Folgen des Bebens Japans Industrie erleidet Rekordeinbruch

Erdbeben und Tsunami haben Japans Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Die Industrieproduktion ist im Monat März um mehr als 15 Prozent gesunken - es war das höchste Minus seit Aufzeichnung der Daten.

Zerstörungen durch das Erdbeben: Folgen für Japans Wirtschaft
AFP

Zerstörungen durch das Erdbeben: Folgen für Japans Wirtschaft


Tokio - Die Erdbebenkatastrophe und ihre Folgen haben der japanischen Wirtschaft schwerer geschadet als vermutet: Die Industrieproduktion ging im März um 15,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück, erklärte die Regierung in Tokio am Donnerstag. Es ist das höchste Minus seit dem Jahr 1953, als die Daten erstmals aufgezeichnet wurden. Der Wert lag über den Prognosen. Die Nachrichtenagentur Kyodo hatte einen Rückgang von 11,4 Prozent erwartet.

Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami am 11. März hatten weite Teile Nordjapans verwüstet und damit auch die dort ansässigen Unternehmen getroffen. Viele Produktionsstätten wurden zerstört, Zulieferketten unterbrochen. Besonders empfindlich sei die Automobilindustrie getroffen worden, hieß es. Toyota und seine inländischen Konkurrenten haben wegen der anhaltenden Lieferengpässe die Fertigung heruntergefahren. Branchenprimus Toyota kann derzeit nur halb so viele Autos herstellen wie im Normalbetrieb.

Das hat Auswirkungen auf andere Industrien: So wollen die Stahlhersteller Nippon Steel Chart zeigen und JFE Steel einem Zeitungsbericht zufolge ihre Produktion drosseln. Die Nummer vier und fünf in der Welt planten eine Kürzung um fünf Prozent, berichtet die Wirtschaftszeitung "Nikkei" am Donnerstag.

Zusätzlich kämpft das Land weiter gegen die Atomkatastrophe im AKW Fukushima. Japans Ministerpräsident Naoto Kan will Konsequenzen aus dem Reaktordesaster ziehen. Das Unglück solle umfassend aufgeklärt und alle Informationen dazu veröffentlicht werden. "Auf diese Weise möchten wir einen aktiven Beitrag zur internationalen Diskussion über die Verbesserung der Sicherheit der Kernkraft leisten, damit ein solcher Unfall nicht mehr auftritt", schreibt der Regierungschef am Donnerstag in einem Beitrag für die in Düsseldorf erscheinende "Rheinische Post".

Sein Land werde mit scharfen Kontrollen dafür sorgen, "dass die Sicherheit der Nahrungsmittel und Produkte aus Japan, die auf den Markt gelangen, gewährleistet ist". Bei zwei Fischproben und bei Spinat sind in der Nähe des havarierten Atomkraftwerks erhöhte Werte radioaktiven Cäsiums gefunden worden. Wie der Fernsehsender NHK am Donnerstag meldete, waren die Werte fünf- bis sechsmal höher als gesetzlich erlaubt. Beim Spinat seien es etwa doppelt soviel Becquerel wie zulässig gewesen.

Nach Regierungsangaben soll im Juni damit begonnen werden, das belastete Abwasser im AKW Fukushima zu dekontaminieren. Das hoch radioaktiv verseuchte Wasser behindert die Reparaturarbeiten am Kühlsystem des Kraftwerks. Das AKW war bei dem Mega-Erdbeben und dem Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden.

suc/dapd/dpa/AFP/Reuters



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Interessierter0815 28.04.2011
1. .
Zitat von sysopErdbeben und Tsunami haben Japans Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Die Industrieproduktion ist im Monat März um mehr als 15 Prozent gesunken - es war das höchste Minus seit Aufzeichnung der Daten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759406,00.html
Ja wenn die Wirtschaft einbricht, dann sind alle anderen Probleme marginal... VW wird sich freuen...
ratxi 28.04.2011
2. Megatitel
Zitat von sysopErdbeben und Tsunami haben Japans Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Die Industrieproduktion ist im Monat März um mehr als 15 Prozent gesunken - es war das höchste Minus seit Aufzeichnung der Daten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759406,00.html
Nach dem, was passiert ist, empfinde ich 15% Rückgang schon eher als beruhigend. ""Das AKW war bei dem Megaerdbeben und dem Tsunami am 11. März schwer beschädigt worden."" P.S: Was ist denn ein Megaerdbeben?
harry_buttle 28.04.2011
3. tz
---Zitat--- "Auf diese Weise möchten wir einen aktiven Beitrag zur internationalen Diskussion über die Verbesserung der Sicherheit der Kernkraft leisten, damit ein solcher Unfall nicht mehr auftritt" ---Zitatende--- Die sicherste Kernkraft ist _keine_ Kernkraft.
mitwisser, 28.04.2011
4. absehbar
Zitat von sysopErdbeben und Tsunami haben Japans Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Die Industrieproduktion ist im Monat März um mehr als 15 Prozent gesunken - es war das höchste Minus seit Aufzeichnung der Daten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759406,00.html
... und der Nikkei steigt und steigt, klar.
Banane1000 28.04.2011
5. Überraschung
Zitat von sysopErdbeben und Tsunami haben Japans Wirtschaft mit voller Wucht getroffen. Die Industrieproduktion ist im Monat März um mehr als 15 Prozent gesunken - es war das höchste Minus seit Aufzeichnung der Daten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,759406,00.html
"Der Wert lag über den Prognosen." Diese Aussage werden wir im Zusammenhang mit dem Ereignis noch öfter hören.
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