Arbeitsmarkt Zehntausende Flüchtlinge finden Job in Deutschland

Zehntausende Jobs sind wegen der Flüchtlingskrise entstanden - und viele Migranten finden auch selbst Arbeit in Deutschland: 30.000 seien es binnen einem Jahr gewesen, sagt Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise.

Afghanischer Asylbewerber in Berliner Betrieb
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Afghanischer Asylbewerber in Berliner Betrieb


In Deutschland haben mindestens 30.000 Flüchtlinge seit Frühjahr vergangenen Jahres einen Job gefunden. "Die Flüchtlinge gehen zumeist in Branchen, in denen bei uns Mangel herrscht", sagte der Chef der Flüchtlingsbehörde Bamf, Frank-Jürgen Weise, der "Rheinischen Post". Die Zahl setze sich aus sozialversicherungspflichtigen Jobs und Mini-Jobs zusammen. Eine weitaus größere Anzahl von Asylbewerbern sei allerdings arbeitslos.

Aus den acht wichtigsten nicht-europäischen Herkunftsländern von Flüchtlingen arbeiteten demnach im April rund 96.000 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs. "Das sind 22.000 mehr als ein Jahr zuvor, also ein Anstieg um 29 Prozent", sagte Weise, der auch die Bundesagentur für Arbeit leitet. Nehme man auch andere Arbeitsgelegenheiten wie Mini-Jobs hinzu, sei die Zahl um 30.000 gestiegen.

Zwischen April 2015 und März 2016 sei etwa jeder vierte beschäftigte Flüchtling in die Leiharbeit gegangen, gefolgt von Dienstleistungen wie Gebäudereinigung oder Wachdienste. Danach kämen das Gastgewerbe, der Handel sowie Jobs in Kfz-Werkstätten und dem Gesundheits- und Sozialwesen.

"Auf der anderen Seite haben wir aus dem Kreis der Asylbewerber heute schon 130.000 Menschen, die arbeitslos in der Grundsicherung leben", so Weise. Unklar ist, wie hoch genau der Anteil der Flüchtlinge mit Arbeitsplatz unter denjenigen Asylbewerbern ist, die in Deutschland arbeiten dürfen - dies ist in der Regel erst nach einigen Monaten und unter Auflagen möglich.

Erst vor Kurzem war das IAB-Forschungsinstitut der Arbeitsagentur zu dem Ergebnis gekommen, dass auch Flüchtlinge ohne Berufsabschluss und gute Deutschkenntnisse in den Arbeitsmarkt integriert werden können. In Deutschland gebe es rund 154.000 Jobangebote, die von gering qualifizierten Flüchtlingen besetzt werden könnten. Besonders dringend suchen Branchen wie Reinigung, Verkehr und Logistik sowie Bau- und Ausbau entsprechende Kräfte.

In der Studie warnte deren Autor Enzo Weber zugleich, dass für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration nicht nur auf unmittelbar geeignete Stellen zurückgegriffen werden dürfe. Durch Investitionen in sprachliche und berufliche Ausbildung könnten weitere Segmente des Arbeitsmarkts mit stärkerem Kräftebedarf, höheren Löhnen und größeren Karrieremöglichkeiten erschlossen werden.

Wegen der hohen Zahl von Flüchtlingen seien in Deutschland Zehntausende Jobs entstanden, hatte die IAB Ende April berichtet. Im Vergleich zum Vorjahr gäbe es überdurchschnittlich viele neue Jobs in den Bauberufen. Gleiches gelte für Lehrtätigkeiten, dem Objekt- und Personenschutz, die öffentliche Verwaltung sowie für Sozialberufe.

mxw/dpa

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