Unterbringung von Flüchtlingen Wie wäre es mit einem Banken-Tower?

Viele Städte suchen derzeit nach Wohnraum für Flüchtlinge, vor allem in Gewerbeimmobilien. Dazu gehören auch Bürogebäude, in denen Millionen Quadratmeter leer stehen. Welche Städte besonders große Reserven haben, zeigt die Infografik der Woche.


Statista, SPIEGEL ONLINE

Hunderte Flüchtlinge erreichen Hamburg jeden Tag. Um sie unterzubringen, kann die Stadt nun auch leer stehende Immobilien beschlagnahmen. Laut einem jüngst verabschiedeten Gesetz sind Privatwohnungen davon aber ausgenommen, stattdessen sollen vor allem größere Hallen temporär umgenutzt werden. Deutlich mehr Potenzial bestünde allerdings, wenn auch Büroflächen einbezogen würden.

Wie die Infografik der Woche von Statista und SPIEGEL ONLINE zeigt, stehen in Deutschland Büroflächen in beachtlichem Umfang leer. Allein in 13 ausgewählten Großstädten sind es 7,76 Millionen Quadratmeter, wie Berechnungen des Maklerverbunds Deutsche Immobilien-Partner (DIP) für Ende Juni ergeben. Demnach werden 7,5 Prozent der Büroflächen in diesen Städten derzeit nicht genutzt.

Was diese Werte bedeuten, veranschaulicht die Infografik der Woche mithilfe eines Gedankenexperiments: Wie hoch wäre ein Gebäude, welches die gesamte frei stehende Bürofläche einer Stadt beinhaltet? Zum Vergleich dient der Frankfurter Commerzbank Tower. Mit seinen 259 Metern und 62 Stockwerken ist es das höchste Bürogebäude Deutschlands. Und wirkt neben den fiktiven Leerstandstürmen beinahe winzig.

Höchste Leerstandsquoten in Leipzig

Damit der Vergleich funktioniert, orientieren sich die fiktiven Gebäude an den Maßen des Commerzbank Towers. Ihre Grundrissfläche beträgt pro Stockwerk knapp 2000 Quadratmeter, die Stockwerkshöhe 4,18 Meter.

Den höchsten Leerstandsturm hätte Frankfurt am Main, wo Mitte des Jahres 11,3 Prozent der Büroflächen nicht genutzt wurden - insgesamt 1,37 Millionen Quadratmeter. Würde man die leer stehenden Frankfurter Flächen in einem Gebäude zusammenfassen, so hätte dieses eine Höhe von knapp 3000 Metern. In Berlin würde sich der Leerstand auf immerhin 2660 Meter türmen, in München auf 2574 Meter. In beiden Städten liegt die Leerstandsquote aber lediglich zwischen sechs und sieben Prozent.

Unter den Städten im Gedankenexperiment erreichen nur Magdeburg und Rostock nicht die Höhe des Commerzbank Towers. In Rostock wäre der Leerstandsturm lediglich 97 Meter hoch, mit einer Bruttogeschossfläche von 45.000 Quadratmetern. In der Realität stehen in der Hansestadt nur 5 Prozent aller Büroflächen leer. In Stuttgart ist die Leerstandsquote mit 3,9 Prozent noch niedriger.

Stuttgart und Rostock sind es auch, die im langfristigen Vergleich den geringsten Anteil leer stehender Büroflächen haben. Am höchsten dagegen ist die Quote seit Ende 2009 in Leipzig, wo in diesem Jahr noch 12,6 Prozent der Büroflächen nicht genutzt wurden. Im Gedankenexperiment entsteht aus diesen 425.000 Quadratmetern ein Leerstandsturm von immerhin 912 Metern Höhe.

Der langfristige Vergleich zeigt: Insgesamt sinken die Leerstandsquoten, bewegen sich aber noch immer auf einem relativ hohen Niveau. Die Flächenreserven in deutschen Großstädten sind also beachtlich - selbst wenn man berücksichtigt, dass der Markt für Büroimmobilien etwa für Firmenumzüge einen gewissen Spielraum braucht.

Wie sollte man also mit leer stehenden Bürogebäuden umgehen? Eine Debatte darüber erscheint angebracht - gerade in Zeiten, in denen Städte händeringend nach Grundstücken suchen und Zeltlager sich angesichts sinkender Temperaturen kaum noch als Notlösung eignen.


Mehr Infografiken der Woche finden Sie auf der Themenseite.

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Andreas Grieß (Statista)/che/pst

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