Verdacht auf Schwarzarbeit Großrazzia am Frankfurter Flughafen

Hunderte Polizisten und Zollbeamte haben am Frankfurter Flughafen mehrere Firmen durchsucht. Es geht um Schwarzarbeit und organisierte Kriminalität. Auch ein Haus in Rüsselsheim wurde gestürmt.

Polizisten am Frankfurter Flughafen: Jahrelange Ermittlungen
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Polizisten am Frankfurter Flughafen: Jahrelange Ermittlungen


In einer großangelegten Razzia gegen Schwarzarbeit haben Polizei und Zoll am Mittwochmorgen mehrere Firmen durchsucht, schwerpunktmäßig am Frankfurter Flughafen sowie im Großraum Frankfurt. Auch an den Flughäfen Düsseldorf und München gab es Durchsuchungen. Bundesweit waren rund 1200 Beamte in mehr als 170 Objekten in sieben Bundesländern aktiv, teilte die Sonderkommission "Cumulus" beim Hauptzollamt Frankfurt mit. Sechs Männer im Alter von 26 bis 54 Jahren wurden in Hessen verhaftet.

Den sechs Männern und weiteren 23 Beschuldigten wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Sie sollen über ein Firmengeflecht Dienstleistungen im Bereich Gepäckabfertigung und Fracht angeboten, die dabei eingesetzten Beschäftigten aber nicht oder nicht vorschriftsgemäß sozialversichert haben. Auch Lohn- und Umsatzsteuer sollen nicht ordnungsgemäß gezahlt worden sein. Den Schaden bezifferte der Zoll auf mindestens 17,6 Millionen Euro.

Laut dpa haben die Ermittler ein Netzwerk von Firmen im Visier, die Dienstleistungen im Bereich Fracht erbringen. Es gehe auch um Steuerhinterziehung und nicht abgeführte Sozialbeiträge. Vorausgegangen seien jahrelange Ermittlungen.

Große Generalunternehmen, die mit den Beschuldigten zusammenarbeiteten, und der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport sollen getäuscht worden seien. Ihnen wurde nach den Erkenntnissen der Ermittler vorgegaukelt, die Arbeitnehmer würden ordnungsgemäß beschäftigt.

Ein Fraport-Sprecher teilte mit, das Unternehmen arbeite eng mit den Behörden zusammen und unterstütze die Ermittlungsarbeit. Auch Räume einer Tochter von Lufthansa Cargo wurden durchsucht. Das Unternehmen werde einem Firmensprecher zufolge aber nicht beschuldigt, sondern sei Zeuge. Man kooperiere mit den Behörden und habe Informationen zur Verfügung gestellt. Den Angaben zufolge gab es in der Vergangenheit Geschäftsbeziehungen zu einem der verdächtigen Unternehmen. Die Zusammenarbeit sei 2013 beendet worden.

Außer an den drei größten deutschen Flughäfen in Frankfurt, München und Düsseldorf gab es auch an den Flughäfen in Düsseldorf, München und Frankfurt-Hahn (Rheinland-Pfalz) sowie in Baden-Württemberg, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Nähere Details zu den einzelnen Bundesländern wurden nicht genannt. Vorausgegangen waren jahrelange Ermittlungen.

Im Einsatz waren auch Spezialeinheiten der Polizei. Sie stürmten ein Mehrfamilienhaus in Rüsselsheim. Mitarbeiter von Zoll und Steuerfahndung durchsuchten das Haus. Von den sechs Hauptverdächtigen wurden drei in Rüsselsheim, zwei in Frankfurt und einer in Mörfelden bei Frankfurt verhaftet.

Die sechs Hauptbeschuldigten aus der Führungsebene der mutmaßlich kriminellen Vereinigung leisteten der Sonderkommission zufolge keinen Widerstand. Bei ihnen wurden Luxusautos und erhebliche Mengen Bargeld sichergestellt. Bankguthaben wurden eingefroren. Insgesamt handelt es sich den Angaben zufolge um Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe.

Der Frankfurter Flughafen ist ein großer Umschlagplatz für Luftfracht. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte wegen Unregelmäßigkeiten bei dort angesiedelten Logistikunternehmen. Derzeit läuft in Frankfurt ein Gerichtsprozess wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen beim Bau eines Frachtzentrums.

stk/fdi/dpa/Reuters



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