Wirtschaft


ThemaWirtschaft in JapanRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
 

Folgen der Bebenkatastrophe Japan erstmals seit 1980 mit Handelsdefizit

Produktion bei Toyota: Wochenlang standen die Bänder stillZur Großansicht
AFP

Produktion bei Toyota: Wochenlang standen die Bänder still

Die Erdbeben-Katastrophe vom März 2011 hat dem traditionell exportstarken Japan das erste Handelsdefizit seit mehr als 30 Jahren beschert. Die Importe des Landes überstiegen die Ausfuhren im vergangenen Jahr um rund 25 Milliarden Euro. Eine Wiederholung ist jedoch unwahrscheinlich.

Tokio - Der immense Schaden, den das schwere Erdbeben vom 11. März 2011 in Japan angerichtet hat, lässt sich nun auch an der Handelsbilanz ablesen: Zum ersten Mal seit 1980 hat die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mehr Waren und Dienstleistungen eingeführt, als sie selbst exportiert hat. Das Handelsdefizit betrug der Regierung in Tokio zufolge im gesamten vergangenen Jahr 2,49 Billionen Yen, das sind umgerechnet rund 25 Milliarden Euro.

Die Ausfuhren des traditionell sehr exportstarken Landes sanken 2011 demnach um 2,7 Prozent, während die Importe deutlich um zwölf Prozent zulegten. Der Rückgang der Exporte fiel auf Jahressicht noch relativ gering aus, weil das Land bereits seit dem Juni wieder Handelsüberschüsse verzeichnet.

Zuvor jedoch musste Japans Industrie als Folge der Katastrophe vom 11. März einen Rekordeinbruch hinnehmen. Das Erdbeben und der Tsunami hatten weite Teile Nordjapans verwüstet und damit auch die dort ansässigen Unternehmen getroffen. Viele Produktionsstätten wurden zerstört, die Auswirkungen bekamen auch Unternehmen außerhalb des eigentlichen Katastrophengebiets zu spüren, da Zulieferketten unterbrochen wurden. So standen etwa beim Autobauer Toyota bis weit in den April hinein landesweit die Bänder still.

Starke Währung und teure Energie befeuerten Handelsdefizit

Auch die durch das Beben und den Tsunami verursachte Havarie im Atomkraftwerk Fukushima traf die japanische Industrie. Durch die Abschaltung eines Großteils der japanischen AKW kam es in den ersten Wochen nach der Katastrophe immer wieder zu Stromausfällen. Zurzeit sindlediglich vier der 54 Meiler des Landes in Betrieb.

Außer der Erdbeben-Katastrophe waren jedoch noch weitere Faktoren für das Handelsdefizit Japans verantwortlich. So verteuerte etwa der starke Yen die Exporte zusätzlich - er ist auch deshalb so hoch bewertet, weil Anleger aufgrund der Euro-Krise in andere Währungen geflüchtet sind. Ende vergangenen Jahres schmiedete Japan mit dem Nachbarn und traditionellen Rivalen China einen Währungspakt, um den bilateralen Handel zu fördern. Auch die weltweiten hohen Kosten für Energie haben die Exportwirtschaft Japans geschwächt.

Das japanische Handelsdefizit des Jahres 2011 dürfte sich nicht so schnell wiederholen. Bereits seit Juni übersteigen die Exporte des Landes wieder die Einfuhren. Der Internationale Währungsfonds rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.

fdi/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live
insgesamt 5 Beiträge
Progressor 25.01.2012
Wenn eine Volkswirtschaft ständig Exportüberschüsse zu verzeichnen hat, so wie z.B. Japan, China, Deutschland, dann bedeutet das folgendes: - Die Arbeitnehmer der Exportüberschussländer sind unterbezahlt. - Der [...]
Wenn eine Volkswirtschaft ständig Exportüberschüsse zu verzeichnen hat, so wie z.B. Japan, China, Deutschland, dann bedeutet das folgendes: - Die Arbeitnehmer der Exportüberschussländer sind unterbezahlt. - Der Exportüberschuss der einen, bedeutet _zwingend_ das Defizit der anderen. - In die Empfängerländer wird Arbeitslosigkeit mit exportiert. - Die Empfängerländer können sich ihr Defizit nur leisten, indem sie sich Kredite bei den Ländern mit Exportüberschuss aufnehmen. - Die Exportüberschussländer finanzieren selbst den Verkauf ihrer Produkte und Dienstleistungen. - Wenn das ständig so weiter geht, können die Defizitländer ihre Kredit nicht mehr zurückzahlen. - Die Exportüberschüsse kommen irgendwann letzten Endes als Verlustabschreibung zurück.
fred_krug 25.01.2012
Wer die Subventionierung von Photovoltaik-Technik fordert, fordert die Subventionierung der Umweltzerstörung. Das ist unter keinen Umständen akzeptabel.
Wer die Subventionierung von Photovoltaik-Technik fordert, fordert die Subventionierung der Umweltzerstörung. Das ist unter keinen Umständen akzeptabel.
Crom 25.01.2012
Jetzt kommen die ersten und jammern wie schlecht doch Exportüberschüsse sind. Naja, ökonomischer Sachverstand war im SPON-Forum immer selten anzutreffen. Japan ist eine alternde Gesellschaft. Daher sind Exportüberschüsse [...]
Jetzt kommen die ersten und jammern wie schlecht doch Exportüberschüsse sind. Naja, ökonomischer Sachverstand war im SPON-Forum immer selten anzutreffen. Japan ist eine alternde Gesellschaft. Daher sind Exportüberschüsse notwendig, denn je älter die Gesellschaft wird, desto geringer wird dieser ausfallen und das Verhältnis kann sich sogar umdrehen. Möchte man dann nicht so enden wie Griechenland, muss man die Exportüberschüsse jetzt schlau einsetzen, z.B. um sich Rohstoffe im Ausland zu sichern oder anderweitige Auslandsinvestitionen zu tätigen. Genau so sollte Deutschland mit seinen Exportüberschüssen umgehen. Naja, wir verschenken ja lieber unser Geld an den Club Med und müssen uns dann noch anhören, wie schlecht wir doch sind. Fazit: Für Deutschland und erst Recht für Japan sind die Exportüberschüsse notwendig für und als Investition in die Zukunft.
bürgerschreck 25.01.2012
- Unterbezahlte Arbeitnehmer in der deutschen Metallindustrie? Unterbezhalt sind hierzulande Krankenschwestern, etc, die exportieren aber nichts. - in USA, GB etc waren die Arbeitslosenzahlen lange Zeit niedriger als in D, [...]
Zitat von ProgressorWenn eine Volkswirtschaft ständig Exportüberschüsse zu verzeichnen hat, so wie z.B. Japan, China, Deutschland, dann bedeutet das folgendes: - Die Arbeitnehmer der Exportüberschussländer sind unterbezahlt. - Der Exportüberschuss der einen, .....
- Unterbezahlte Arbeitnehmer in der deutschen Metallindustrie? Unterbezhalt sind hierzulande Krankenschwestern, etc, die exportieren aber nichts. - in USA, GB etc waren die Arbeitslosenzahlen lange Zeit niedriger als in D, weil der Dritte Sektor dort stärker ist, Service wird aber auch nicht exportiert - Geld wird auch auf den Finanzmärkten verdient, im Tourismus und auch Gastarbeiter überweisen Geld nach Hause, über die sich andere Staaten finanzieren. --> Die einseitige Beschränkung auf den Handel verengt die Sichtweise... zu kurz gedacht.
Sven10 25.01.2012
ja, aber nicht in Währungen (z.B. Dollar), die durch eine Inflation (zusätzlich vielleicht noch ein Gläubigerverzicht) an Wert verlieren. Deutschland ist ein Rohstoffarmes Land, hier kann man viel hinzukaufen, man könnte am [...]
Zitat von Crom. Möchte man dann nicht so enden wie Griechenland, muss man die Exportüberschüsse jetzt schlau einsetzen, z.B. um sich Rohstoffe im Ausland zu sichern oder anderweitige Auslandsinvestitionen zu tätigen. Genau so sollte Deutschland mit seinen Exportüberschüssen umgehen. Naja, wir verschenken ja lieber unser Geld an den Club Med und müssen uns dann noch anhören, wie schlecht wir doch sind.
ja, aber nicht in Währungen (z.B. Dollar), die durch eine Inflation (zusätzlich vielleicht noch ein Gläubigerverzicht) an Wert verlieren. Deutschland ist ein Rohstoffarmes Land, hier kann man viel hinzukaufen, man könnte am Marketing arbeiten (Unternehmen; Land (Touristen) ), .....
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
alles zum Thema Wirtschaft in Japan

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH









TOP



TOP