Fördergeld Greenpeace beziffert Atomkosten auf 304 Milliarden Euro

Atomstrom gilt als billig - aber ist das wirklich so? Laut einer Greenpeace-Studie wird jede Kilowattstunde mit 4,3 Cent aus Steuergeldern subventioniert. Insgesamt sollen sich die Kosten auf 304 Milliarden Euro summieren - längere Laufzeiten noch nicht eingerechnet.

Atomkraftwerk Krümmel: Teurer als bisher gedacht?
ddp

Atomkraftwerk Krümmel: Teurer als bisher gedacht?


Berlin/Hamburg - Die Nutzung der Atomenergie hat nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace seit 1950 mindestens 204 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln gekostet. Weitere 100 Milliarden kämen in Zukunft noch hinzu - selbst ohne die von der Bundesregierung geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke.

Diese Kostenrechnung findet sich in einer am Mittwoch von Greenpeace veröffentlichten Studie. Diese war bei dem Forum Ökologische-Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegeben worden.

Die dort genannten 204 Milliarden Euro Fördermittel setzen sich demnach zusammen aus direkten Finanzhilfen des Bundes wie Forschungsförderung, Kosten für die Atommüllendlager Asse II und Morsleben oder die Stilllegung der ostdeutschen Meiler. Hinzu kommen Vergünstigungen bei der Energiesteuer und bei Entsorgungsrückstellungen sowie Zusatzeinnahmen der Konzerne durch den Emissionshandel.

Umweltschützer prangern Verschleierung an

Jede Kilowattstunde Atomstrom werde so mit mindestens 4,3 Cent subventioniert, rechnet Greenpeace vor. Das sei mehr als doppelt so viel, wie die Förderung alternativer Energien über das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) derzeit ausmacht.

Greenpeace fordert die Bundesregierung erneut auf, bis zum Jahr 2015 aus der Atomkraft auszusteigen. Die sieben ältesten Atomkraftwerke und das AKW Krümmel müssten aus Sicherheitsgründen sofort abgeschaltet werden.

Die Umweltschutzorganisation prangerte zudem an, dass der Subventionsbericht der Bundesregierung die tatsächlichen Kosten verschleiere. Dort seien lediglich Atomsubventionen von rund 200 Millionen Euro bis zum Jahr 2010 aufgelistet. Ursache für die drastische Differenz sei der äußerst eng gefasste Subventionsbegriff der Regierung: Sie erfasse nur die Kompensationen für Land- und Forstwirtschaft nach dem Tschernobyl-Unfall 1986.

Atomlobby weist Studie als "unseriös" zurück

Der Lobbyverband Deutsches Atomforum e.V. stuft die Greenpeace-Studie als unseriös ein. Die Darstellung von Subventionen für die Kernenergie entspreche nicht den Fakten und sei irreführend, heißt es in einer ersten Reaktion. So habe Greenpeace vorgerechnet, dass die Kernenergie bei den Rückstellungen Steuervergünstigungen in Höhe von 68,3 Milliarden Euro erhalten haben soll. Fakt sei jedoch, dass die Kernenergiebetreiber diese Rückstellungen aus eigenen Mitteln finanziert hätten, um später den Rückbau der Anlagen und die Endlagerung der Abfälle finanzieren zu können.

Auch der Energiekonzern RWE weist die Studie als unseriös zurück. "Bei den staatlichen Anschubfinanzierungen seit den 60er Jahren wird in der Studie pauschal alles den Kernkraftwerken zugerechnet", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Diese Anschubhilfen hätte es zwar gegeben, sie seien jedoch über Steuern, Beschäftigung und Wertschöpfung mittlerweile vollständig zurückgezahlt.

dis/dapd/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
T-Rex, 13.10.2010
1. Blödsinn
Zitat von sysopAtomstrom gilt als billig - aber ist das wirklich so? Laut einer Greenpeace-Studie wird jede Kilowattstunde mit 4,3 Cent aus Steuergeldern subventioniert. Insgesamt sollen sich die Kosten auf 304 Milliarden Euro summieren - längere Laufzeiten noch nicht eingerechnet. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,722927,00.html
Laut einer Greenpeacestudie soll Chernobyl über 500 000 Tote gefordert haben -tatsächlich waren es 7500 inkl. der Langzeiterkrankten. Wer glaubt Greenpeacestudien ? Laut der KiKK Studie der MAinzer Krebsforscher machen Atomkraftwerke krebs. Das funktioniert aber nur dann, wenn man Krümmel mit in die Rechnung mit einbezieht - denn dort gibt es einen Leukämie cluster vor der Haustür. Rechnet man die selbe Statistik ohne Krümmel sind AKWs sogar gesund und machen, dass man weniger Krebs bekommt. Die studie war ziemlich aufwändig und teuer - dennoch kannte man den Cluster in der Nähe von Krümmel und wusste schon vorher, dass er die Statistik dominieren würde - obwohl man also wusste, dass die Studie wertlos ist wurden gelder beweilligt und die Studie ist heute noch abrufbar. Wer also glaubt noch der Anti Atom Lobby ? Ohne diese Bewegung würde die linke Hälfte der deutschen politischen Landschaft kollabieren - wer glaubt, dass hier nur mit validen Zahlen gearbeitet wird ?
chris712 13.10.2010
2. Greenpeace...
Greenpeace glaubt auch, dass Klimawandel mit erhöhtem CO2-Ausstoß in Zusammenhang steht.
marcnu, 13.10.2010
3. Die Kosten für Suttgart 21 sind dagegen vernachlässigbar!
Auch wenn Zahlen zur Emission von Radioaktivität durch Atomkraftwerke in Luft und Wasser immer wieder verschleiert werden, können die Kosten doch relativ genau berechnet werden. Wer die Zahlen bezweifelt, soll bitte eine genaue Gegenrechnung durchführen und öffentlich machen.
Benjowi 13.10.2010
4. Macht den Solarstromunsinn auch nicht besser!
Selbst wenn der Wert von 4,3 Cent/kWh Atomstrom als Subvention stimmen würde, wäre das für die Gemeinschaft geradezu noch ein Schnäppchen gegenüber den Wahnsinnsubventionen, die in die im sonnenarmen Deutschland total sinnfreie Solarstromförderung geblasen werden-obendrein noch mit völlig falschen Prognosezahlen!
Celegorm 13.10.2010
5. ...
Zitat von T-RexLaut einer Greenpeacestudie soll Chernobyl über 500 000 Tote gefordert haben -tatsächlich waren es 7500 inkl. der Langzeiterkrankten. Wer glaubt Greenpeacestudien ? Laut der KiKK Studie der MAinzer Krebsforscher machen Atomkraftwerke krebs. Das funktioniert aber nur dann, wenn man Krümmel mit in die Rechnung mit einbezieht - denn dort gibt es einen Leukämie cluster vor der Haustür. Rechnet man die selbe Statistik ohne Krümmel sind AKWs sogar gesund und machen, dass man weniger Krebs bekommt. Die studie war ziemlich aufwändig und teuer - dennoch kannte man den Cluster in der Nähe von Krümmel und wusste schon vorher, dass er die Statistik dominieren würde - obwohl man also wusste, dass die Studie wertlos ist wurden gelder beweilligt und die Studie ist heute noch abrufbar. Wer also glaubt noch der Anti Atom Lobby ? Ohne diese Bewegung würde die linke Hälfte der deutschen politischen Landschaft kollabieren - wer glaubt, dass hier nur mit validen Zahlen gearbeitet wird ?
Sie glauben im Umkehrschluss offenbar dann lieber der Atom-Lobby. Dabei liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte, wie so oft wenn gegensätzliche Interessen lautstark vertreten werden. Zumal, selbst wenn die Zahlen hier nicht solide sein sollten, die grundsätzliche Aussage definitiv ihre Berechtigung hat. Denn es ist letztlich ein offenes Geheimnis, dass die Legende von der sauberen und billigen Atomenergie nicht wirklich haltbar ist. Geht man da durch die ganze Produktionskette hängen halt nach wie vor enorme Probleme sowie direkte und indirekte Subventionen dran, insofern kann man gar nicht oft genug betonen, dass halt auch AKWs nicht auf Basis von Kühlwasser mit einer Prise Liebe funktionieren. Wie im übrigen bei den meisten anderen Energiearten, die von den jeweiligen Unterstützern mit schöngerechneten Bilanzen propagiert werden..
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