Nigeria, sagte der Direktor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller. Das IAB ist das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

Demgegenüber steht die Zahl von 406.000 Flüchtlingen, die als arbeitssuchend gemeldet und bei Arbeitsagenturen und Jobcentern registriert sind. Etwa 160.000 sind als arbeitslos erfasst.

IAB-Chef Möller geht davon aus, dass die Einbindung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt - trotz brummender Konjunktur - weiter nur langsam vorankommen wird: "Wenn wir es geschafft haben, nach fünf Jahren 50 Prozent in Lohn und Brot zu bekommen, ist das sicherlich ein Erfolg." Dafür müsse allerdings mehr in die Integration investiert werden.

2015 und in den ersten elf Monaten des Jahres 2016 beantragten laut Bundesinnenministerium knapp 1,2 Millionen Menschen hierzulande Asyl.

Kaum Chancen in der Industrie

Von den 34.000 Flüchtlingen, die bereits Arbeit gefunden haben, jobbt rund jeder fünfte als Leiharbeiter (22 Prozent). An zweiter Stelle stehen wirtschaftsnahe Dienstleistungen ohne Zeitarbeit mit 20 Prozent. "Nimmt man das Gastgewerbe dazu, sind insgesamt 57 Prozent der Menschen in diesen Bereichen beschäftigt", so Möller.

IAB-Chef Möller hält es für "eine Illusion, zu glauben, dass wir eine große Zahl der Geflüchteten in unseren gut bezahlten Industriearbeitsplätzen wie beispielsweise der Automobilindustrie haben werden". Zeitarbeit habe für Migranten aber eine besondere Funktion. Viele Betriebe seien zunächst sehr skeptisch, Zeitarbeit helfe, erste Bedenken zu nehmen.

Mehr Hintergrund über Flüchtlinge am Jobmarkt:Der Traum von der Blitz-Integration

Im Ein-Euro-Job-Programm für Flüchtlinge gibt es rund vier Monate nach dem Start noch weit weniger solche Arbeitsgelegenheiten als insgesamt geplant. "Nach ersten Zahlen entstanden bisher rund 5000", sagte Möller. Das von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) initiierte Programm startete am 1. August und soll 100.000 öffentlich geförderte Jobs für Flüchtlinge schaffen.

Durch die Flüchtlingsmigration entstanden allerdings auch neue Arbeitsplätze. "Wir rechnen mit einer Größenordnung im mittleren fünfstelligen Bereich, mit etwa 50.000 oder 60.000", sagte Möller. "Beschäftigungszuwachs gab es etwa im Bau, bei außerschulischen Lehrtätigkeiten und Sprachlehrern, Wachleuten, Sozialarbeitern und in der öffentlichen Verwaltung."

beb/dpa

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