Flugausfälle Barley will Rechte von Passagieren stärken

Blöd, wenn die Erinnerungen an den vergangenen Sommerurlaub von Chaos am Flughafen und verpassten Anschlussflügen geprägt sind - und man dann auch noch auf seinem Schaden sitzen bleibt. Justizministerin Barley will das jetzt ändern.

Flughafen Hamburg
dpa

Flughafen Hamburg


"Wenn jemand eine Reise tut, dann kann er was erzählen". Als der Dichter Matthias Claudius diese Zeile schrieb, ahnte er nicht, dass die Berichte gut 200 Jahre später bereits beim Check-in am Flughafen beginnen - und beim Zuhörer keineswegs die Sehnsucht wecken, dabei gewesen zu sein. Zu oft nämlich wälzen Fluggesellschaften ihr Betriebsrisiko auf ihre Kunden ab. Und wenn die sich wehren, oder nur den Schaden ersetzt bekommen wollen, der ihren durch die Verspätung oder gar Annullierung ihres gebuchten Fluges entstanden ist, stoßen sie regelmäßig auf taube Ohren.

Die "Welt" berichtet unter Berufung auf eine Analyse des Fluggasthelfer-Portals AirHelp, dass nirgendwo in Europa Flugreisende mehr Anspruch auf Entschädigungen aufgrund von Verspätungen und Ausfällen haben als in Deutschland.

Danach schulden allein im Zeitraum Januar bis 22. September die Airlines rund 2,8 Millionen Passagieren in Deutschland eine Entschädigungssumme von rund 823 Millionen Euro. Das wären über 500 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr seien in Deutschland bereits über 14.000 Flüge ausgefallen - mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wenn es nach Katarina Barley geht, sollen sich die Zustände möglichst schnell ändern. Fluggesellschaften sollen nach Ansicht der Verbraucherschutzministerin bei Flugausfall unaufgefordert Entschädigungen an ihre Gäste zahlen. "Verbraucher haben ein Recht darauf, ihre Ansprüche ohne Verlust von Zeit und Geld zu erhalten", sagte Barley dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Airlines müssten nicht nur entsprechende Anlaufstellen bieten, um Kundenbeschwerden entgegen zu nehmen. Sie müssten auch ihre Internetauftritte übersichtlicher gestalten, damit "Informationen zu Entschädigungen, Beschwerden und Schlichtung für die Reisenden übersichtlicher werden."

Mit Blick auf den Luftverkehrsgipfel an diesem Freitag in Hamburg sagte die SPD-Politikerin, dass bei Verspätungen und Annullierungen Fluggäste immer die Leidtragenden seien. "Wer einen Flug anbietet, muss ihn auch durchführen". Fluggesellschaften dürften nicht mehr zu Lasten der Verbraucher an Personal und Ersatzmaschinen sparen, sondern müssten hinreichend Reserven vorhalten, um Engpässe auszugleichen.

Am Freitag kommen Vertreter der Politik, der Luftfahrtbranche und der Flugsicherung in Hamburg zusammen, um darüber zu beraten, wie Flugausfälle und Verspätungen vermieden werden können. Die Rechte der Fluggäste werden bei dieser Gelegenheit wahrscheinlich nur am Rande vorkommen.

mik/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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florian29 05.10.2018
1. Typisch SPD!
Wer so "hervorragend" die Entschädigung für Dieselfahrer regelt wie diese Bundesregierung, dem traue ich gar nichts mehr zu. Frau Barley hat bis jetzt wirklich rein gar nichts geleistet!
penie 05.10.2018
2. EU-Fluggastrechteverordnung: Einfach mal lesen!
Frau Barley kommt viele Jahre zu spät und bewegt sich auf dem falschen Terrain. Auf diesem Gebiet ist alles geregelt. Dass Fluggesellschaften den pauschalierten Schadenersatz nur zögerlich bezahlen, wird sie nicht verhindern können. Außerdem gilt die im Betreff genannte Verordnung unmittelbar, d.h. die Mitgliedsstaaten haben hier keine Regelungskompetenz. Also wie inzwischen leider üblich ein weiterer populistischer und überflüssiger Vorstoß einer Politikerin, die es eingentlich besser wissen müßte.
felidae1970 05.10.2018
3. Typisch Politiker
Zitat von florian29Wer so "hervorragend" die Entschädigung für Dieselfahrer regelt wie diese Bundesregierung, dem traue ich gar nichts mehr zu. Frau Barley hat bis jetzt wirklich rein gar nichts geleistet!
Das hat rein gar nichts mit der SPD zu tun, so sind sie alle, die Politiker und die konservativen sind da sogar noch viel besser drin als die der SPD. Unsere CSU-Trottel von Verkehrsminister der letzten Jahre haben es sogar geschafft, Ihre "Leistung" in den Negativbereich zu katapultieren.
whoispaul 05.10.2018
4. ich würde mir wünschen,
das man wieder Passagier ist und nicht zahlendes Stückgut! Das geht eben schon beim Parken los, über Check in, Security Control und bis zu Zwischenlandungen.
bauern-muenchen 05.10.2018
5. Mich nervt...
...eigentlich nur das arrogante Sicherheitspersonal. Immer nach dem Motto "Ich kann nichts, ich bin nichts, gebt mir eine Uniform!". Da geht es nur um pures Machtausüben. Das könnte man ändern, alles andere gehört zum Fliegen irgendwie dazu.
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