Tokio - Der immense Schaden, den das schwere Erdbeben vom 11. März 2011 in Japan angerichtet hat, lässt sich nun auch an der Handelsbilanz ablesen: Zum ersten Mal seit 1980 hat die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mehr Waren und Dienstleistungen eingeführt, als sie selbst exportiert hat. Das Handelsdefizit betrug der Regierung in Tokio zufolge im gesamten vergangenen Jahr 2,49 Billionen Yen, das sind umgerechnet rund 25 Milliarden Euro.
Die Ausfuhren des traditionell sehr exportstarken Landes sanken 2011 demnach um 2,7 Prozent, während die Importe deutlich um zwölf Prozent zulegten. Der Rückgang der Exporte fiel auf Jahressicht noch relativ gering aus, weil das Land bereits seit dem Juni wieder Handelsüberschüsse verzeichnet.
Zuvor jedoch musste Japans Industrie als Folge der Katastrophe vom 11. März einen Rekordeinbruch hinnehmen. Das Erdbeben und der Tsunami hatten weite Teile Nordjapans verwüstet und damit auch die dort ansässigen Unternehmen getroffen. Viele Produktionsstätten wurden zerstört, die Auswirkungen bekamen auch Unternehmen außerhalb des eigentlichen Katastrophengebiets zu spüren, da Zulieferketten unterbrochen wurden. So standen etwa beim Autobauer Toyota bis weit in den April hinein landesweit die Bänder still.
Starke Währung und teure Energie befeuerten Handelsdefizit
Auch die durch das Beben und den Tsunami verursachte Havarie im Atomkraftwerk Fukushima traf die japanische Industrie. Durch die Abschaltung eines Großteils der japanischen AKW kam es in den ersten Wochen nach der Katastrophe immer wieder zu Stromausfällen. Zurzeit sindlediglich vier der 54 Meiler des Landes in Betrieb.
Außer der Erdbeben-Katastrophe waren jedoch noch weitere Faktoren für das Handelsdefizit Japans verantwortlich. So verteuerte etwa der starke Yen die Exporte zusätzlich - er ist auch deshalb so hoch bewertet, weil Anleger aufgrund der Euro-Krise in andere Währungen geflüchtet sind. Ende vergangenen Jahres schmiedete Japan mit dem Nachbarn und traditionellen Rivalen China einen Währungspakt, um den bilateralen Handel zu fördern. Auch die weltweiten hohen Kosten für Energie haben die Exportwirtschaft Japans geschwächt.
Das japanische Handelsdefizit des Jahres 2011 dürfte sich nicht so schnell wiederholen. Bereits seit Juni übersteigen die Exporte des Landes wieder die Einfuhren. Der Internationale Währungsfonds rechnet für das laufende Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent.
fdi/dpa-AFX
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